Interview mit Wittlicher Bürgermeister Joachim Rodenkirch

Stadtentwicklung : Wittlicher Bürgermeister Joachim Rodenkirch im Interview: „Es gibt keinen Stillstand!“

Seit 2018 wohnen mehr als 20.000 Menschen in Wittlich. Neben der Einwohnerzahl wächst auch die Wirtschaft. Bürgermeister Joachim Rodenkirch spricht über die Perspektiven der Säubrennerstadt.

In der Säubrennerstadt, sowohl im Zentrum wie auch in den Stadtteilen, hat sich in den vergangenen Jahren viel getan – wie die Umgestaltung des Lieserufers am Rande der Altstadt.

Herr Rodenkirch, was sind die weiteren Projekte und Perspektiven für das neue Jahr?

Joachim Rodenkirch Es gibt eine Vielzahl an Projekten. 2019 wird dem vergangenen Jahr in nichts nachstehen. Wir haben gerade den Neubau des Schwimmbades europaweit ausgeschrieben. Dazu  werden wir ein Hochwasserschutzkonzept erarbeiten, mit ökologischen Maßnahmen verbinden und umsetzen. Mit der Projektion des Mehrgenerationenhauses, dem Haus der Jugend und einer Kita steht ein großes Invest an. Für das neue Hotel im Stadtzentrum gilt es, Baurecht zu schaffen. Die Integration der vielen Menschen, die zu uns gekommen sind, aber auch die Digitalisierung unserer Welt sind weitere Dauerthemen.

In den vergangenen Jahren gab es umfangreiche Industrie- und Gewerbeansiedlungen. Was erwartet uns künftig, und wo sollen Ansiedlungen stattfinden, wenn das Gewerbegebiet Wengerohr-Süd ausverkauft ist?

Rodenkirch Es gibt keinen Stillstand. Wir werden jetzt mit dem Industriegebiet-III-Nord und der Brüsseler Straße zwei Standorte und damit knapp 17 Hektar erschließen. Darüber hinaus sind wir dabei, den Flächennutzungsplan im Hinblick auf weitere Gewerbeflächen zu diskutieren.

Die Flächen sind begrenzt, Landwirte brauchen Land zur Bewirtschaftung: Stößt das Wachstum in der Wittlicher Senke an seine Grenzen?

Rodenkirch In der Enge des Wittlicher Talkessels ist ein maßvoller Abwägungsprozess mit allen Beteiligten wie den Landwirten notwendig. Die Topographie setzt uns Grenzen. Die Frage wird sein, wie wir trotz dieser Rahmenbedingungen und den Interessen der Landwirte ein moderates Wachstum hinbekommen.

Seit Jahren wächst die Stadt hauptsächlich an ihren Rändern. Im Zentrum gibt es dahingegen nicht ganz so viel Entwicklung oder Veränderung. Welche dicken Bretter gibt es dort zu bohren?

Rodenkirch Das kann ich so nicht stehen lassen. In der Innenstadt sind immense Investitionen in die Schaffung von Wohnraum geflossen. Durch das Alwin-Projekt konnten wir die Leerstandquote von 13 auf acht Prozent senken. Dazu haben wir zahlreiche öffentliche Plätze saniert und in Wert gesetzt. Auch das Projekt Aktives Stadtzentrum ist ein voller Erfolg, da es Investitionen von rund 38 Millionen Euro im Innenstadtbereich ausgelöst hat.

Angesichts des demographischen Wandels wird die medizinische Versorgung im ländlichen Raum immer prekärer, vor allem in Hinblick auf ältere Menschen. Wie ist die Situation in der Kreisstadt? Müssen auch hier Maßnahmen  ergriffen werden, um die medizinische Versorgung langfristig sicherzustellen?

Rodenkirch In Anbetracht des Krankenhauses sowie einer Vielzahl an Fachärzten und Apotheken laufen wir in absehbarer Zeit nicht Gefahr, in eine medizinische Unterversorgung zu geraten. Im Gegensatz zum Umland leiden wir in der Stadt keine Not.

Wittlich ist eine stetig wachsende Kreisstadt. Der Zuzug von Arbeitskräften verlangt auch mehr Wohnraum. Wo und wie will die Stadt Wittlich dafür Sorge tragen, dass neuer Wohnraum entstehen kann?

Rodenkirch Im Flächennutzungsplan sind noch genügend Flächen für den Wohnungsbau ausgewiesen. Wir werden zudem die Nach- und Innenverdichtung für Miet- und Eigentumswohnungen forcieren.

Die Einwohnerzahl steigt, und Schulen und Kindergärten verzeichnen ebenfalls steigende Anmeldezahlen. Wie ist die Stadt da aufgestellt? Welche Planungen gibt es?

Rodenkirch Im Frühjahr wird die Erweiterung der Grundschule Meistermann fertiggestellt. In Wengerohr haben wir das ehemalige Pfarrheim angekauft, um das Betreuungsangebot auszuweiten, ebenso wird der als Klassenraum genutzte Holzpavillon erneuert. Im Zentrum sollen unter einem Dach gemeinsam mit einem Mehrgenerationenhaus und einem Haus der Jugend eine neue Kita für sechs bis acht Gruppen entstehen. Das ist schon eine Hausnummer.

Stichwort Kultur: Das Kulturamt und der Verein für Stadtmarketing führen Jahr für Jahr eine Großzahl an Veranstaltungen durch. Auch im Eventum ist viel zu sehen und hören. Dazu bieten die Vereine viel Programm. Ende 2019 sollen in Wittlich Kinofilme zu sehen sein. Gibt es weitere Pläne in  Hinblick auf ein kulturelles Angebot in Wittlich?

Rodenkirch Wir sind nicht nur Wirtschaftsstandort, sondern auch kulturelles Zentrum zwischen Trier und Koblenz mit einer Vielzahl unterschiedlicher Veranstaltungen. So findet beispielsweise am 8. März ein Konzert der Neuen Philharmonie Westfalen im Eventum statt. Unser Kulturangebot wollen wir in bekannter Qualität unter Einbeziehung vieler ehrenamtlicher Akteure und den kulturtreibenden Vereinen fortführen.

Sind Sie überzeugt, dass Sie die die Premiere im geplanten Wittlicher Kino wie angekündigt im November sehen können?

Rodenkirch: Ich freue mich auf den ersten Film, den ich in Wittlich im Kino sehe – hoffentlich noch 2019.

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