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Kahlschlag entlang der Bundesstraße

Kahlschlag entlang der Bundesstraße

In Burg regt sich Protest. Die Straßenmeisterei Bernkastel hat Anfang Februar an Böschungen entlang der B 53 Pflegearbeiten vorgenommen und dabei Hecken, Sträucher und Bäume abgeschnitten. Privatleute hatten die Pflanzen mit Genehmigung der Straßenmeisterei vor zehn Jahren selbst gepflanzt und seitdem sorgsam gepflegt.

Burg. Wenn Sigrid Berchtold aus dem Fenster ihres Hauses blickt, sieht sie eine kahle Böschung, die Leitplanke entlang der B 53 und alle paar Sekunden ein vorbeirasendes Auto. Vor zwei Wochen war das noch anders. Dort standen Sträucher und Bäumchen - Gewächse, die Sigrid Berchtold und ihr Ehemann Friedhelm David vor zehn Jahren gepflanzt hatten. Holunder, Jasmin, Forsythien, Vogelbeere, Haselnuss und Hibiskus gediehen dort prächtig.

Das Ehepaar erfreute sich im Frühjahr, Sommer und Herbst an den gelben, weißen und roten Blüten, an Vögeln und Kleingetier, das dort Schutz und Nahrung suchte. Auch der Krach an der viel befahrenen Bundesstraße war etwas abgemildert, und es war eine Barriere für Kinder, falls sie über die lebensgefährliche Straße wollten, um zum Spielplatz am Moselufer zu gelangen.

Jetzt ist entlang der B 53 in Burg, das sind etwa 800 Meter, alles weg. Auch Sigrid Berchtolds Nachbarin Tanja Mohr regt sich auf: "Bis auf einige Bäume haben die alles platt gemacht." Übrig geblieben sind nur noch kleingehäckseltes Holz und einige auf dem Boden liegende Äste. An die Sträucher erinnern nur noch Stümpfe, die ein paar Zentimeter aus der Erde ragen.

Schon einmal, im Januar 2000, wurde die Böschung bodennah abgemäht. Es gab Proteste, die Straßenmeisterei stellte, so Sigrid Berchtold, eine Neubepflanzung in Aussicht. Doch als längere Zeit nichts passierte, holte sich das Ehepaar die Erlaubnis, selbst die Böschung zu bepflanzen. Sie investierten rund 250 Euro in die Setzlinge und pflegten in den kommenden Jahren die Blütensträucher. Unmittelbar an der Leitplanke ließen sie einen breiten Streifen, damit kein Ast über die Planke hinauswächst und eventuell die Sicherheit der Autofahrer gefährdet.

Erstmals ein Forstmulcher im Einsatz



Nach dem Schock Anfang Februar rief Sigrid Berchtold bei der Straßenmeisterei Bernkastel an. Dort sei sie von einem Mitarbeiter mit den Worten vertröstet worden, im Sommer werde alles wieder grün, und dann komme die Straßenmeisterei zum Abmähen. Berchtold: "Wir Anlieger fühlen uns nicht ernstgenommen. Verschaukelt ist noch harmlos ausgedrückt."

Auch Maria Hill aus Burg, die nicht direkt an der Bundesstraße wohnt, ist entsetzt. "Das ist doch ein Eingriff in die Lebensqualität der Anwohner."

Der Leiter der Master-Straßenmeisterei Wittlich, Ralf Schmitz, weist darauf hin, dass die Straßenmeisterei Bernkastel in diesem Jahr erstmals einen Forstmulcher für den "Horizontalschnitt" der Sträucher eingesetzt hat. Mit diesem Gerät habe man erstmals im vorigen Jahr im Bereich Wittlich die Sträucher gestutzt. Auch damals habe es Proteste von Bürgern gegeben. Daraufhin habe man den Bereich genauer kontrolliert und festgestellt, dass innerhalb eines halben Jahres alles wieder ergrünt war. Schmitz: "Die Pflanzen vertragen einen solchen Rückschnitt sehr gut." Dennoch sei er nicht über jede Pflegemaßnahme glücklich. Die Optik sei schon ein Problem. Er sei auch nicht mit allem einverstanden.

Der Behördenleiter weiter: "Es ist immer wieder ein Spagat zwischen den Ansprüchen der Landespflege und den Kosten." Die Maschine habe man eingesetzt, weil nicht genügend Personal zur Verfügung stehe. Im Winter seien zudem viele Überstunden angefallen - Zeit, die jetzt fehle.

Schmitz rechnet in den kommenden Jahren ferner mit einem Personalabbau, da das Land Kosten einsparen wolle. Den betreffenden Böschungsbereich in Burg will Schmitz nun selbst begutachten. Schmitz: "Liegen Fehler seitens des Unternehmers vor, werden wir in Zukunft nach anderen Möglichkeiten suchen."