Kammermusikalischer Kosmos

Dem Valentin Klavierquartett eilt ein guter und solider Ruf in der Welt der Kammermusik voraus. In der Wittlicher Synagoge stellte es, verstärkt durch den Geiger Felix Key Weber unter Beweis, dass dies zu Recht der Fall ist.

Wittlich. (gkl) Schade, mochten die Besucher nach dem zweiten Werk des Abends in der Wittlicher Synagoge denken, als dort das Valentin Klavierquartett gastierte. Schade, dass uns von Gustav Mahlers Klavierquartett nur ein Fragment erhalten geblieben ist. Oder sie mochten auch denken: Gott sei Dank ist wenigstens der erste Satz vollständig erhalten geblieben. Egal, von welcher Seite aus man diesen Umstand betrachten wollte, zu danken war auf jeden Fall Inka von Puttkamer (Violine), Minako Uno (Viola), den Cellisten Hanno Kuhns und der Pianistin Isabel Lhotzky, dass dieser eine erhaltene Satz im Rahmen der Wittlicher Konzerte aufgeführt wurde. Es war schon ein Erlebnis, diese Komposition zu hören, zu spüren, wie der 16-jährige Mahler seine Wurzeln Schubert und Brahms nicht leugnet, trotzdem aber auch schon seine Eigenständigkeit demonstriert. Weit weniger verständlich war dagegen das sich anschließende Fragment vom zweiten Satz aus Alfred Schnittkes Symphonie Nr. 5, in dem er als Hommage an Mahler die 24 Takte des Scherzos des a-Moll-Quartetts eingearbeitet hat. Technisch durchaus ansprechend musiziert, war der musikalische Sprung nicht so ohne Weiteres möglich.Den Anfang des Abends bildete das Klavierquartett Es-Dur von Ludwig van Beethoven, im Programmheft fälschlicherweise als sein Opus 16 bezeichnet. Es ist aber die Nummer eins in der Reihe der Werke ohne Opuszahl Nr. 36. Bei der Interpretation hatte man den Eindruck, die Musiker müssten sich im Raum noch zusammenfinden. Dies und die Tatsache, dass es sich um ein Jugendwerk handelte, ließ die Musik ein wenig flach erscheinen. Anders erging es dem Klavierquintett in Es-Dur, Opus 44, von Robert Schumann. Wer bei Beethoven Tiefgang, Musikalität, Kunstvolles und Nachdenkliches vermisst hatte, wurde jetzt auf ganzer Linie entschädigt. Das durch den Geiger Felix Key Weber verstärkte Quartett nahm das Publikum mit auf eine Reise zwischen Kammermusik und Symphonik, in einen kleinen Kosmos der Kammermusik-Literatur. Wie bei Mahler, vielleicht noch intensiver hatten die Musiker zueinandergefunden, spielten sich die Bälle zu, wurden dem hohen Niveau ihres Rufes gerecht. Der Schlussapplaus war wie ihr Spiel: überzeugend.