Jäger in der Luft

DREIS. Anton Lamberti aus Dreis und Jürgen Schaaf aus Wittlich frönen einem teuren und arbeitsintensiven Hobby, der Modellfliegerei mit 300 Stundenkilometer schnellen Düsenjägern. Anton Lamberti reist im April zur Weltmeisterschaft nach Südafrika.

Pilot eines Düsenjägers ­ der Traum mancher Jungs und auch Erwachsener. Anton Lamberti aus Dreis hat ihn sich verwirklicht. Sauerstoffmaske und Konditionstraining benötigt er nicht, und auch sein Jet ist neunmal kleiner als das Original. Aber die Geschwindigkeiten, mit denen sein Modellflugzeug, eine F-15 EAGLE der amerikanischen Luftwaffe, durch die Lüfte braust, passen zu den großen Vorbildern. Die Turbine ermöglicht eine Leistung von 300 Kilometer pro Stunde. Und das bei einem Modellflieger? Vom Sender der Fernsteuerung aus bringt Lamberti den Vogel auf diese Geschwindigkeit. Die sechs Kerosintanks mit einem Fassungsvermögen von insgesamt 3,5 Liter reichen für etwas mehr als fünf Minuten Flugzeit. Fast wie das Original

Bei den wöchentlichen Trainingsstunden auf dem Flugplatz Büchel bei Cochem sieht das dann genau so aus wie Start, Flug und Landung eines Originals. Unbedarfte Beobachter verwechseln dann schon mal Modellflugzeuge mit den echten Jägern. Auch auf Fotografien wird kaum ein Unterschied deutlich, wie Anton Lamberti demonstriert. Seine F-15 EAGLE auf der Landebahn des ehemaligen amerikanischen Militärflugplatzes Bitburg ist für den Laien nicht von einem echten Düsenjäger zu unterscheiden. Bei einem Testflug in Bitburg habe sich sogar der Tower getäuscht. Der war der Meinung, ein Pilot der Airbase Spangdahlem "drehe durch", so echt wirkte das Modellflugzeug. Immer zwei Piloten am Platz

Und Anton Lamberti fliegt mit Herz und Seele: "Der Umgang mit der empfindsamen Elektronik erfordert enorme Sorgfalt. Wenn ich mich erholen will, fliege ich große Maschinen." Jet-Modellfliegen soll anstrengender sein als echtes Fliegen? Anton Lamberti sagt eindeutig ja. Vor 21 Jahren hat er den Flugschein für Segelflugzeuge und vor 15 Jahren den Pilotenschein für Motorsegler erworben. Jetfliegen sei sehr komplex und sollte deswegen aus Sicherheitsgründen nur dann durchgeführt werden, wenn zwei Piloten am Platz sind. Diesen Part übernimmt der 42-jährige Jürgen Schaaf aus Wittlich-Dorf. Er ist Berufsflieger bei der Polizei-Hubschrauberstaffel in Winningen und bestätigt: "Was bei der richtigen Fliegerei, der sogenannten manntragenden, an Erfahrungen gesammelt werde, kann man auch auf die Modelle übertragen. Denn bei der Entwicklung von Fluggeräten werden oft Modelle eingesetzt." Beide sind sich einig: In der Luft ist es fast egal, wie groß das Flugzeug ist. Das neunmal kleinere Modell von Lambertis F15-EAGLE misst 2,16 Meter in der Länge und hat eine Spannweite von 1,45 Meter. Sehr viel privates Geld kostet das Hobby. Unterstützt werden die beiden von der Firma Proxxon-Werkzeugmaschinenbau. Viele Stunden seiner Freizeit verbringt Anton Lamberti im geräumigen Keller seines Hauses beim Bau der Maschinen. Jetzt kann er die Früchte seiner Arbeit ernten. Ende April nimmt er als Mitglied der deutschen Jet-Nationalmannschaft an der Weltmeisterschaft in Pretoria/Südafrika teil. Dorthin reist er mit seiner F-15 EAGLE, dem originalgetreuen Nachbau eines ehemals auf dem amerikanischen Flugplatz Bitburg stationierten Jagdflugzeuges. An dieser hat er über 1000 Stunden gearbeitet. Denn bei der Weltmeisterschaft wird er in der Expert-Scale-Klasse fliegen. Die Familie hat Vorrang

Dies heißt: Detailgetreuer Nachbau eines existierenden Düsenfliegers. Für das Reglement muss zudem durch Fotografien und Fachberichte nachgewiesen werden, dass es das Original wirklich gibt. Seine Konkurrenz sind 70 Teilnehmern aus 45 Nationen. Jürgen Schaaf, der normalerweise zum Team gehört, wird an der Weltmeisterschaft nicht teilnehmen. "In diesem Jahr kommt mein Kind zur Kommunion, sonst wäre ich mit geflogen," meint Schaaf, denn die Familie hat Vorrang. Die Familie wird auch bei Anton Lamberti einbezogen. Und 14jährige Sohn Tobias will natürlich in die Fußstapfen des Vaters treten.