Kampf gegen Fliegen-Eldorado

"Ein Eldorado für Fliegen, Bremsen und sonstiges Getier" nennen Petra und Hans-Walter Müller den Graben direkt hinter ihrem Garten. Dort soll Regenwasser versickern und verdunsten - doch laut den Müllers tut es das eben nicht. Ihrem Wunsch nach einer anderen Form der Entwässerung kommen die zuständigen Werke der Verbandsgemeinde Wittlich-Land jedoch nicht nach. Nun hofft das Ehepaar auf Hilfe durch den Bürgerbeauftragten Dieter Burgard.

Klausen. "Drei-Seen-Blick" nennt Hans-Walter Müller den Ausblick von seinem Haus im Klausener Neubaugebiet Neuwies in seinen Garten. Doch er klingt dabei alles andere als schwärmerisch. Und so bezeichnet seine Frau Petra das, was direkt hinter ihrem Grundstück bis zur mit Gras bewachsenen Böschung des alten Sportplatzes verläuft, auch eher abfällig als "Sumpfgelände". Der Entwässerungsgraben, in den Regenwasser fließt und dort nach dem sogenannten "modifizierten Trennsystem" an Ort und Stelle versickern oder verdunsten soll, ist für das Ehepaar, das 2008 nach Klausen gezogen ist, seit langem ein Ärgernis. "Es kann nichts versickern, da dort Lehmboden ist", sagt Hans-Walter Müller. Stattdessen gebe es "Riesenlöcher", in denen das Wasser stehe und mitunter vor sich hin stinke (der TV berichtete).
Die Korrespondenz des Ehepaars mit den Werken der Verbandsgemeinde (VG) Wittlich-Land und mit den eigenen Anwälten füllt mehrere Aktenordner - und vieles deutet darauf hin, dass sich die beiden Parteien irgendwann vor Gericht weiterstreiten (siehe Extra).
Korrespondenz füllt Aktenordner


Die letzte Hoffnung auf eine außergerichtliche Einigung heißt Dieter Burgard - Bürgerbeauftragter des Landes Rheinland-Pfalz, den die Müllers jüngst in seiner Sprechstunde im Kreishaus in Wittlich aufgesucht haben. Burgard sind Streitigkeiten zwischen Bürgern und Werken um Entwässerungsgräben nicht unbekannt: "Das ist kein Einzelfall", sagt er, "ich höre öfter davon, dass Gräben nicht gepflegt werden und es deswegen zu Überschwemmungen kommt." Und so kennt er auch die Entwässerung nach dem modifizierten Trennsystem: "Das wird ja des Öfteren angewendet", sagt der Bürgerbeauftragte, "aber normalerweise nicht mit solchen Auswirkungen."
Das Wasser stehe mitunter 40 bis 50 Zentimeter hoch, schildern die Müllers und berichten weiter, dass der Entwässerungsgraben auch in direkter Nähe des Spielplatzes verlaufe: "Da spielen viele Kinder, und da ist nichts eingezäunt", sagt Petra Müller. Es sei nicht auszudenken, sollte ein Kind in den mit Regenwasser gefüllten Graben fallen.
Das Ehepaar hat zum Gespräch mit dem Bürgerbeauftragten zahlreiche Fotos mitgebracht und überreicht ihm einen ganzen Ordner voll mit Schriftwechseln mit den Werken, Gesprächsnotizen, Zeitungsausschnitten. "Es ist gut, wenn die Leute Unterlagen mitbringen", sagt Burgard, "es wird immer dann schwierig, wenn Bürger Probleme mit Behörden haben und die Beschwerden immer nur übers Telefon laufen." Die Unterlagen werde er nun mit seinen juristischen Beratern in Mainz durchgehen.
Burgard schreibt Werke an


"Meine Position ist, für die Bürger da zu sein und ihre Anliegen ernst zu nehmen", beschreibt er seine Arbeitsauffassung und kündigt an, zunächst die VG-Werke anzuschreiben sowie die für die wasserrechtliche Erlaubnis zuständige Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord. "Ich kann noch nicht sagen, welche Lösung da in Klausen gefunden werden kann", sagt Burgard. Das Wichtigste sei aber, die Kommunikation zwischen den Bürgern und der Verwaltung aufrechtzuhalten. Und in immerhin zwei Drittel der Fälle, in denen er als Bürgerbeauftragter eingeschaltet werde, gebe es am Ende einen Kompromiss. Auf einen solchen Kompromiss hofft auch das Ehepaar Müller aus Klausen: "Wir sind positiv gestimmt", sagt Hans-Walter Müller, "wir haben nichts zu verlieren."Extra

Das Ehepaar Müller hat Widerspruch gegen den Abgabenbescheid der VG-Werke über die Festsetzung des wiederkehrenden Beitrags Niederschlagswasser eingelegt. Die Müllers bemängeln zum einen, dass der hinter ihrem Grundstück verlaufende Graben nicht ordnungsgemäß gepflegt werde: Er sei "ein Eldorado für Fliegen, Bremsen und sonstiges Getier", heißt es in der Widerspruchsbegründung. Darüber hinaus kritisieren sie, dass von den 60 Grundstücken im Neubaugebiet Neuwies 25 an ein rohrgebundenes Entwässerungssystem angeschlossen wurden. Sie fühlen sich diesen Grundstückseigentümern gegenüber schlechter gestellt, weil ihnen mit dem offenen Graben in direkter Nähe des Gartens eine "zweit- bis drittklassige Oberflächenentwässerung" zugemutet werde. Den Widerspruch haben die Werke inzwischen jedoch abgelehnt, die Müllers haben daraufhin den Kreisrechtsausschuss angerufen. Sollte dieser im Sinne der Werke entscheiden, will das Ehepaar vors Trierer Verwaltungsgericht ziehen. nebExtra

Den VG-Werken Wittlich-Land liegt eine wasserrechtliche Erlaubnis der SGD Nord zum Betrieb der Niederschlagswasseranlagen im Neubaugebiet Neuwies in Klausen vor, teilt Annegret Heinz, Leiterin der VG-Werke, auf TV-Anfrage mit. Um die Funktionsfähigkeit der Versickerungs- und Rückhalteeinrichtungen aufrechtzuerhalten, werden laut Heinz zweimal jährlich Pflegearbeiten vorgenommen. Im Sommer habe ein Vor-Ort-Termin von Bürgermeister Dennis Junk mit den Eheleuten Müller stattgefunden. Danach seien nochmals auch die Tiefen der Kaskaden überprüft worden. Sie sind laut der Werkleiterin allesamt nicht tiefer als 40 Zentimeter, sodass die Anbringung eines Zaunes nicht erforderlich sei. Mit der Ortsgemeinde Klausen, die mit der Pflege der Anlagen beauftragt sei, habe man Ende Oktober die anstehenden Pflegearbeiten besprochen. Sie sollen nun kurzfristig ausgeführt werden. "Für die Zukunft ist angedacht, die Pflegearbeiten von einer Fachfirma ausführen zu lassen", sagt Heinz. neb