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Interview mit Hans-Jürgen Lichter über Gewerbeparks

Interview : Dem Gewerbe Platz für die Entwicklung geben

Wirtschaftsexperte Hans-Jürgen Lichter über die Stärken und Schwächen von Maring-Noviand – und den geplanten Gewerbepark.

Maring-Noviand Hans-Jürgen Lichter ist Inhaber der AVL Projektentwicklungs GmbH, die er im Jahr 2013 gegründet hat. Er zählt zu den wichtigsten Managern der Region, wenn es um Bau- und Immobilienprojekte geht.

Lichter stammt aus Maring-Noviand und lebt auch dort, wo seine Firma ihren Sitz hat. Er hat in seiner beruflichen Laufbahn unter anderem die Entwicklung vieler Baugebiete und Gewerbeparks begleitet und nimmt im TV-Gespräch Stellung zum geplanten Gewerbegebiet in Maring-Noviand, das auf einer Fläche von 60 Hektar Platz für die Ansiedlung neuer Firmen in einem eher strukturschwachen Gebiet schaffen soll.

Herr Lichter, Sie stammen aus Maring-Noviand, haben den Ort in ihrer Jugend verlassen, um sich beruflich zu entwickeln und sind dann wieder zurückgekommen. Was gefällt Ihnen an Maring-Noviand besonders und warum sind Sie mit Ihrer Firma zurückgekehrt?

Hans-Jürgen Lichter: Ich bin von ganzem Herzen Moselaner. Durch meine beruflichen Aktivitäten, auch als Vorstandsmitglied im BVW-Landesverband Freier Immobilien-und Wohnungsunternehmen Hessen/RLP/Saarland komme ich in viele Regionen und Städte im gesamten Bundesgebiet. Ich bin aber immer wieder froh, wenn ich in die Heimat zurück komme. Als Firmensitz ist Maring-Noviand sehr gut geeignet, weil der Ort verkehrstechnisch gut erreichbar ist.

Welche Schwächen hat Maring-Noviand und wo liegt das Zukunftspotenzial des Ortes?

Lichter:Die Schwäche von Maring-Noviand liegt in der schwachen Infrastruktur und Versorgung für den täglichen Bedarf. Es gibt keine Post-Bank-Ärzte und kaum Geschäfte, Gastronomie oder Hotellerie etc. Ich sehe nur Zukunftspotenzial für den Ort, wenn durch Ansiedlung von Gewerbe und Betrieben, Arbeitsplätze entstehen, junge Familien sich dadurch ansiedeln und auch zukünftig Kindergarten und Schule im Dorf bleiben.

Haben Sie auch in Maring-Noviand investiert?

Lichter: Ja, ich habe in der Brunnenstraße selbst sechs alte Häuser saniert und damit acht Wohneinheiten geschaffen. Dadurch wurden jüngere Bürger, die nicht aus dem Ort stammen, angesiedelt. Weitere Investitionen würde ich tätigen, wenn der Ort durch den Gewerbepark wieder attraktiver wird. Ich könnte mir zum Beispiel auch ein Objekt mit betreutem Wohnen vorstellen, um älteren Bürgern barrierefreies Wohnen in kleinen Wohnungen zu ermöglichen.

Die Corona-Krise hat sich stark auf die Wirtschaft ausgewirkt. Lieferketten wurden unterbrochen, manche Absatzmärkte sind weggebrochen, Firmen machen Pleite. Manche Wirtschaftsexperten erwarten eine Stadtflucht von Betrieben, da der ländliche Raum von der Pandemie weniger stark betroffen war. Welche Chancen bietet das für ländliche Kommunen?

Lichter: Es hat sich immer wieder gezeigt, dass unsere Region, nie die absoluten Spitzen oder negativen Auswirkungen von Boom oder Krisenzeiten mitgemacht hat. Die kleinen Gewerbebetriebe und der Mittelstand sind bei uns der Garant für Wachstum. Denen muss man Platz für Entwicklung geben und zusätzlich neue Betriebe ansiedeln.

Der geplante Gewerbepark in Maring-Noviand ist umstritten. Es gibt Kritiker, darunter auch Umwelt­initiativen, die den Park verhindern wollen. Wie schätzen Sie diese Situation ein? Würde der Park den Ort weiterbringen oder seine Entwicklung eher bremsen?

Lichter: Ich verstehe, dass es Bürger und Initiativen gibt, die Kritik am Gewerbepark äußern. Aber man muss hier klar Vor-und Nachteile emotionslos betrachten und abwägen. Die Ortsgemeinde und die VG haben riesige Wald, Wiesen, Weinbergs- und Naturflächen. Das geplante Gewerbegebiet liegt oberhalb der L 47, ist kein schützenswertes Biotop und stört durch Anlieferverkehr niemanden im Dorf, weil es außerhalb liegt. Der Ort würde sich nach meiner Einschätzung enorm weiterentwickeln können und zu hohem Gewerbesteueraufkommen führen, wovon alle Bürger der Gemeinde und Region profitieren. Dabei würde zusätzlich, ökologisch sinnvoll, Arbeiten und Wohnen in der Nähe ermöglicht.