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Junger Viez aus alter Kelter

Hilscheid. Ernten und genießen, diese Kombination gibt es traditionell beim Hochwälder Viezfest in Hilscheid. Die 20. Auflage dieser Tradition brachte im Ergebnis rund 300 Liter des Apfelweines und rund 400 Besucher ins und ums Bürgerhaus.

Hilscheid. "Die Ernte war schlecht", bedauert der Hilscheider Ortsbürgermeister und Wehrführer Detlef Haink. Lediglich 15 Zentner Äpfel konnten beim 20. Hochwälder Viezfest in der historischen Kelter in Hilscheid verarbeitet werden. 100 Jahre ist das technische Gerät alt, das Äpfel in frischen Most und Viez fürs nächste Jahr verwandeln kann.
"Das ist Baujahr 1916", beschreibt Kellermeister Jörg Zimmer die Kelter. War der Männergesangverein 15 Jahre lang Herr der Prozedur und des Festes, hat diese Aufgabe vor fünf Jahren die Feuerwehr übernommen. Schwere und vor allem laute Mahlgeräusche zeigen schon von draußen an, dass in der Halle der Feuerwehr mächtig geschafft wird. Rund 300 Liter werden es sein, denn mehr haben die Obstbäume wegen der kalten und nassen Witterung im Frühjahr, die auch Bienen vom Bestäuben abhielt, nicht hergegeben.

"Das reicht für unseren Eigenbedarf. Der Rest wird regional vermarktet", sagt Haink, und fügt hinzu: "Ein Geschäft können wir damit nicht machen." Aber das Verarbeiten des Trierer Viezapfels, wie die Sorte heißt, bringt das Dorf zusammen. Mit der Arbeit an der Kelter ist noch kein Viez fertig. "Der kann noch nachgären, wenn die Apfelbäume blühen", weiß Zimmer. Irgendwie scheint es da einen Zusammenhang zu geben. Auf jeden Fall muss der Viez "von der Hefe genommen werden", wie der Fachmann sagt. Die Hefe hat sich im Fass abgesetzt. Der junge Viez muss zwischengelagert, das Fass gereinigt und wieder befüllt werden. "So steckt in jedem Glas drei Tage Arbeit", rechnet der Kellermeister vor. Kühl und dunkel gelagert, könne der Viez nach drei Jahren den Gaumen erfreuen.
Die 400 Besucher des Festes genossen auch Gefüllte Klöße und freuten sich über die historische Feuerwehrübung mit der Pumpe, Jahrgang 1880, und den Alten Kameraden der Hilscheider Wehr. Originell ist dabei der Erste-Hilfe-Kasten mit einer Flasche Schnaps. Das Rote Kreuz aus Fell hilft mit historischem Rettungsgerät aus. Kinder wurden im Zweispänner von Udo Biehl kutschiert. Der Erlös des Festes ist für den Förderverein und die Jugendwehr bestimmt. dothExtra

Nicht nur in Hilscheid wird mit dem Keltern ein Fest verbunden. Diese Tradition, die Dorfgemeinschaft an der Apfelernte teilhaben zu lassen, wird auch in Burtscheid, Talling, Heidenburg, Gielert und Deuselbach gepflegt. Produziert wird meist nur für den Eigenbedarf. Wird Viez oder Most verkauft, geht der Erlös an einen guten Zweck. doth