Jungpolitiker laden ein, keiner kommt

Jungpolitiker laden ein, keiner kommt

15 junge Gesichter prägen die Wittlicher Politik seit über einem Jahr in Form des Jugendparlaments (Jupa). In der dritten knapp einstündigen Sitzung zeigten sich Probleme: Trotz Einladung an die Wittlicher Skater, über deren Anlage gesprochen werden sollte, kam kein einziger von ihnen.

Wittlich. Wenn sie redet, klingt sie wie eine Berufspolitikerin. Dabei ist Sophie Salfer erst 16 Jahre alt. Die Schülerin aus Wengerohr ist ein Mitglied des Jugendparlaments (siehe Extra). Am Dienstagabend leitete Sophie die dritte offizielle Sitzung des Parlaments. Sie fand nicht etwa in der Synagoge statt, wo der Stadtrat tagt, sondern im Bombogener Jugendraum. Dort saßen die Teenager an einem langen Tisch und diskutierten über die Themen, die den Jugendlichen in Wittlich am Herzen liegen. Zurzeit eines der wichtigsten: der Skatepark am Stadthaus, der seit einigen Wochen in der Kritik seiner Nutzer steht.
Über die Internetplattform wer-kennt-wen hatten im Mai einige Jugendliche Kontakt zum Jupa aufgenommen und den Skatepark kritisiert. Die Anlage sei verschmutzt und zu klein, hieß es unter anderem (der TV berichtete).
Das Jupa reagierte und lud die Skater zu einem Treffen ins Haus der Jugend ein. Dort sollten sie mit Vertretern der Polizei und der Stadtverwaltung ins Gespräch kommen und ihre Beschwerden vortragen. Es erschien jedoch keiner von ihnen.
Deshalb gab das Jupa den Skatern eine zweite Chance. Mit Online-Nachrichten und in einem wer-kennt-wen-Forum lud es sie ein, zu der Sitzung nach Bombogen zu kommen. Die Jungpolitiker hofften, dort endlich mit ihnen diskutieren zu können.
Doch die einzigen Besucher der Sitzung waren drei Erwachsene. Einer von ihnen, der Rentner und Hobbyhistoriker Willi Waxweiler, nutzte die Einwohnerfragestunde zu Beginn, um die Jugendlichen zu einem Vortrag über die Geschichte der Stadt Wittlich einzuladen. Von den erwarteten Skatern saß kein einziger im Publikum.
"Wir würden gerne helfen", sagt Sarah-Katharina Schnitzius dazu, "aber da die Skater wieder nicht gekommen sind, können wir leider nichts machen."
Auch Bastian Otten ist enttäuscht. "Es ist gut, dass die Jugendlichen kritisch denken", sagt er, "aber ich finde es schade, dass niemand von ihnen kommt, wenn man ihnen die Gelegenheit gibt, sich in der Öffentlichkeit zu äußern."
Womöglich ist eine Einladung in die Sitzung des Jupas nicht der richtige Weg, die Wittlicher Skater-Clique zu erreichen.
"Viele von denen sind erst 14 oder 15 und haben noch kein Auto", erklärt ein Skater, der die Anlage hin und wieder nutzt. "Das Jugendparlament sollte vielleicht besser in den Skatepark gehen und die Leute da ansprechen."
Sarah-Katharina Schnitzius sagt, man wolle diese Anregung befolgen. Da sie über das Internet Interesse signalisiert hätten, sei das Jupa nach wie vor offen für die Belange der Skater, versichert auch Sophie Salfer.
Dass die geplante Diskussion mit den Skatern ins Wasser fiel, schien die 16-Jährige nicht sonderlich zu stören. Souverän leitete sie das Jupa am Dienstag weiter durch die anderen Punkte der Tagesordnung - und zeigte dabei, dass die Jugendlichen nicht nur vor Problemen stehen: Für das Kino-Open-Air, das ab dem 29. Juni im Stadtpark veranstaltet wird, konnten sie zum Beispiel den musikalischen Rahmen organisieren. Die Bands The Scones und Heimkino stehen bereits fest.
Das Jugendparlament besteht seit April 2010. Die 15 Mitglieder (neun Jungen, sechs Mädchen) vertreten die Interessen der Jugendlichen gegenüber den Verwaltungsorganen der Stadt. Dabei kann es eigene Ideen in die städtischen Gremien einbringen. Wahlberechtigt und wählbar sind Jugendliche zwischen 14 und 21 Jahren. Ideen oder Kritik für das Jupa können per E-Mail an jugendparlament@stadt.wittlich.de oder in der wer-kennt-wen-Gruppe Jugendparlament Wittlich abgegeben werden. Auch über die Jupa-Briefkästen, die in den Schulen hängen, können Jugendliche Kontakt zum Jupa aufnehmen. gub

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