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Integrationskurs und Berufspraktika: Freizeitzentrum nimmt 50 Flüchtlinge auf

Integrationskurs und Berufspraktika: Freizeitzentrum nimmt 50 Flüchtlinge auf

50 Flüchtlinge werden ab Mitte November in Bischofsdhron untergebracht. Die Flüchtlingsinitiative Miteinander in Morbach erklärt sich bereit, bei der Integration mitzuarbeiten, kritisiert aber gleichzeitig die Informationspolitik der Verwaltung. Der Ortsbeirat sieht der Unterbringung der Flüchtlinge mit gemischten Gefühlen entgegen.

Bischofsdhron. Bereits seit einigen Wochen machen Gerüchte in Morbach die Runde, dass im Bischofsdhroner Freizeitzentrum Idarwald Flüchtlinge untergebracht werden sollen. Jetzt hat Bürgermeister Andreas Hackethal diese Gerüchte bestätigt: Am 16. November sollen etwa zusätzliche 50 Flüchtlinge, zumeist aus Syrien, in die Gebäude des Freizeitzentrums neben dem Bischofsdhroner Sportplatz einziehen. Bisher waren in der Einheitsgemeinde 74 Asylbewerber auf verschiedene Stellen verteilt untergebracht.

Die Räume im Freizeitzentrum hat die Gemeinde angemietet. Bei den Flüchtlingen handele es sich überwiegend um Einzelpersonen, sagt Hackethal. Sie sollen im Rahmen eines neuen Projektes zur Integration von Flüchtlingen betreut werden. Es sind die ersten Flüchtlinge in der Einheitsgemeinde, die nicht mehr verteilt, sondern in einer Gemeinschaftsunterkunft untergebracht sind. Denn "wir stellen fest, dass wir an Kapazitätsgrenzen stoßen", sagt Hackethal.
Weitere Gebäude in der Einheitsgemeinde, um dort eine größere Anzahl von Flüchtlingen unterzubringen, seien bisher nicht in der Überlegung. Man habe auf gute Rahmenbedingungen Wert gelegt, um den Asylbewerbern eine Perspektive bieten zu können, sagt der Bürgermeister. "Wir müssen einen Integrationskurs nach Morbach bekommen, um die Integration begleiten zu können", sagt Hackethal.
Zusätzlich habe man "in enger Abstimmung" mit dem Jobcenter und den Morbacher Unternehmen gehandelt, denn diese suchten Arbeitskräfte, sagt er. Die Flüchtlingshilfe Miteinander in Morbach, deren Gründung die Gemeinde unterstützt habe, sei ebenfalls in "einigen Teilen" informiert, sagt der Bürgermeister. Sie soll zunehmend mit eingebunden werden. Es bestehe bei den ehrenamtlichen Helfern eine große Bereitschaft, sich einzubringen. "Wir machen Miteinander in Morbach das Angebot, zusammenzuarbeiten", sagt er.
Die Koordination der Integrationsmaßnahmen auch in Zusammenarbeit mit Kreisverwaltung und Flüchtlingshilfe könne im Rathaus passieren.
Florian Brödner, evangelischer Pfarrer und einer der Sprecher von Miteinander in Morbach, sagt, die Initiative sei bereit, mit der Gemeinde zusammenzuarbeiten und die Flüchtlinge in Bischofsdhron zu unterstützen. "Wir haben uns doch gewünscht, dass die Gemeinde auf uns zugeht", sagt er. Man sei dankbar, wenn in Zukunft Hand in Hand gearbeitet würde und die Initiative Unterstützung erhält.
Brödner habe vor etwa drei Wochen erstmals von der Ankunft weiterer Flüchtlinge gehört, allerdings nicht von offizieller Seite. Sein Mitstreiter Georg Gröber sagt, dass Miteinander in Morbach bisher keine offizielle Information über weitere Flüchtlinge erhalten hat. Zudem kritisiert Brödner, dass es grundsätzlich ein Problem sei, zu erfahren, wo Flüchtlinge untergebracht seien und aus welchem Land diese kommen. "Infopolitik sieht anders aus", sagt er.
Einen Integrationskurs möchte die Sprachschule Newo, die bereits in Bernkastel-Kues und in Wittlich tätig ist, demnächst in Morbach anbieten. Nelli Wolf von der Sprachschule sagt, es liege daran wie schnell ein von zuständigen Behörden lizensierter Lehrer zu bekommen sei. Der Kurs könne im katholischen Pfarrheim in Morbach stattfinden, hieß es bei einem Treffen der Morbacher Flüchtlingsinitiative am Montag.
Der Ortsbeirat Bischofsdhron ist wie die Vertreter der Parteien im Morbacher Gemeinderat am Dienstag über die Unterbringung von Flüchtlingen im Freizeitzentrum Idarwald informiert worden. Der Ortsbeirat sehe dies mit gemischten Gefühlen, sagt Ortsvorsteher Christian Köhler. Mitte der 1990er Jahre seien Aussiedler im Ferienzentrum untergebracht gewesen.
Damals habe es den "ein oder anderen Vorfall" gegeben. Doch das Konzept der Gemeinde, bei dem Berufspraktika und Betreuungsangebote für die Flüchtlinge vorgesehen seien, habe sich gut angehört. Köhler: "Schwarze Schafe kann es überall geben, doch ich gehe davon aus, dass die Flüchtlinge sich hier integrieren wollen."
Am Donnerstag, 12. November, findet im Gemeindehaus Bischofsdhron um 20 Uhr eine Informationsveranstaltung zum Thema "Flüchtlinge in Bischofsdhron" statt.