Kampf dem Herztod als Lizenz zum Geld verdienen

Kampf dem Herztod als Lizenz zum Geld verdienen

In den elf kreiseigenen Schulen hängt womöglich bald ein Defibrillator. Das Gerät gibt es kostenlos von einer Berliner Firma. Sie verdient am Verkauf von Werbeflächen. Bei diesem Geschäft unter dem Deckmantel des guten Zwecks helfen Schulen und Kreis.

"Kampf dem Herztod" und "Profitieren Sie in diesem Zusammenhang von einer enormen Imagesteigerung Ihres Unternehmens!" Beides steht in einem Schreiben der Berufsbildenden Schule (BBS) Wittlich an "alle Unternehmer/innen im Stadtgebiet Wittlich". Die erfahren darin, dass die BBS einen Defibrillator bekommen soll.

"Da frage ich mich doch, wem ich da etwas Gutes tue"



Kostenlos für die Schule, jedenfalls drei Jahre. Denn so lange will die Firma Defimed der BBS das Gerät zur Verfügung stellen. Wer soll das bezahlen? Die Unternehmer mit ihrer Werbung. Sie soll rings um den Laien-Defibrillator platziert werden, der dann am BBS-Haupteingang umrahmt von den Anzeigen aufgestellt wird. Lebensrettungstafel nennt sich das.

"Ab 400 Euro aufwärts soll ein Werbeplatz im Jahr kosten. In drei Jahren habe ich ja allein so ein Gerät finanziert", sagt ein Wittlicher Geschäftsmann.

Ihn hat eine Vertreterin der Firma Defimed mit dem BBS-Schreiben besucht.

Er wurde misstrauisch: "Die haben dann Anzeigen für rund 10 000 Euro im Jahr, bis die Tafel voll ist. Das macht über drei Jahre 30 000 Euro - mindestens. Ich habe im Internet geschaut, so ein Defibrillator kostet um die 1000 Euro. Wofür sind dann die restlichen 29 000 Euro? Da frage ich mich doch, wem ich da etwas Gutes tue: der Schule oder dem Chef der Firma?", sagt der Geschäftsmann.

Eine TV-Nachfrage an den Schulleiter der BBS, Alfons Schmitz, der das Empfehlungsschreiben für die Firma Defimed unterschrieben hat, leitet dieser direkt an die Kreisverwaltung weiter. Anstelle des Schulleiters antwortet Manuel Follmann, Pressesprecher der Kreisverwaltung. Er sagt, die Firma Defimed habe dem Kreis als Schulträger die kostenlose Aufstellung der Defibrillatoren an allen kreiseigenen Schulen angeboten. Man habe vertraglich vereinbart, dass der Firma gestattet werde, "eine Informationstafel mit Firmenanzeigen aufzustellen. Als Gegenleistung wird für die Dauer des Vertrags von drei Jahren kostenlos ein werbefinanzierter Defibrillator der jeweiligen Schule zur Verfügung gestellt." Die Firma übernehme Wartung und Pflege. "Weitere kostenlose Angebote lagen dem Schulträger nicht vor."

Uwe Hartmann, Defimed "Lebensrettung durch Sponsoring" in Berlin, sagt auf TV-Nachfrage: "Mit der Vermarktung der entsprechenden Werbeflächen, an meist ortsansässige Unternehmen, werden die Kosten für den Defibrillator, die Lebensrettungstafel, die Serviceleistungen sowie die Kosten für Marketing, Vertrieb, Verwaltung und Produktion getragen." "Helfen Sie bitte mit und unterstützen Sie diese gute Aktion", schließt der Schulleiterbrief an die Unternehmer.

Eine schlechte Aktion für die Berliner Firma ist dieser "Kampf dem Herztod" sicher nicht.

Meinung

Vor den Karren gespannt

Die Berliner Firma hat eine ausgezeichnete Geschäftsidee. Ihr Name Defimed vereint Defibrillator und Medizin, klingt nach Gesundheitsexperte. Das Schreiben an die Geschäftsleute stellt dann auch die angeblich gute Sache in den Vordergrund: "Helfen auch Sie Leben zu retten!" Dabei geht es um ein Geschäft, das in erster Linie Defimed finanziell zugute kommt. Der Satz im Werbeschreiben "Zeigen Sie Verantwortung für sich und Ihre Mitmenschen" gilt eher für die Berliner Firma. Vor deren Karren hat sich die Kreisverwaltung und dann die Schule brav spannen lassen. Einen besseren Fürsprecher kann sich Defimed nicht wünschen. Der Nutzen für Firmen vor Ort ist fraglich. Das Ganze riecht nach Abzocke. s.suennen@volksfreund.deExtra Defibrillatoren heißen auch Schockgeber. Es sind medizinische Geräte, die durch Stromstöße das Kammerflimmern des Herzens beenden können. Damit kann das Herz wieder zum normalen Schlagen gebracht und ein plötzlicher Herztod vermieden werden. Die Anwendung eines Defibrillators gilt als eine Ergänzung und nicht als Ersatz für diese Maßnahme.

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