Jetzt singen kleine Könige wieder in guter Mission

Jetzt singen kleine Könige wieder in guter Mission

WITTLICH. Könige, wohin das Auge reichte: Zum Aussendungsgottesdienst der Sternsinger waren 650 Kinder und ihre Helfer aus dem gesamten Bistum Trier nach St. Bernhard in Wittlich gekommen.

Festlich ging es zu im Gottesdienst in St. Bernhard, als Weihbischof Leo Schwarz persönlich den Sternsingern aus dem gesamten Bistum seinen Segen gab. Die Menschen dort hatten auch allen Grund, ein Fest zu feiern, stellen doch alljährlich ungezählte junge Könige in der ganzen Republik ihre kostbare Ferienzeit in den Dienst von Kindern auf der ganzen Welt, die Hilfe aus reicheren Ländern dringend nötig haben. "Ganz hoch jetzt die Sterne!"

Getreu dem diesjährigen Sternsinger-Motto "gufatanya kubaka", zu deutsch "Kinder bauen Brücken", hatten junge Helfer Bausteine eben jener Brücken mit zur Messe gebracht: Freude, Hoffnung, Teilen, Gemeinschaft und Grenzen überwinden war auf den Steinen zu lesen. "Ihr baut Brücken mit den Händen, den Füßen, mit den Ohren und dem Herzen!", rief ein sichtlich beglückter Weihbischof ihnen zu. Eine prall gefüllte Kirche sang die Zeilen mit, die von einer wahrhaft frohen Botschaft kündeten. Der Kinderchor um Reinhold Schneck gestaltete gemeinsam mit David Schneck am Saxophon den musikalischen Teil der Messe, in der mit duftendem Weihrauch nicht gespart wurde. Rund um den Altar wippten und klatschten die Alten wie die Jungen im Takt mit. Weiter hinten in der Kirche, wo manche Königs-Kinder kurzerhand auf dem Boden Platz genommen hatten, standen sie wieder auf und machten mit. Für Pater John aus Nigeria, der als leibhaftiger Botschafter des afrikanischen Kontinents nach Deutschland gekommen war, eine Premiere, wie er später gestand. Nein, in seiner Heimat kenne man diesen wundervollen Brauch des Sternsingens noch nicht, sagte er, aber: "Ich denke darüber nach, wie ich ihn auch zu Hause unter die Leute bringen kann." Werbung durch Mund-zu-Mund-Propaganda

Zum Aussendungsgottesdienst waren 650 Kinder mit ihren Helfern aus dem ganzen Bistum Trier angereist - die Hostien wurden knapp. Am Ende der Messe bat Leo Schwarz aus jeder Gruppe einen Repräsentanten nach vorne. "Wo sind die Saarländer? Wo die Koblenzer? Wo die Kinder von der Nahe?" Viele Hände wurden geschüttelt. Dann seine Aufforderung: "Ganz hoch jetzt die Sterne!" Er segnete die prachtvoll gewandeten Könige, ihre Sterne und die Kreide, mit der sie in den nächsten Tagen den Segen über alle Haustüren schreiben werden. Und dann erklang aus Hunderten jungen Kehlen ein kräftiges "Wir kommen daher aus dem Morgenland, wir kommen geführt von Gottes Hand...". Die Generalprobe sozusagen, denn nicht alle sind bereits textfest. So kleben sie der Einfachheit halber die Strophen auf die Rückseite ihrer Sterne (nicht weitersagen!). Als Wegzehrung gab es für alle nach der Messe ein Würstchen und ein Getränk, perfekt organisiert vom Team rund um Elisabeth Haubrich und Horst Bernardi, denn viele Sternsinger waren von weither mit Bussen angereist. Warum sie sich das antun, bei Wind und Wetter von Tür zu Tür zu ziehen, und nicht immer freundliche Zeitgenossen antreffen, erzählte dem Trierischen Volksfreund eine Gruppe aus Kasel. Philipp und Luisa gehen in die selbe erste Klasse; sie kam durch Schulfreund Sebastian auf die Idee, er sprang kurzerhand für jemanden ein, der ausgefallen war. Jeniffer wird am Samstag stolze Sternträgerin sein: "Frau Kreber hat uns in der Gruppenstunde gefragt, ob wir mitmachen möchten." Sie brauchte nicht lange zu überlegen. Die Mund-zu-Mund-Propaganda scheint in Kasel zu funktionieren: Auch Lucas wurde von jenem Sebastian in der Schule "angeworben". Alte Hasen im Sternsinger-Geschäft sind Katherina und Katharina: Trotz des Regens im vergangenen Jahr habe es ihnen so viel Spaß gemacht, dass sie auch weiterhin dabei sein werden. In Wittlich singen die Könige der beiden katholischen Pfarreien am heutigen Freitag, einige Nachzügler vielleicht noch am Tag danach. Sie bitten um eine Geldspende für Kinderprojekte in aller Welt. Auch Leckereien, der einzige Lohn für ihre persönliche Mühe, sind willkommen. Unvergesslich für alle Sternsinger ist das alljährliche große Aufteilen der süßen Schätze nach getaner Arbeit in sämtlichen Pfarrheimen des Bistums.

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