Bei der Bauerntagung in der Thalfanger Festhalle haben Teilnehmer einer Podiumsdiskussion gegensätzliche Positionen vertreten. Dadurch sind die Spannungen deutlich geworden zwischen Verbrauchern und Naturschutzverbänden auf der einen sowie den Landwirten auf der anderen Seite.

Kostenpflichtiger Inhalt: Tagung : Landwirte wollen mehr Wertschätzung

Bei der Bauerntagung in der Thalfanger Festhalle haben Teilnehmer einer Podiumsdiskussion gegensätzliche Positionen vertreten.

 Werden die Leistungen von Bauern so gewürdigt wie sie es verdient haben? Offensichtlich nicht. „Landwirte erhalten nicht mehr die Wertschätzung wie früher“, sagt Vera Höfner, erste Beigeordnete der VG Thalfang bei der Begrüßung der mehr als 80 Besucher der Bauerntagung in der Thalfanger Festhalle. Diese steht in diesem Jahr unter dem Motto „Landwirtschaft im Spannungsfeld der Gesellschaft.“

„Das ist offensichtlich ein Thema, das den Landwirten unter den Nägeln brennt“, sagt Höfner mit Blick auf den voll besetzten Festsaal.

„Der Druck der Öffentlichkeit ist unfair“, sagt Manfred Zelder, Vorsitzender des Bauern- und Winzerverbandes Bernkastel-Wittlich. „Wir müssen klar machen, dass wir nicht  alleine verantwortlich sind für die Klimaerwärmung und das Insektensterben.“  

Ortsbürgermeister Burkhard Graul führt durch die zweieinhalb Stunden lange Diskussion. Das Podium ist mit Vertretern unterschiedlicher Positionen besetzt. Auf der eine Seite sind es Zelder, Vera Steinmetz, stellvertretende Vorsitzende der Landfrauen Bernkastel-Wittlich und Stefan Uhrmacher, Vorsitzender der Landjugend Bernkastel-Wittlich, die die Sichtweise der Bauern verdeutlichen. Ihnen gegenüber stehen mit Andreas Lindig, Vorsitzender des Deutschen Tierschutzbundes Rheinland-Pfalz und Gerd Ostermann vom NABU Rheinland-Pfalz,  zwei Personen, deren Organisationen auch gegensätzliche Meinungen vertreten. Zum Beispiel beim Tierschutz, als Moderator Graul bewusst provozierend fragt, ob Bauern ihre Tiere quälen.  „Das ist hanebüchener Quatsch“, sagt Zelder. Mit den heutigen Laufställen, in denen Kühe selbst bestimmen, wann sie gemolken werden, seien beispielsweise riesige Fortschritte erreicht worden. „Wenn sich das Tier wohlfühlt, produziert es mehr Milch“, schlussfolgert er. Steinmetz sagt, dass die Volierenhaltung bei Hühnern gesünder sei als Freilandhaltung. Doch das ist für Lindig ein Teil des Öffentlichkeitsproblems der Landwirte. „Viele Tiere sind heute für den Verbraucher nicht mehr sichtbar“ kritisiert er die reine Stallhaltung.  Ostermann tritt ein für Qualität statt Masse. „Wenn ich ein Hähnchen aus Freilandhaltung suche, finde ich Tiere aus Frankreich, nicht aus Deutschland“, sagt er. Als Zelder anführt, die Bauern hätten den Einsatz von Antibiotika zurückgefahren und Lindig ihm entgegnet, das sei ein Zeichen, dass die Landwirtschaft diese in der Vergangenheit zu locker eingesetzt habe, entsteht Unruhe bei den Zuhörern. „Wir investieren viel Geld und tun das Nötigste, um unseren Tieren zu helfen“, entgegnet Uhrmacher. „Keiner gibt Medikamente einfach so rein.“ Die Ställe seien heute mit viel Licht und Luft gebaut, in denen sich die Tiere wohl fühlten. Doch woher stammt das negative Bild, in dem die Bauern heute oft wahrgenommen werden? „Problembauern prägen das Bild“, sagt Ostermann. Uhrmacher beklagt, dass das Interesse der Verbraucher an Landwirtschaft nachgelassen habe. „Warum kommt keiner auf den Hof und fragt nach? Was hinter dem Rücken der Bauern geredet wird, verstehe ich nicht. Wir sind doch Naturschützer und Tierschützer“, sagt er unter dem Applaus der Zuhörer.

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