Junge Alte fallen durchs Raster

Die Mitglieder des neugegründeten Morbacher Senioren- und Behindertenbeirats wollen verstärkt Menschen ansprechen, die jünger sind als 65 Jahre. Oft finden diese keinen Anschluss, weil sie sich für Angebote für Alte zu jung fühlen, in bestehende Gruppen vor Ort aber nur schwer reinkommen.

Morbach. Der Senioren- und Behindertenbeirat der Einheitsgemeinde Morbach hat seine Tätigkeit aufgenommen und sich gleich einer besonderen Gruppe angenommen: den jungen Alten: Menschen also, die sich noch nicht als Senioren fühlen und deshalb Probleme haben, Anschluss zu finden. Mit den Worten des Gremiums gesprochen, handelt es sich dabei um das "Feld der Frührentner".
Der erst in diesem Jahr gegründete Beirat setzt sich aus Vertretern der 19 Morbacher Ortsbezirke zusammen. Er soll die Interessen der älteren und behinderten Menschen wahrnehmen und Vorschläge erarbeiten, wie die Belange der Senioren und Behinderten besser zur Geltung kommenAnsprache ist unverzichtbar


"Das sind Menschen, die sich noch nicht alt genug fühlen, um an Seniorenangeboten teilzunehmen, aber zu alt sind, um beispielsweise im Verein Sport zu treiben", sagt Karl Albrech, Vorsitzender des Senioren- und Behindertenbeirats. "Diese finden häufig keinen Anschluss."
Die Rede ist dabei nicht von einer kleinen Gruppe. Im Gegenteil: Etwa jeder fünfte Morbacher ist zwischen 50 und 65 Jahre alt (Extra). Bestehende Gruppen mit Menschen in diesem Alter wie Wandergemeinschaften oder Kegelclubs bilden oft eine verschworene Gemeinschaft und haben ein festes Gefüge, in die Außenstehende nur schwer reinkommen.
Der Vorstand des Beirats hat mit dem Feld der Frührentner insbesondere die 55- bis 65-jährigen Menschen im Blick. "Die werden ausgegrenzt, weil sie bei den Angeboten irgendwo dazwischen hängen", sagt Albrech. Der Hundheimer Andreas Hornberg, selbst Mitglied im Beirat, führt sich selbst als Beispiel an: "Ich bin zwar Frührentner, gehe aber nicht zum Rentnerstammtisch. Das passt nicht", sagt er.
Sein Ratskollege Karl Ludwig Steinmetz gibt ihm recht: "Häufig findet man bei Angeboten für Senioren die Einschränkung: Ab 65." Dabei hätten Menschen in dem angesprochenen Alter durchaus den Wunsch, sich zu betätigen. "Viele Männer wollen und können mit Mitte 50 beispielsweise handwerklich aktiv sein", sagt Albrech.
Der Vorsitzende appellierte an die Mitglieder des Gremiums, in ihren Orten nach Menschen in diesem Alter Ausschau zu halten und diese zu bewegen, an gemeinschaftlichen Aktivitäten, beispielsweise an Seniorennachmittagen, teilzunehmen. "Weg von der Couch, hin zur Aktivität, muss das Motto heißen", sagt Albrech. Menschen in dieser Altersgruppe, sowohl Alleinstehende als auch Paare, benötigten oft nur eine Ansprache, einen kurzen Anstoß, um sich an gemeinsamen Unternehmungen zu beteiligen. "Wer lädt sich schon selber ein?" fragt der Vorsitzende leicht provozierend, um die Probleme der Jungsenioren zu verdeutlichen.Extra

Laut statistischem Landesamt sind 21,7 Prozent der Morbacher Bevölkerung zwischen 50 und 65 Jahre alt. Bei einer Gesamtbevölkerung von 10 774 Menschen gehören damit 2338 Männer und Frauen dieser Altersgruppe an. In der Verbandsgemeinde Thalfang sind 24,9 Prozent der 7165 Männer und Frauen in diesem Alter. Das sind 1784 Personen. cst