"Je schlunziger, desto besser"

BERNKASTEL-KUES. (mü) Dietmar Schönherr und Jutta Speidel - zwei Stars, die in einem Spielfilm des Südwestrundfunks (SWR) mitspielen. Einige Szenen für den noch namenlosen Streifen dreht ein Team noch bis Ende der Woche in Bernkastel-Kues.

Hinter dem Arbeitstitel "Rosenkrieger II Bauernhochzeit" verbirgt sich die Geschichte einer Hamburger Anwaltskanzlei, deren Chef Dietmar Schönherr spielt. Gemeinsam mit Jutta Speidel als Anwältin Elvira Kupfer und Gunter Berger als Dr. Stefan Milloschinsky vertritt der Advokat bundesweit schwierige Heirats- und Scheidungsfälle. Auch Bernkastel-Kues wird Schauplatz sein, da der SWR in Rheinland-Pfalz drehen wollte. "Wir haben uns für Bernkastel-Kues wegen dem reizvollen Marktplatz und der herrlichen Kulisse entschieden," erklärt Regisseur Ulrich Stark. "Hier ist alles wunderschön." Dennoch braucht es jede Menge Technik die Schönheiten der Moselstadt ins rechte Film-Licht zu rücken: 60 000 Watt Lichtleistung sind um die St. Michaels-Kirche in Bernkastel verteilt. Das Team ist autark und mit einem eigenen Stromaggregat mit 80 Kilowatt Leistung ausgestattet. Damit alles kontrolliert abläuft, ist jede einzelne Arbeitsgruppe des Teams mit Head-Sets ausgestattet. Routiniert und professionell geht es zu am Marktplatz-Set. Unter den Schauspielern sind auch einige Komparsen aus der Region. Beate Bracht aus Maring-Noviand sitzt im Café, trinkt gelassen ihren imaginären Kaffee und genießt den sonnigen Morgen in der Altstadt. Nach kurzer Einweisung und einigen Proben wird es Ernst. "Und ab" ruft Regisseur Ulrich Stark. Kurz darauf ist die Szene im Kasten: "Danke aus." Auch bei den Geschäftsleuten rundum stößt das ungewöhnliche Treiben auf Interesse, wenn auch nicht jeder so viel Verständnis für die Dreharbeiten hat, wie Gudrun Michalski vom Café Coblenz: "Ich finde den Dreh gut. Es ist schon interessant, was da alles dran hängt, das ist ja Wahnsinn, welcher Aufwand für so eine kleine Szene gemacht wird." Filmarchitekt Hans Zillmann hat die Motive für den Film ausgesucht, bei den angrenzenden Geschäftsleuten borgt er am Drehtag noch fehlende Requisiten aus. Eine weitere Szene steht an: In zerknitterter Windjacke und mit Einkaufstaschen bepackt, geht die junge Landwirtin Susanne (Lisa Marie Potthoff) durch Bernkastel-Kues. "Je schlunziger, desto besser", betrachtet Kostümbildnerin Regina Baetz zufrieden die Darstellerin. Mittlerweile scheint die Sonne unerbittlich vom Himmel. Schnell eilt ein Teammitglied mit Schirm und Miniventilator herbei: Bloß keine Schweißperlen auf dem Gesicht der jungen Frau, die gerade in Gedanken an ihren Ehemann, den Großindustriellen-Sohn Thomas (Marc Oliver Schulze), versunken, in einen Beauty-Tempel geht. Der Firma wegen sind die beiden eine Scheinehe eingegangen, die der Bräutigam schnellstens annullieren lassen möchte. Sie sieht das anders und will um die Ehe kämpfen. Als Bäuerin glaubt sie für ihren Mann nicht attraktiv genug zu sein und lässt sich umstylen. Mit einer anderen Frisur und andere Kleidern betritt sie später wieder den Marktplatz. In Wirklichkeit ist der "Beauty-Tempel" der Frisiersalon "Cut and Eye Company" von Friseurmeisterin Elke Michel. Sie ist begeistert, vor allem von Maske, Kostüme und Frisuren. "Die Zusammenarbeit mit dem Filmteam war phantastisch," freut sie sich. "Die sind total zuvorkommend, höflich und sehr nette, tolerante Menschen." Das Lob wird von den Filmleuten aber auch zurückgegeben: Das Team sei von Anfang an sehr nett aufgenommen und gut unterstützt worden. Und den Komparsen hat es allemal Spaß gemacht. "Ich hoffe, Sie hatten einen kleinen Einblick", sagt Aufnahmeleiter Gerd Hansen gegen Ende der Aufnahmen für diesen Vormittag, und schaut in das zufriedene Gesicht von Beate Bracht. Sendetermin ist voraussichtlich Frühjahr 2005.