Tourismus : Zeltingen-Rachtig plant die Einführung einer Tourismusabgabe

Ab 2022 will Zeltingen-Rachtig auch von Übernachtungsgästen einen Beitrag erheben, um von ihnen genutzte Infrastruktur finanzieren und unterhalten zu können

Die Gemeinde mit den verbandsgemeindeweit zweithöchsten Übernachtungszahlen investiert beständig in ihre Anlagen und Einrichtungen. Und davon profitieren nicht nur Bürger, sondern ebenso Gäste. Das Kelterhaus Schorlemer wird zwar mehr von Einheimischen genutzt, Wohnmobilstellpatz und Verkehrsbüro aber insbesondere von Urlaubern. Vieles andere kommt - mal mehr, mal weniger intensiv genutzt - beiden zugute. So etwa das Wanderwegenetz und das Moselvorgelände mit dem Minigolfplatz, aber auch Spielplätze, Parkmöglichkeiten oder Aufführungen der Operette Zeltinger Himmelreich.

All das kostet einiges, woran sich Unternehmen bereits über den Tourismusbeitrag (siehe Info) beteiligen. Dennoch ergibt sich ein dicker Fehlbetrag, getragen von der Gemeinde – und damit von den Bürgern. 2019 lag das Minus bei rund 141 000 Euro, die bereits auf den rein touristisch genutzten Anteil bereinigt sind. Für von Bürgern und Gästen genutzte Infrastruktur wurden insgesamt 586 700 Euro ausgegeben, davon anteilig für Gäste 344 000 Euro, denen 203 000 Euro Erträge gegenüberstehen.  

Um dennoch langfristig eine gute Infrastruktur bieten zu können, will Zeltingen-Rachtig ab März 2022 auch Gäste finanziell beteiligen. Und zwar über eine Tourismusabgabe (Info), für die sich der Ortsgemeinderat nun bei nur einer Gegenstimme grundsätzlich ausgesprochen hat.

Das Ziel sei, so Ortsbürgermeisterin Bianca Waters, „das touristische Angebot, das wir vorhalten auch finanzieren zu können“. Denn es werde immer schwieriger, all das „für den Gast aufrechtzuerhalten und erweitern“. Außerdem könnten mit einer Abgabe zusätzliche Anreize wie die Nutzung von Verkehrsmitteln geschaffen werden.

Für Harald Guggenmos, Erster Beigeordneter und Sprecher der Freien Wähler (FWG), ist es jedenfalls keine Option, Leistungen zurückzufahren oder Einrichtungen „vergammeln“ zu lassen. Die intensive Debatte zeigte, dass er damit Ratskollegen aller Fraktionen aus dem Herzen spricht. Gäste stünden einer solchen Abgabe offen gegenüber, sind Räte der FWG wie der Bürgerliste (BL ZR) und der (CDU) überzeugt. Grundsätzlich wichtig seien ein möglichst geringer Verwaltungsaufwand und aus Sicht von Gastronomen die Vergleichbarkeit von Preisen. Außerdem müssten Einnahmen zwingend in die Infrastruktur fließen. Dem kommt laut Leo Wächter, Bürgermeister der Verbandsgemeinde (VG), zugute, dass von der Tourismusabgabe keine Umlagen an VG und Kreis zu zahlen sind. Das Geld bleibe „1:1 in der Gemeinde“.