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Johannes Schröder mit Instagrammatik in der Güterhalle Bernkastel-Kues

Kabarett : Herr Schröder gibt amüsante Einblicke mit viel Selbst­ironie

Der Gymnasiallehrer Johannes Schröder ist mit seinem Programm „Instagrammatik“ in der Güterhalle Bernkastel-Kues aufgetreten.

Wie bewältigt ein Lehrer die digitale Offensive, die sich beim Lockdown zwangsläufig ergeben hat? Wie geht er mit WhatsApp-Gruppen seiner Schüler um, wie mit Overhead­projektoren – dem jahr­zehnte­langen Sinnbild für modernen Schulunterricht, das doch komplett veraltet ist?

Manche Eltern mögen diese Problematiken von den Erzählungen ihrer Sprösslinge kennen. Doch wer das Ganze auch aus Lehrersicht erleben wollte, hat dies jetzt in der Güterhalle in Bernkastel-Kues erfahren können. Ursprünglich sollte die Vorstellung ein Open-Air in den Mosel­auen sein, was aufgrund des Hochwassers in den vorangegangenen Tagen nicht mehr möglich war. Auch am Tag der Veranstaltung mit leichtem Regen am Abend erwies sich diese Entscheidung als richtig, sagte Karin Schommer von der veranstaltenden Kultur und Kur Bernkastel-Kues. 

Auf der Bühne beschreibt der gymnasiale Deutschlehrer und Kabarettist Johannes Schröder vor rund 100 Zuschauern in seinem Programm „Instagrammatik“ teils aus eigener Erfahrung die Herausforderungen der digitalen Welt für Unterricht und Lehrpersonal, das beim technischen Fortschritt der Schüler nicht immer mithalten kann. „Das Beamten­recht aus der preußischen Epoche soll uns in die digitale Zukunft bringen?“, fragt er. Ist „Mailbox“ eine Box in der Küche, in der das Mehl aufbewahrt wird, fragten sich immer noch viele Lehrer. Wobei die Schüler dann wiederum ihre Defizite in der klassischen Literatur nicht verstecken können, wenn eine Siebt­klässlerin auf die Frage ihres Deutschlehrers, wie Goe­the wohl mit Vornamen heißt, die Antwort „Fuck you“ vorschlägt.

 Kabarettist Johannes Schröder bei seinem Auftritt in der Güterhalle in Bernkastel-Kues.
Kabarettist Johannes Schröder bei seinem Auftritt in der Güterhalle in Bernkastel-Kues. Foto: Christoph Strouvelle

Das Jahr des Lockdowns aufgrund des Coronavirus, das sich erstaunlicherweise mehr als fünf Wochen gehalten hat („ist schließlich Made in China“), sei ein gutes Jahr für die Begegnung mit sich selbst gewesen, meinte Schröder. Doch jetzt sei wieder Präsenz­unterricht gefragt, den man nicht wie online wegklicken könne – die „Magie des Un­entrinn­baren“. Dort vergingen die ersten 15 Minuten jeder Stunde mit den Fragen, ob jeder den Lehrer hört und sieht. Wobei der im Streaming­unterricht erscheinende Hintergrund in den Zimmern der Schüler für diese ein Politikum sei und faszinierender als der Unterricht selbst.

Vieles, was Schröder an diesem Abend in sein Programm packt, ist nicht unbedingt neu. Dazu gehören die üblichen Klischees wie Weigerungen von Lehrern in Cord-Jacketts („50 Shades of Brown“), auf Veränderungen einzugehen. Genauso wie Spitzen auf das heutige Verhalten von Jugendlichen: „Muss jeder Schüler das Tafelbild selbst ab­fotografieren?“ – „Ja, das prägt sich dann besser ein.“

Doch Schröder gelingt es, die Themen interessant, humorvoll und mit viel Selbst­ironie vorzutragen, bevor er zum Schluss dann die analogen Erfahrungen hervorhebt. Wie barfuß auf einen Legostein zu treten und den Verzicht auf ein Smartphone während des Urlaubs: „Früher war Wegsein tatsächlich Wegsein.“ Es sei spannend, was dann passiert: „Das Unperfekte bleibt hängen.“ 

Den offenbar zahlreichen Lehrern im Publikum gefällt das Programm sehr gut. Wie Linda aus Bernkastel-Kues, die mehrfach vom Kabarettisten angesprochen wird und ihren Nachnamen nicht nennen mag. „Ich bin noch nicht so lange dabei. Es ist aber realistisch“, sagt sie.

Jürgen Eckhardt gefällt die viele Ironie, die kleinen Anspielungen, die Schröder in fast jedem Satz versteckt. Wie bei der Frage, wie man Mozzarella schreibt. „Dafür muss man büffeln.“ „Schon witzig“, meint Christina Kipp aus Kleinich, die feststellt, dass Schröders Programm sehr gymnasial­spezifisch sei. „An Grundschulen ist einiges anders.“