Israel in einem anderem Licht

BERNKASTEL-KUES. (mbl) Elinor Rotems naturbelassene lichtdurchflutete israelische Landschaften sind Bilder der Hoffnung und der Gewissheit, dass nach jedem Winter, der das Land mit Grautönen und Schatten überzieht, das Grün des Lebens wieder durchbricht.

So beschrieb Alfred Diwersy, Kulturdezernent aus Merzig, die Werke der Künstlerin aus Haifa. 31 Ölgemälde und 21 Radierungen zieren die Räume in der Akademie Kues, Leiterin Theresa Spies eröffnete die Vernissage, die Johannes Maria Dietz mit seiner Piano-Musik begleitete. "Seit langem leisten wir mit unseren Ausstellungen internationaler Künstler einen Beitrag zu multikultureller Begegnung", nannte sie einen wichtigen Aspekt der Begegnungsstätte. Die Malerin Rotem lebt in Haifa und lehrt dort Politik und Kunst. Sie unterrichtet Gruppen von Juden und Arabern, die aus den nahe gelegenen Dörfern kommen. Haifa war immer durch das friedliche Zusammenleben geprägt. Vor einem Jahr aber kam es auch dort zu einem ersten Anschlag. "Sie hat Angst gehabt, ihre beiden Söhne sind beim Militär", berichtet Diwersy, dass das Malen für Rotem jetzt wie eine Flucht aus der Realität sei - eine Flucht in die Realität der Natur. Ihre israelischen Landschaften sind Landschaften Galiläas, das geprägt ist vom hoffnungsvollen Grün der Bäume. "Beim Betrachten ihrer Landschaften wird deutlich, dass sie eine Meisterin ist im Mischen ihrer Grüntöne", so Diwersy. Dazu geselle sich das Braun, Grau und Schwarz der Erde, das Gelb der Wiesen und Felder und das Blau und Weiß des Himmels. Elinor Rotem malt nach Fotografien galiläische Landschaften und ihre Bilder zeigen weder Dörfer noch Menschen, sondern nur Natur. "Es ist gut, dass Rotem als Kontrast zu den Bildern, die uns das Fernsehen täglich aus Israel und dem Nahen Osten präsentiert, Landschaften ihrer Heimat zeigt, damit wir nicht vergessen, auch das ist Israel", schloss Diwersy. "Ich freue mich hier zu sein, wenn ich das ruhige Leben sehe, glaube ich, die Leute leben hier im Paradies", sagte Rotem. Sie sprach von der täglichen Angst und dem Terror, der Juden wie Palästinenser trifft. "Meine Bilder sind eine Flucht aus dem Alltag, in diesen Bildern male ich eine andere Welt für mich", so Rotem. 2000 Jahre lang gab es keine jüdische Kunst - gemäß dem Satz "du sollst keine fremden Götter haben neben dir". Erst vor 100 Jahren begannen jüdische Künstler, die in Europa studiert und gearbeitet hatten, das jüdische Dasein im Kibbuzim, das Leben und Arbeiten in der Gemeinschaft darzustellen. "Sie haben die Kunst benutzt, um diese Ideologie weiter zu führen", berichtete Rotem in einem Diavortrag in der Akademie. Anhand sich verändernden Bilderfolgen durch die letzten 100 Jahre erklärte sie die jüdische Kunst, die eng verknüpft war mit der Geschichte. Wenn auch nur wenige Besucher den Ausführungen Rotems lauschten, so entwickelte sich eine rege Diskussion. Dort erfuhren die Gäste Informationen hautnah und aus erster Hand.

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