Ist das ein Standortvorteil?

Zum Artikel "Standortvorteil Abitur" (TV, 14. Dezember) meint dieser Leser:

Als ich den Artikel las, musste ich mir erst mal die Augen reiben, weil ich nicht glauben konnte, was dort stand. Ein CDU-Antrag zur Einführung der Integrierten Gesamtschule (IGS) in Morbach wurde einstimmig verabschiedet. Dass die SPD, wo immer sie in den Bundesländern an der Macht ist, bildungspolitische Wüsten hinterlässt, ist nichts Neues. Aber dass die CDU in Morbach die SPD auch noch links überholt, ist schon bemerkenswert. Nein, es ist einfach unglaublich. Ich frage mich, ob die Ratsmitglieder einer Verwurstung unseres Schulsystems zu einem Einheitsbrei einfach nur blauäugig zustimmten, oder weil sie schlicht und ergreifend sich auf die Sitzung mangelhaft vorbereitet hatten. Kann es vielleicht sein, dass sie ihre Informationen nur einseitig bezogen haben? Im TV war zumindest nichts darüber zu lesen, ob auch die kritischen Positionen zur Sprache kamen. Dabei hätte es beispielsweise schon genügt, sich die neueste Forsa-Studie zumindest mal anzusehen. Dort kann man erfahren, dass es ein klares Votum für das dreigliedrige Schulsystem gibt. Danach sprechen sich die meisten Bürger gegen eine Einheitsschule aus; selbst von den SPD-Anhängern sind es 62 Prozent und bei den CDU-Anhängern ganze 69 Prozent, die der Einheitsschule eine klare Absage erteilen. Man kann sich aber auch auf diese Fakten stützen: Die Pisa-Studie 2006 zeigt deutlich, dass die Ergebnisse der IGS in Naturwissenschaften, Lesen und Mathematik deutlich unterdurchschnittlich sind, während Realschule und Gymnasium über dem Durchschnitt liegen. Bekanntlich legen daher viele Arbeitgeber auch keinen gesteigerten Wert auf IGS-Abschlüsse. Im übrigen ist es bekannt, dass sich im Umfeld von Gesamtschulen bildungsbewusste Eltern verstärkt für das Gymnasium entscheiden. Daraus ergibt sich die Frage: Würde eine IGS tatsächlich einen Standortvorteil für Morbach bedeuten? Harald Müller-Baußmann, Morbach Gesamtschule