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Interview mit der Jugendpflegerin Patrycja Murawska in Traben-Trarbach

Interview mit der Traben-Trarbacher Jugendpflegerin : Wenn Schüler ihre Handys freiwillig abgeben

Die Jugendpflegerin der Verbandsgemeinde Traben-Trarbach plant viele Aktivitäten. Ein großes Ziel: ein Jugendparlament.

Vor einem Jahr hat die Verbandsgemeinde Traben-Trarbach zum ersten Mal eine hauptamtliche Jugendpflegerin eingestellt. Die 28-jährige Patrycja Murawska hat inzwischen die Verbandsgemeinde kennengelernt und erzählt im Interview von ihren Erfahrungen.

Wie haben Sie die Verbandsgemeinde kennengelernt? Was ist Ihr Eindruck nach einem Jahr?

Patrycja Murawska: Ich habe alle Orte der Verbandsgemeinde besucht. Auch die Schulen besuche ich regelmäßig. Die Situation ist immer unterschiedlich. In manchen Orten gibt es einen Jugendraum, in anderen nicht, wie zum Beispiel in Traben-Trarbach.

In Traben-Trarbach gibt es ja Pläne, einen Jugendraum einzurichten ….

Murawska: Ja. Diese Pläne sind auch schon sehr konkret, denn es wurden Räumlichkeiten für einen Jugendraum gefunden. Im Frühjahr soll die Renovierung beginnen, die Gestaltung des Raums machen die Jugendlichen dann selbst. Wir haben eine feste Zusage und der Raum wird in Traben-Trarbach zentral erreichbar sein. Das haben sich viele Schüler gewünscht, damit sie keinen weiten Weg zur Bushaltestelle haben. Wo der Raum letztendlich ist, will ich aber noch nicht verraten, weil das erst später bekannt gegeben wird.

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen einem Jugendraum und einem offenen Angebot in einem Haus der Jugend?

Murawska: In einem Haus der Jugend wird ein Angebot bereitgehalten, zu dem die Jugendlichen ohne Anmeldung kommen. In Jugendräumen müssen die Jugendlichen das Angebot selbst entwickeln, Termine finden, wann sie sich im Jugendraum treffen, sich verabreden und Ideen einbringen. Dabei helfe ich ihnen in der gesamten Verbandsgemeinde.

 Welche Aktivitäten gab es im vergangenen Jahr, was ist noch geplant?

Murawska: Ich erarbeite mit den Jugendlichen zielgruppenspezifische Angebote. So haben wir die Arbeitsgemeinschaft „Starke Mädchen“ jeweils montags an der Realschule plus. Es gibt eine Koch- und Back-AG , wir machen Filmabende und Nachtwanderungen immer an verschiedenen Orten der Verbandsgemeinde. Ein weiteres Beispiel für generationenübergreifende Jugendarbeit war ein Malprojekt, bei dem die Jugendlichen Bilder gemalt haben, die an eine Kindertagesstätte und an ein Altenheim gegeben wurden. Ein besonderes Projekt war das Handy-Projekt unserer Digital-Werkstatt. Es ging darum, wie lange man ohne Handy aushält. Die Idee dazu kam von den Jugendlichen selbst. Fünf Jugendliche haben mir ihre Handys gegeben und wollten sechs Tage aushalten – zwei Jugendliche haben tatsächlich auch durchgehalten.

Was fällt Ihnen in der Arbeit mit den Jugendlichen besonders auf, was sind ihre Ziele?

Murawska: Wir wollen die Jugendlichen dazu bringen, vor der Politik keine Angst zu haben. Dafür machen wir bei einem besonderen Programm der politischen Bildung mit, dem Programm „Kommunalpolitik macht Schule“. Viele Jugendliche wollen etwas ändern, wissen aber nicht wie. Junge Menschen haben noch keine Angst zu sagen, was sie denken, sie äußern ihre Wünsche ganz frei.

Was sind die besonderen Sorgen der Jugendlichen?

Murawska: Das Problem hier sind die Busverbindungen und die Schulzeiten, die bis in den Nachmittag reichen. Ich glaube, die Jugendlichen wünschen sich einfach mehr Freizeit. Viele sind auch in Vereinen und wollen dort mitmachen. Das wird zeitlich schon knapp, wenn sie erst am späten Nachmittag zu Hause sind.

Was ist Ihr Resümee nach einem Jahr?

Murawska: Ich spüre, dass ich hier angekommen bin. Die Verbandsgemeinde ist vielfältig und ich bin viel unterwegs. Dabei versuche ich auch Ehrenamtliche für die Jugendarbeit zu begeistern. Es ist positiv, dass die Jugendlichen da sind und mitmachen. Es braucht eben eine Zeit, bis sie Vertrauen zu jemandem finden, den sie noch gar nicht kennen. Ich wünsche mir, dass die Jugendlichen mit ihren Ideen auf mich zu kommen und dass wir Spaß haben.