Ist "Happy Mosel" noch zeitgemäß?

Ist "Happy Mosel" noch zeitgemäß?

"Happy Mosel" ist fester Bestandteil im Veranstaltungskalender der Region. Doch es gibt Stimmen, die das Spektakel für überholt halten. Das Argument: Hotellerie und Gastronomie profitieren nicht davon.

Bernkastel-Kues. Seit 1993 gehört das Moseltal zwischen Schweich und Cochem einmal im Jahr Radfahrern, Inline-Skatern und Fußgängern. Durchschnittlich 100 000 Teilnehmer sind in der Lage die Kassen von manchen Wirten und Vereinen zu füllen. Denn traditionell findet die Veranstaltung in der Vorsaison statt.

Doch es gibt auch Kritik. "Happy Mosel" sei für Hoteliers mittlerweile ein rotes Tuch, schrieb Georg Bauer (Traben-Trarbach) nach der diesjährigen Auflage in einem Leserbrief: unter anderem, weil ihre Urlaubs-Gäste schon vor Veranstaltungsbeginn um 9 Uhr die Heimreise antreten müssten. Die frühe Sperrung der Straßen ist auch Erika Prüm aus Wehlen ein Dorn im Auge.

Kritik kommt von den Gastronomen



Winzer Alfred Port aus Bernkastel-Kues stellt die ganze Veranstaltung infrage. Anfangs habe "Happy Mosel" seine Berechtigung gehabt, weil es kaum Radwege an der Mosel gegeben habe. Das habe sich geändert. Außerdem würden viele Gastronomie-Betriebe an diesem Tag vom Betrieb abgeschnitten und teilweise sogar geschlossen. Auch die vielen Arbeitsstunden für Polizei, Feuerwehr und medizinische Hilfskräfte stellen für ihn die Veranstaltung "sehr infrage".

Gastronomie und Einzelhandel in der Stadt seien mit "Happy Mosel nicht ganz glücklich", berichtet Barbara Jakobs (Mosel-Gäste-Zentrum). An diesem Tag sei weniger los als an anderen Sonntagen.

Eine Umfrage bei einigen Hoteliers und Gastronomen in der Region zeigt wenig Jubel. Der Ruf nach einem Ende von "Happy Mosel" ist aber auch nicht zu hören. "Es ist wie jedes normale Wochenende in der Vorsaison, mal mehr, mal weniger", sagt Manfred Burkard (Bernkastel-Kues).

Das Geschäft sei nicht tangiert, heißt es aus dem Weinromantik-Hotel "Richtershof" in Mülheim. Das Tagesgeschäft leide, sagt Hilde Conrad, Chefin vom Hotel "Brauneberger Hof" in Brauneberg. Trotzdem stellt sie "Happy Mosel" nicht infrage. Für Hubert Kappes, Leiter der Tourist-Information Zeltingen-Rachtig, bleibt "Happy Mosel" ein fester Begriff. "Man soll es nicht zerreden", sagt er.

Negative Reaktionen habe sie in diesem Jahr an einer Hand abzählen können, berichtet Sabine Winkhaus-Robert, Geschäftsführerin der Moselland-Touristik. Ihre Organisation veranstaltet den autofreien Sonntag.. Es gebe auch weiter Zuspruch von Touristikern und aus der Gastro-Branche. Als in diesem Jahr wegen der Wahl am 7. Juni der Termin verlegt werden musste, habe auch eine Absage im Raum gestanden. "Auf keinen Fall, die Veranstaltung ist etabliert", habe die Antwort aus diesen Reihen gelautet.

"In anderen Regionen wäre man froh, so etwas auf die Beine stellen zu können", sagt Winkhaus-Robert. Die Reaktion der Besucher sei weiter positiv, teilweise sogar enthusiastisch.

Meinung

Ein idealer Werbeträger

Bei einer Veranstaltung wie "Happy Mosel" wird es immer Gewinner und Verlierer geben. Zu den Gewinnern zählen auf jeden Fall die Radler, die einmal im Jahr für neun Stunden Herr über die Durchgangsstraßen an beiden Seiten des Flusses sind. Sie tragen die Botschaft vom Erlebnis in einer der malerischsten Gegenden Deutschland über das enge Tal hinaus. Dass sich derzeit werktags wie sonntags Tausende von (Urlaubs)-Radlern an der Mittelmosel bewegen, hat sicher auch mit "Happy Mosel" zu tun. Dabei haben die Sommerferien noch gar nicht begonnen. Über Verbesserungen muss ständig diskutiert werden, erst recht bei einer Veranstaltung, die seit 1993 weitgehend nach gleichem Strickmuster abläuft. Abmoderieren sollte man sie aber auf keinen Fall. Sie ist und bleibt ein idealer Werbeträger, auch wenn der Erfolg nicht immer gleich in der Kasse spürbar ist. c.beckmann@volksfreund.de

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