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Windenergie: Investoren für Bürgerwindräder gesucht

Windenergie : Investoren für Bürgerwindräder gesucht

An den neuen Anlagen in der Morbacher Energielandschaft sollen sich Bürger mit insgesamt elf Millionen Euro beteiligen. Prognostiziert sind Renditen, die erst niedrig sind und sich gegen Ende der 20-jährigen Laufzeit steigern.

Die Vermarktung der neuen Windräder in der Morbacher Energielandschaft hat begonnen. Jörn Parplies vom Mainzer Unternehmen Wiwiconsult, das die 14 bestehenden Windräder gegen sieben höhere und leistungsfähigere Anlagen austauscht, und Erich Wust vom Büro Wust – Wind und Sonne, das jetzt Bürger als Mitfinanziers für Beteiligungen am neu gestalteten Morbacher Windpark sucht, haben die Pläne und die Renditechancen etwa 70 Zuhörern in der Morbacher Baldenauhalle vorgestellt.

Dabei wirbt Wust für die regionale Wertschöpfung und die Identifikation mit dem Windpark, die dabei erreicht werden. So viele Bürger wie möglich sollen sich daran beteiligen. „Das Ziel muss sein, dass die Bürger von unseren Windrädern sprechen“, sagt er.

55 Millionen Euro beträgt die Gesamtinvestition in die sieben Windräder. 20 Prozent, also elf Millionen Euro sollen durch Einlagen der Bürger in die beiden Gesellschaften Bürgerwindenergie Morbach Süd GmbH & Co KG und Morbach Nord GmbH & Co KG (siehe Hintergrund) zusammenkommen. Laut Gesetz dürfen die Anlagen in einem Park insgesamt nicht mehr als 18 Megawatt haben. Da eine Gesellschaft mit sieben Windrädern diese Zahl überschreiten würde, wurden zwei Gesellschaften gegründet – eine mit vier und eine mit drei Windrädern à 4,2 Megawatt. Durch die Teilung in zwei Gesellschaften werde man diesen gesetzlichen Vorgaben gerecht, sagt Wust. Kosten und Erträge aller sieben Windräder würden in einen Topf kommen und anschließend auf die beiden Gesellschaften aufgeteilt, deren Sitz in Morbach sein soll.

Auch die finanzierenden Banken sollen vorrangig aus der Region kommen. Zuerst sollen sich die Bürger aus der Region mit ihren Einlagen beteiligen, sagt Wust. Erst dann werde in einem zweiten Schritt nach weiteren Investoren außerhalb des Landkreises gesucht. Die Mindestbeteiligung für jeden Investor liegt bei 5000 Euro.

Die Laufzeit für die Einlagen, die auch an dritte übertragen werden können, beispielsweise durch Verkauf oder Erbschaft, beträgt 20 Jahre.

Die Rendite liegt über die gesamte Laufzeit voraussichtlich bei fünf Prozent, sagt Wust. Wobei er zu Anfang den Gewinn aufgrund der Kapitaldienste für Tilgung und Zins lediglich mit zwei Prozent errechnet, am Schluss der Laufzeit soll dieser bei 22 Prozent liegen. „Wenn Sie sich mit 10 000 Euro beteiligen, bekommen sie über 20 Jahre scheibchenweise 20 000 Euro zurück“, sagt er.

Die Besucher haben nach zahlreichen Details des Vortrages gefragt. So ist auch die mangelnde Rendite aus den derzeit noch bestehenden Windrädern Thema gewesen. Dass sich die Erwartungen nicht erfüllt haben, liege daran, dass der Wind schwächer geblasen habe als angenommen, sagt Parplies. Doch sei man heute weiter als vor 15 Jahren. Man verfüge über bessere Standortkenntnisse, kenne durch laserbasierte Windmessungen das Windprofil bis in 200 Meter Höhe und habe so eine „sehr solide Ertragsprognose.“ Man gehe von einem Nettoertrag von 67 000 Megawattstunden pro Jahr aus. Die erzeugte Strommenge pro Windrad liege aufgrund der größeren Fläche, die die Rotoren bestreichen, und der Höhe der Anlage bei der vierfachen Menge der bisherigen Anlagen.

Die gesicherte Einspeisevergütung für 20 Jahre liegt bei 7,46 Cent pro Kilowattstunde. Danach werde der Preis neu ausgehandelt. Zum Vergleich: 2017 sei der Strom an der deutschen Strombörse mit 2,77 Cent pro Kilowattstunde gehandelt worden, sagt Wust.

Weitere Informationen über das Projekt gibt es im Internet unter www.wust-wind-sonne.de. Dort sind auch Interessens­bekundungen für Beteiligungen an den Windrädern möglich. Eine ausführliche Information gibt es in Papierform. Diese kann über die Homepage angefordert werden.