Jung geht zum zweiten Mal

Hans Jung ist ein Mann des Ausgleichs und der Vermittlung. Eigentlich hatte der langjährige Morbacher Ortsvorsteher und Erste Beigeordnete bereits vor fünf Jahren in den kommunalpolitischen Ruhestand gehen wollen, doch in den Nachwehen der sogenannten Flugblattaffäre ließ er sich noch einmal in die Pflicht nehmen. Jetzt ist aber endgültig Schluss.

Morbach. Der 75-jährige Realschullehrer Hans Jung befindet sich seit 15 Jahren im Ruhestand. Doch erst seit wenigen Wochen sieht sein Terminkalender auch so aus. Denn er vertrat als Erster Beigeordneter in der Gemeinde Morbach den Bürgermeister, wenn der Urlaub hatte oder anderweitig verhindert war. Mal besuchte er Jubilare, mal war er auf Außenterminen unterwegs. Und immer wieder wurde er zu Sitzungen eingeladen. Inzwischen ist er vor allem privat gefragt, hat viel Zeit für den Förderverein Ölmühle, dessen Vorsitzender er noch immer ist. Und natürlich auch für seine drei Kinder und fünf Enkel, denen er stets hilft, "wenn Not am Mann ist".
Vor fünf Jahren war sein kommunalpolitischer "Ruhestand" schon mal zum Greifen nah. Der langjährige Ortsvorsteher und Beigeordnete hatte seinen Abschied bereits vorbereitet. "Hans Jung verlässt die politische Bühne", titelte der Trierische Volksfreund im Februar 2009. Nachfolger in beiden Ämtern waren bereits in Sicht. Doch dann kam alles ganz anders.
Hans Jung blickt zurück. Der damalige Bürgermeister in Morbach, Gregor Eibes, heute Landrat, kam selbst in das Jung\'sche Eigenheim, um den gebürtigen Langweilerer zu bitten, das Amt des Beigeordneten weitere fünf Jahre zu übernehmen. "Wir haben gemeinsam hier draußen im Garten gegessen", erinnert sich Ehefrau Hannelore. Personelle Querelen innerhalb der CDU in den Nachwehen der sogenannten Flugblattaffäre hatten Eibes und die CDU bewogen, Hans Jung zu bitten, seine Entscheidung, sich aus der Kommunalpolitik zurückzuziehen, noch mal zu überdenken (siehe Extra). Während Georg Schuh als Ortsvorsteher in seine Fußstapfen trat, war die Beigeordneten-Frage unerwartet wieder offen. Lange bitten ließ Jung sich nicht. Was zum damaligen Zeitpunkt niemand wissen konnte: Zwei Jahre später tauschte Eibes seinen Bürgermeistersessel gegen ein Sitzmöbel an der Spitze der Kreisverwaltung in Bernkastel-Wittlich. Und plötzlich war Jung für vier Monate der Mann an der Spitze der Morbacher Verwaltung und Chef von mehr als 250 Mitarbeitern. Das sei keine einfache Zeit gewesen, sagt Jung.
Träger der Großen Ehrung


Jung hat in den 15 Jahren als Ortsvorsteher und Beigeordneter viel bewegt. In seine Amtszeit fiel unter anderem der Abschluss der Morbacher Ortskernsanierung, die Erweiterung der Baldenauhalle und die Erweiterung des Neubaugebiets Auf der Huhf. Schöne Erinnerungen gibt es viele: von der Einweihung von Festsaal und Waldlehrhütte bis hin zur Eröffnung des Kindergartens Auf der Huhf.
Besonders schwierige Situationen mag er rückblickend nicht nennen. Aber: "Ich kam mit allen klar, und habe mit niemandem Streit gehabt." Der Träger der Großen Ehrung der Einheitsgemeinde Morbach war wie kaum ein anderer ein Mann des Ausgleichs und der Vermittlung.
Natürlich hat Jung Pläne. "Wir wollen mehr wandern", sagt er und gesteht, dass er die Ölmühlen-Traumschleife selbst noch nie gelaufen ist. Nicht nur dem historischen Denkmal will er weiter verbunden bleiben, sondern auch dem Morbacher Seniorenheim. Dort schaltet er sich als Heimfürsprecher immer dann ein, "wenn Probleme auftreten".
Ganz oben auf seiner Wunschliste für die nächsten Wochen steht allerdings eine Reise nach Russland. Genauer gesagt nach Mamonowo (ehemals Heiligenbeil), 50 Kilometer südwestlich von Kaliningrad (Königsberg). Denn dort liegt das Grab des ältesten Bruders von Hans Jung, Karl Wilhelm Jung, der im Zweiten Weltkrieg schwer verwundet wurde und lange als vermisst galt. "Wir haben offiziell nie eine Todesnachricht bekommen." Schon bald will das Ehepaar dem dortigen Soldatenfriedhof einen Besuch abstatten.Extra

Die CDU hatte nach der Kommunalwahl 2009 ihren damaligen CDU-Spitzenkandidaten Hans-Georg Gröber als Ersten Beigeordneten der Gemeinde Morbach nominieren wollen. Doch noch vor der Wahl im Rat erhielt Gröber, von Beruf Polizist, von der eigenen Partei den Laufpass, weil er sich in einem Ermittlungsverfahren gegen Parteifreund Felix Assmann unglücklich verhalten hatte. Assmann war verdächtigt worden, einen anonymen Drohbrief gegen die Bürgerinitiative Gonzerath gegen Rechts geschrieben zu haben, wurde aber rehabilitiert. Assmann wie Gröber traten später aus der CDU aus. Gröber hat inzwischen das FDP-Parteibuch. iro