Journalisten wollen eine "Story"

Moselwein, vor allem der unvergleichliche Steillagen-Riesling, wird seit Jahren von der Fachpresse, aber auch von den Massenmedien in den höchsten Tönen gelobt. Zu Recht, denn was sich an der Mosel in den vergangenen zwei Jahrzehnten in punkto Qualität getan hat, ist sensationell.



Wer genauer hinschaut, stellt fest, dass bestimmte Winzer, Winzervereinigungen und deren Aktivitäten besonders häufig Anerkennung finden. Nehmen wir das Beispiel "Klitzekleiner Ring". Der "Klitzekleine Ring" ist ein Zusammenschluss von zehn Weingütern in der Umgebung von Traben-Trarbach. Diese Winzer machen unbestritten erstklassige Weine. Aber das schaffen viele andere auch. Und dennoch hat der "Klitzekleine Ring" eine weitaus bessere Presse. Der Grund ist einfach. Diese innovative Winzervereinigung liefert den Journalisten eine "Story". Allein schon der Name ist genial. Es gibt seit mehr als 100 Jahren den "Bernkasteler Ring" und den "Großen Ring" - beides renommierte und traditionsreiche Gütervereinigungen der Mosel. "Klitzekleiner Ring": Das ist klassisches Understatement mit einem Schuss Ironie.

Die eigentliche Story heißt aber "Bergrettung". Unter diesem Namen vermarkten die zehn Winzer Top-Weine, die sie gemeinsam aus der Steillage in der Enkircher Ellergrub erzeugen - Parzellen, die bereits brach lagen oder vor der Aufgabe standen. Der bekannte Weinautor Stuart Pigott begeistert sich ebenso für die "Bergretter" wie das "manager-magazin" oder zuletzt die Tageszeitung "Die Welt".

Ein anderes Beispiel ist die Winzervereinigung "Breva", ein Zusammenschluss von Winzern aus den Moselgemeinden Bruttig-Fankel, Ernst und Valwig. Sie machen ebenfalls erstklassige Weine, bieten darüber hinaus aber auch eine interessante "Story". Und die heißt: Wir schaffen gemeinsam einen Steillagen-Wanderweg durch den Valwiger Herrenberg und produzieren gemeinsam einen Wein aus dieser Lage.

Fazit: Hervorragende Weine produzieren viele, es geht aber darum, dies möglichst viele Menschen wissen zu lassen. Wer außer Qualität noch eine "Story" liefern kann, hat bei den Medien meistens gute Karten. w.simon@volksfreund.de