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Jüdische Friedhofe im Kreis Bernkastel-Wittlich: Diesmal Lieser

TV-Serie : Fünf Gräber gegen das Vergessen

Jüdische Friedhofe im Kreis Bernkastel-Wittlich: Diesmal ist Lieser an der Reihe. Er ist mit 200 Quadratmetern einer der kleineren im Kreis. Bis 1932 sind dort  Juden bestattet worden. Es gab schon vorher eine Begräbnisstätte im Ort.

Es war eine kleine jüdische Gemeinde, die im Moselort Lieser lebte. 1663 gab es zwei jüdische Familien, 1906 wohnten 15 Juden in Lieser und 1938 lebten sechs Personen jüdischen Glaubens dort.

Der jüdische Friedhof in der Richard-Wagner-Straße ist 1912 angelegt worden. Fünf Gräber gibt es noch, eins davon ist unbeschriftet. Davor gab es bereits ein „Haus der Ewigkeit“, wie man einen Friedhof im Jüdischen auch nennt, der wahrscheinlich schon im Mittelalter angelegt worden ist. Er lag oberhalb der Weinberge und des Krämerkreuzes in der Nähe der Grenze zu Maring. Grabsteine sind an dieser Stelle nicht mehr vorhanden. 1911 beschloss der Gemeinderat, den alten jüdischen Friedhof zu schließen und einen neuen Begräbnisplatz einzurichten. Heute sind es Gräber der Familien Salomon und Baum, die man dort noch besuchen kann.

Gerhard Stettler, ehemaliger Ortsbürgermeister von Lieser, erinnert sich: „Als wir früher zum Sportplatz gegangen sind, kamen wir immer am jüdischen Friedhof vorbei. Die Pflege des Friedhofs hat die Gemeinde übernommen. Da wurde Wert auf natürlichen Bewuchs gelegt.“ Gepflegt ist der Friedhof immer noch, mit einem Jägerzaun ist er eingefasst und inzwischen geht ein Neubaugebiet bis an die Begräbnisstätte.

Trotz ihrer geringen Größe hatte die jüdische Gemeinde Lieser eine eigene Synagoge, die bereits im 17. Jahrhundert bestand. Sie stand an der Ecke zwischen dem Marktplatz und der Frongasse. Im unteren Bereich war das Gebäude massiv gebaut und mit Fachwerk im oberen Teil ergänzt. Es gab dort einen Betsaal, einen öffentlichen Brunnen und eine überwölbte Brunnenkammer. Im 20. Jahrhundert war das Haus baufällig. Die Gemeinde Lieser lehnte es 1927 ab, es wiederherzurichten, weil  ihr dazu keine Mittel zur Verfügung stünden. Seit 1896 wurden die Lieserer Juden von der jüdischen Gemeinde Brauneberg betreut, zu der auch die Orte Mülheim, Veldenz und Wintrich gehörten. Von den Novemberpogromen im Jahr 1938 waren auch Juden in Lieser betroffen, es wurden Fensterscheiben zerschlagen, Wohnungseinrichtungen zertrümmert und Möbel auf die Straße geworfen.

Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs wurden elf aus Lieser stammende oder noch im Ort lebende Juden deportiert. In Lager in Litzmannstadt, Riga, Minsk, Theresienstadt wurden einige gebracht und in den Vernichtungslagern Belzec, Sobibor, Auschwitz oder Chelmo ermordet.

Einen jüdischen Arbeitskreis, eine Gedenktafel, Projekte zur jüdischen Geschichte oder Stolpersteine gibt es in Lieser nicht. Franz Schmitt hat aber in der Chronik des Weinortes Lieser, die in der Paulinusdruckerei 1988 erschienen ist, einen Text zur „Judengemeinde Lieser“ veröffentlicht.

In dem Buch „Steine über dem Fluss- jüdische Friedhöfe an der Mosel“, von Uwe F.W. Bauer und Marianne Bühler aus dem Jahr 2002 ist ebenfalls eine Beschreibung abgedruckt.