Julia Klöckner: „Wertschätzung für Erzeuger geht verloren“

Politik : Julia Klöckner: „Wertschätzung für Erzeuger geht verloren“

Ministerin Julia Klöckner hat in Bernkastel-Kues über Nahrungsmittel und den veränderten Umgang der Bevölkerung mit ihrem täglichen Essen gesprochen. Können uns digitale Verpackungen bald sagen, ob die Lebensmittel noch genießbar sind?

Hochkarätiger Besuch in den Berufsbildenden Schulen (BBS) in Bernkastel-Kues: Der Schulleitung und dem Förderverein der Schule ist es gelungen, für die Reihe „BBS Bernkastel-Kues trifft…“ Bundesministerin Julia Klöckner als Rednerin zu gewinnen. Klöckner, die in der Bundesregierung das Ressort Landwirtschaft und Ernährung verantwortet, hat in ihrer Rede vor mehr als 200 Zuhörern aus Wirtschaft, Politik und Schülern der BBS für mehr Wertschätzung gegenüber Lebensmitteln und ihren Erzeugern geworben.

Der Landwirt, der bei jedem Wetter seine Äcker bestellt, die Bäcker die früh aufstehen, deren Leistungen müssten gewürdigt werden. „Wir brauchen gut ausgebildete Fachleute“, sagt sie. Organisationen, die den Anschein erweckten, das Essen werde immer schlechter, äußerten sich häufig „intellektuell unterkomplex“, kritisiert sie und meint damit, dass diese oft keine Zusammenhänge beachteten. Beispiel Lebensmittelampel, die die Ministerin ablehnt: Hochwertiges Olivenöl würde wegen des hohen Fettanteils einen roten Punkt erhalten.

Die Lebensmittel in Deutschland seien so gut wie noch nie, das Angebot gut und groß. sagt sie. Die Menschen würden immer älter. „Dabei spielt das Essen auch eine Rolle“, sagt die Ministerin.

Allerdings fehlten bei den Menschen zunehmend Kenntnisse um die Lebensmittel. „Das Wissen um die Urprodukte geht verloren“, sagt Klöckner. Damit gehe der Verlust an Wertschätzung einher. Einen neuen Trend habe sie erst vor wenigen Tagen von einem Küchenfachmann erfahren. Junge Leute kauften in zunehmender Anzahl Küchen ohne Herd, lediglich mit Mikrowelle. In ihrer Familie sei immer frisch gekocht worden, sagt Klöckner.

Der Verlust an Kenntnis über Lebensmittel erfordere neue Lösungen bei den Verpackungen. Ihre Mutter habe an der Milch gerochen, geschmeckt und dann entschieden, ob sie noch gut sei. In Zukunft könne dies eine digitale Verpackung erledigen.

„Sie haben uns den Spiegel vorgehalten“, sagt Willi Günther, Schulleiter der BBS, zu den Ausführungen der Ministerin, die sich zuvor auch über die Rolle ihres Ressorts geäußert hat. „Mir geht es nicht ums verbieten. Aber wir müssen Richtlinien schaffen“, sagt sie. Die Anregung aus dem Publikum nach deutlich höheren Standards bei der Tierhaltung sieht sie kritisch. Halter von Legehennen hätten ihre Ställe bereits ins Ausland verlegt. „Dann habe ich keinen Einfluss mehr darauf.“ Und auch die Forderung einer Zuhörerin, Kochen in der Schule zu unterrichten, lehnt die Ministerin ab. Klöckner: „Junge Leute müssen andere Dinge lernen. Viele denken, das Schulen und Kitas das ausbügeln, was zu Hause nicht erfolgt.“

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