Junge Menschen, die durch alle Raster fallen
Bernkastel-Kues · 150 Menschen wollen wissen, wie man mit pädagogischer Arbeit eines neuen Phänomens Herr wird: so genannte "JungenWilden", also junge Menschen mit besonderen seelischen Behinderungen.
Bernkastel-Kues. Seit einigen Jahren müssen sich Einrichtungen der Jugendhilfe und der Eingliederungshilfe zunehmend mit Menschen auseinandersetzen, die besondere Anforderungen an die pädagogische Arbeit stellen. Für sie hat sich mittlerweile der Begriff "Junge Wilde" (siehe Extra) eingebürgert. Pädagogen und Psychologen sprechen in solchen Fällen von einer sozial-emotionalen Beeinträchtigung.
Um Fragen zum Entstehen dieser seelischen Behinderung zu klären und Möglichkeiten zur Betreuung und Begleitung der betroffenen jungen Menschen zu diskutieren, hatte das DRK-Sozialwerk Bernkastel-Wittlich zu einem Fachtag geladen. Mehr als 150 Teilnehmer aus 50 sozialen Einrichtungen der Jugend- und Behindertenhilfe wie auch die Kostenträger waren der Einladung in den Festsaal des Mosel-Weinmuseums gefolgt.
Christian Johann, Geschäftsführer des DRK-Sozialwerks, machte in seinem Eingangsreferat zum Thema "Was tun, wenn junge Menschen durch alle Raster fallen?" deutlich, dass insbesondere der Übergang ins Arbeitsleben für die Betroffenen eine große Herausforderung darstellt. Nachfolgend erläuterte er die seit 2008 andauernden intensiven Bemühungen des DRK-Sozialwerks, jungen Menschen mit einer sozial-emotionalen Beeinträchtigung professionelle Hilfen anzubieten. Er wies dabei auf die großen Schwierigkeiten und manchmal auch Grenzen in der Begleitung der jungen Erwachsenen auf ihrem Weg zu einer gleichberechtigten Teilhabe am gesellschaftlichen Leben hin. Er betonte in diesem Zusammenhang die Notwendigkeit zur engen Zusammenarbeit aller Beteiligten. In Fachvorträgen wurden die Entstehungszusammenhänge einer sozial-emotionalen Beeinträchtigung geschildert und die neuropsychologischen Folgen dargestellt. Auch ging es um Unterstützung und Begleitung für "Junge Wilde" aus Sicht der Jugendhilfe und der Behindertenhilfe. red
Extra
Gemeint sind damit Jugendliche und junge Erwachsene, die scheinbar ohne äußeren Anlass in eine tiefe emotionale Krisen geraten und ein stark herausforderndes und aggressives Verhalten zeigen. Sie sind häufig so unreif, dass sie sich nur bedingt eigenständig versorgen. Zur Entstehung des Handicaps wird angenommen, dass frühe Bindungsstörungen und Entwicklungsbeeinträchtigungen im Kindesalter eine entscheidende Rolle spielen. red