Jakob trifft Eberhard

Wie kann Klausen die heimische Wirtschaft ankurbeln und sich für die Zukunft vital halten? Die Analyse einer Unternehmensberatung hat darauf eine Antwort: Der Ort braucht mehr Gäste und welche, die länger bleiben. Dafür seien eine höhere Qualität in der Gastronomie, bessere Informationen über Jakobsweg und Wallfahrtskirche sowie meditative Angebote nötig.

Klausen. Wie kann Klausen seine Ortsstruktur aufrechterhalten, mehr Einnahmen erzielen und somit für seine Bürger attraktiv bleiben? Dieser Frage ging eine Unternehmensberatung aus Trier im Auftrag der Landesregierung und der Entwicklungsagentur Rheinland-Pfalz nach. Volker Bulitta von der gleichnamigen Agentur stellte die Ergebnisse bei einer Gemeinderatssitzung vor.
Potenzial sei durch die Wallfahrtskirche und die Lage am Mosel- und Eifel-Camino reichlich vorhanden. Das Problem: Mehr als ein Drittel der Besucher verlässt den Ort nach weniger als einer Stunde wieder. "Ich interpretiere das als verheerend", so Bulitta. Der Weg, um sich als die zentrale Station für Jakobspilger im Südwesten Deutschlands zu etablieren, führe über den Aufbau eines Informationszentrums "Eberhard meets Jakob", das die Geschichte der Wallfahrt in Klausen mit dem Thema Jakobsweg verzahne.
Außerdem wünschen sich die Befragten, die in Klausen Ruhe und Besinnung suchen, ein meditatives Angebot und eine bessere Beschilderung im Ort. Um ein Schilderleitsystem kostenneutral zu entwerfen, schlug Bulitta die Zusammenarbeit mit dem Fachbereich Design an der Hochschule Schneidershof vor.
Deutliche Kritik gab es für die Gastronomie. Sie müsse auf durchgängige Öffnungszeiten und ein breiteres Speisenangebot umstellen.
Im Winter, wenn wenig Pilger und Wallfahrer nach Klausen kommen, rät Bulitta, die Eberhardsklause mit Jugendgruppen zu füllen. Die 2012 errichtete Herberge mit Dorfladen erzielte in der Umfrage sehr gute Ergebnisse. Die Befürchtung der einheimischen Gastronomen, die Eberhardsklause werde mehr und mehr zur Konkurrenz, teilt der Unternehmensberater nicht: "Die Herberge bringt der Gastronomie Umsatz und Gäste."
Mit dem Pfund Natur wuchern


Als weiterer Schritt sei das Einzugsgebiet auszuweiten, indem sich der Ort unter Wallfahrern und Jakobspilgern über die Grenzen des ehemaligen Erzstifts Trier hinaus bekanntmacht. Zusätzlich könnte die attraktive Lage nahe der Mosel und die umgebende Natur durch eine bessere Vermarktung mehr Touristen anziehen. Neue Angebote wie Wanderungen, Weinproben und historische Ortsbegehungen seien zu überlegen.
Bei der Umsetzung sei das Ehrenamt gefragt, betonte Bulitta, um Kirchenführungen, Jugendbetreuung und meditative Angebote für den Ort kostenneutral zu halten.
In einem nächsten Schritt plant die Gemeinde Gespräche mit Kirche und Gastronomie. Denn nur mit diesen Partnern sei die Entwicklung möglich. "Das ist der Schlüssel zum Erfolg", so Volker Bulitta.
Extra

Der Überlieferung nach begann die Geschichte der Wallfahrt mit einer kleinen Marienplastik. Ein armer Tagelöhner namens Eberhard stellte sie um 1440 in einen hohlen Baum. Seit einer Marienerscheinung im 15. Jahrhundert prägt der Wallfahrtstourismus die Ortsgemeinde Klausen. Die heutige Wallfahrtskirche Maria Heimsuchung wurde 1502 eingeweiht. Mit ihren stattlichen Dimensionen stellt sie den bedeutendsten Bau der Spätgotik in der Südeifel und im Moseltal dar. Jährlich suchen Menschen aus Pfarreien im Umkreis von bis zu 100 Kilometern die Wallfahrtskirche auf. Aber die Zahl nimmt ab. Waren es Ende der 1980er Jahre noch rund 300 angemeldete Prozessionen im Jahr, sind es heute weniger als 100. Und die Pilger bleiben nicht mehr so lange wie früher. Im Durchschnitt sind es zweieinhalb Stunden. Klausen ist außerdem Etappenziel für Pilger auf dem Jakobsweg. Zu Füßen der Wallfahrtskirche vereinigen sich Eifel- und Mosel-Camino, ab hier gehen Pilger auf einem gemeinsamen Weg nach Trier zum Grab des Apostels Matthias. sys