"Jetzt pack an! Pack an!"

Rauch, Hilfeschreie und Gewirr: 500 Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr, der Rettungsdienste sowie der Polizei haben am Samstag am Bahnhof Wittlich-Wengerohr den Ernstfall geübt. Die Helfer rückten in ein dramatisches Übungsszenario vor: Ein Bus kollidierte mit einem Regionalzug.

Wittlich-Wengerohr. Böllerschüsse dröhnen am Samstagvormittag um 11 Uhr auf dem Bahnhof in Wengerohr - das Startsignal für ein kolossales Manöver der Rettungskräfte im Landkreis Bernkastel-Wittlich. Rauch steigt auf, Funksprüche und rätselhafte Tonsignale jagen durch den Äther. Wenige Minuten später rückt die freiwillige Feuerwehr Wittlich-Wengerohr an, die sich einen ersten Überblick über das mit enormen Aufwand geschaffene Katastrophenszenario verschafft: Ein Linienbus ist bei einem Wendemanöver auf die Gleise geraten und dabei mit einem vorbeifahrenden Regionalzug kollidiert. Die Wucht des Zusammenpralls hat den Linienbus auf die linke Seite geworfen, wobei er noch einen mit Diesel gefüllten Wagon eines Güterzugs touchierte, der Leck schlägt.Aus dem Wrack schreit eine Stimme: "Ich habe das Bein gebrochen. Ich will nach Hause. Ich kann mich nicht bewegen!". Die ersten Einsatzkräfte begegnen einem vollen Bus keuchender und jammernder Darsteller, die verletzte Passagiere simulieren. Auf den Bahngleisen wenige Meter neben dem Bus ist der Regionalzug zum Stillstand gekommen, auch dort gibt es Opfer. Traumatisierte und verstörte Passagiere mit leichten Verletzungen irren umher und versuchen so, die Katastrophe für die Retter noch unübersichtlicher zu machen.Nach und nach treffen weitere Fachkräfte ein: Das Technische Hilfswerk, Notärzte, Sanitäter und Rettungsassistenten vom Deutschen Roten Kreuz und der Malteser, Suchhundestaffeln sowie Polizeieinheiten stoßen dazu. "Hilfe, holt mich hier raus", schreit der Busfahrer. Feuerwehrmänner durchsägen die Frontscheibe des Busses, um den Fahrer mit seinen Schnittwunden zu bergen. "Alles was schreit, lasst ihr erst mal drin, was nicht mehr schreit, holt ihr raus", kommandiert ein Notarzt. "Jetzt pack an! Pack an! Pass auf den Kopf auf, ich nehme die Beine", fordert ein Feuerwehrmann seinen jüngeren Kollegen auf. Mehr und mehr mit Kunstblut geschminkte Verletzte werden auf Bahren aus dem engen Bus gehievt. In verbogenen Fahrsitzen des Omnibusses eingeklemmte Stoffpuppen müssen mit schwerem Gerät herausgeschnitten werden. Und neben den Verletzten macht auch der in die Kanalisation auslaufende Dieselkraftstoff, gelb gefärbtes Wasser, den Rettungskräften das Leben schwer. Ein Gefahrstoffzug verfolgt seine Spur in Richtung der Kläranlage, um ihn aufzuhalten.In der Einsatzzentrale, die für den Großeinsatz in einem Gebäudetrakt der Bereitschaftspolizei in Wittlich-Wengerohr eingerichtet wurde, koordiniert Einsatzleiter Willi Edringer, Wehrleiter der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues, mit seinem Stab das Zusammenspiel der verschiedenen Helfer. "Ich muss taktisch denken, Einsatzkräfte nachführen und ständig die Lage beurteilen", erklärt Edringer seine Aufgabe. "Bei solch einem Großeinsatz ordnen sich alle Organisationen wie THW und DRK, die sonst gewohnt sind allein zu arbeiten, der Feuerwehr unter", sagt Kreisfeuerwehrinspektor Willi Herres. Dabei gelte es, viele Alphatiere unter einen Hut zu bringen.Ob die Zusammenarbeit der Organisationen aus dem Kreis im harten Einsatz geklappt hat, sollen unparteiische Feuerwehrmänner der Stadt Trier bewerten. Sie haben sich die Arbeit der Einsatzkräfte angeschaut. Ihre Einschätzung werden sie in einer detaillierten Nachbesprechung darlegen. Mehrere hundert Bürger beobachten die Großübung, die Punkt 15 Uhr beendet ist.Weitere Fotos im gibt es unter: <%LINK auto="true" href="http://www.volksfreund.de" class="more" text="www.volksfreund.de"%>