Jagd durch die Weinberge

So was sieht man sonst in James-Bond-Filmen: eine Verfolgungsjagd, bei der einem die Haare zu Berge stehen. So ähnlich ist es in der Nacht zum Montag in einigen Moselorten zugegangen. Die vermeintlichen Einbrecher sind auf der Flucht.

Reil/Burg/Enkirch/Irmenach. Lothar Schneider, Leiter der Polizeiinspektion Zell, steht auch am Dienstag noch unter dem Eindruck eines Vorfalls, der sich in der Nacht von Sonntag auf Montag auf mehreren Straßen in Reil, Burg, Enkirch und Irmenach abgespielt hat. Die Verfolgungsjagd bezeichnet er als "Wildwest in steilen Rebhängen". Und: "Es war ein gefährlicher Einsatz." Er ist froh, dass die beteiligten Polizeibeamten besonnene Kollegen sind, die nicht Leib und Leben riskieren.

Das Geschehen, das aus ermittlungstaktischen Gründen erst am Dienstagmittag öffentlich gemacht wird, hat sich nach seinen Angaben so abgespielt: Eine Streifenwagenbesatzung der Zeller Polizei will auf der L 105 am Reiler Hals einen parkenden weißen VW-Transporter mit NK-Kennzeichen (Neunkirchen, Saarland) kontrollieren. Als der Streifenwagen sich nähert, gibt der Fahrer des Kastenwagens Gas und rast in Richtung Reil. Schneider spricht von einer "halsbrecherischen Fahrt". Der Polizeiwagen kann aufschließen, wegen dichten Nebels aber nicht überholen. Mit teilweise mehr als 100 Stundenkilometern geht es durch die engen Reiler Gassen und über die Moselbrücke. Die Verfolgungsjagd setzt sich auf einem geteerten Weinbergsweg in Richtung Burg und dann nach Enkirch fort. Auch durch Enkirchs schmale Gassen geht es im Höllentempo und dann wieder in die Weinberge. Unterwegs werden unter anderem zwei Flachbildschirme aus dem Fluchtfahrzeug geworfen. Die Polizei kann ausweichen. Oberhalb von Enkirch endet die Fahrt. Der Kastenwagen fährt gegen einen hohen Bordstein. Die Insassen, mindestens fünf Personen, flüchten zu Fuß weiter. Auch der Streifenwagen ist beschädigt und bleibt liegen.

Die Beamten werden in der Zwischenzeit von Kollegen aus Bernkastel-Kues, Morbach und Wittlich unterstützt. Auch Hunde sind im Einsatz. Und ein Polizeihubschrauber ist in der Luft. Die Nutzung seiner Wärmebildkamera wird aber durch den Nebel beeinträchtigt.

Dann kommt die Meldung, dass in Irmenach ein Auto gestohlen worden ist. Vorher war ein anderer Wagen in Bewegung gesetzt und mehrere Hundert Meter weit geschoben worden, ein Anlassen des Motors gelingt aber nicht. Die Polizei geht davon aus, dass auch diese Delikte auf das Konto der Flüchtenden gehen. Bei dem Wagen, mit dem sie erneut flüchteten, handelt es sich um einen dunkelgrauen VW Passat (Kennzeichen DAU-I-35).

Im defekten Kastenwagen entdeckt die Polizei Gegenstände, die aus Einbrüchen im Raum Kröv stammen könnten. Die Untersuchungen laufen noch. Dieses Fahrzeug, das ergeben die Ermittlungen, ist nicht gestohlen worden.
Bei der Halterin handele es sich, so Lothar Schneider, um eine 16-Jährige. Wer Fahrer und Insassen waren, stehe aber noch nicht fest. Im Saarland und im Raum Kaiserslautern werde derzeit ermittelt.
Zeugen der Vorkommnisse sollten sich bei der Polizei in Zell, Telefon 06542/98670, melden.