1. Region
  2. Mosel, Wittlich & Hunsrück

Kandidaten der Landtagswahl 2021 in Wittlich Bernkastel-Kues Morbach

Landtagswahl : Diese Kandidaten wollen in den Landtag

Am 14. März ist Wahltag. Wer sind die Menschen, die in den Wahlkreisen 22 und 23 antreten? Der TV stellt sie kurz vor.

Bernkastel-Wittlich Die Bürger in Rheinland-Pfalz wählen am 14. März ihren Landtag. Gesprochen hat unsere Redaktion deshalb mit den Kandidaten der Wahlkreise 22 und 23. Was wollen sie im Landtag in Mainz bewirken?

Wahlkreis 22: Wittlich

AfD (Alternative für Deutschland): Brigitte Hoffmann (66), pensionierte Standesbeamtin, lebt in Klausen. „Mir war immer wichtig, die Interessen des ländlichen Raumes zu vertreten. Wir müssen den ländlichen Raum im Fokus behalten, um der Landflucht entgegenzuwirken.“ So habe sie sich beispielsweise für den Erhalt der Zweigstelle der Sparkasse in Klausen eingesetzt. „Die Kommunen haben zu knapsen, weil sie nicht mit genügend finanziellen Mitteln ausgestattet sind.“ Auch mit der Corona-Pandemie fordert sie einen anderen Umgang.

Bündnis 90/Die Grünen: Marc Wolfgramm (41), Angestellter im Öffentlichen Dienst bei der Agentur für Arbeit.

Er will die verkehrspolitische Wende voranbringen: „Wir brauchen gute Alternativen zum Auto, also einen gut ausgebauten öffentlichen Nahverkehr. Was Wittlich betrifft halte ich auch ein sinnvolles Fahrradkonzept für wichtig.“ Wegen seines beruflichen Hintergrundes seien ihm ebenfalls Themen wie Gleichberechtigung und Inklusion wichtig sowie familienfreundliche Betreuungsangebote im ländlichen Raum.

CDU (Christlich Demokratische Union Deutschlands): Dennis Junk (36), seit 2014 Verbandsbürgermeister von Wittlich-Land.

„Ich will dem ländlichen Raum eine starke Stimme geben.“ Vor allem in finanzieller Hinsicht bekämen die Kommunen zu wenig Unterstützung. Auch müsse man mehr Gebiete über Landstraßen erschließen. „In der Bildungspolitik habe ich den Eindruck, dass es auf Landesebene an Ideen fehlt, wie man die Probleme lösen kann. Ich will meine Erfahrung von 45 Gemeinden, 14 Grundschulen, 15 Kitas und 44 Feuerwehren und alles, was dazu gehört, in den Landtag einbringen.“

FDP (Freie Demokratische Partei): Stefan Thoma (34), Lehrer. Die Bildungspolitik will er verbessern: „Die Schulen sollten mehr Freiraum bekommen. Personaleinstellungen etwa kann die Schule hundertmal besser als ein Verwaltungsbeamter. In der Bildung sind wir zu oft auf juristische Aspekte fokussiert, zu kurz kommen didaktische und pädagogische Aspekte.“ Mehr Eigenverantwortung fordert er auch in der Umwelt- und Verkehrspolitik: „Die Politik sollte die Ziele setzen, aber wie genau diese umgesetzt werden, das sollten die Betroffenen eigenverantwortlich entscheiden können.“

FWG (Freie Wählergemeinschaft): Ulrich Müller (69) ist pensionierter Polizeibeamter, lebt in Landscheid. „Die freie Wählergemeinschaft hat zum Ziel, dass sie sich sehr stark an den Ortsgemeinden orientiert. Unsere Arbeit richtet sich stark danach, die kommunale Selbstverwaltung in den Gemeinden zu stärken.“ Dafür müssten sie aber auch Einfluss auf die Landespolitik gewinnen. Unzufrieden ist er mit der aus seiner Sicht zu geringen Beteiligung des Landes an kommunalen Projekten. Zu viele Kosten blieben bei den Kommunen liegen.

Die Linke Tom Ebertz (21), absolviert eine Ausbildung zum Kaufmann für Büromanagement. Ihm sind soziale Gleichheit, gleiche Chancen auf Schulbildung und Unterstützung der Jugendhilfe wichtig: „Wir müssen mutig sein für alle Menschen, die eine soziale Opposition brauchen. Die Erzieherinnen und Erzieher müssen entlastet werden, Krankenpflegerinnen und Krankenpfleger müssen besser bezahlt werden.“ Er fordert mehr Sozialwohnungen und einen besseren öffentlichen Nahverkehr für Pendler.

ÖDP (Ökologisch-Demokratische Partei) Erik Hofmann (34), Winzer, lebt in Traben-Trarbach. „Die großen Themen, die uns bewegen, sind die Finanzen der Kommunen. Die Kommunen in Rheinland-Pfalz sind unterfinanziert und stehen in den Schulden.“ Auch Nachhaltigkeit sei wichtig: Er fordert mehr Ressourcenschonung und Umweltfreundlichkeit, in der Müllverarbeitung müsse mehr wiederverwertet werden.

SPD (Sozialdemokratische Partei Deutschlands): Andreas Höcker (52), Ergotherapeut. Wichtig sei ihm, die Strukturen im ländlichen Raum zu stärken. „Wir müssen jungen Unternehmern und Start-ups die Region schmackhaft machen und ihnen zeigen: Hier könnt ihr gut arbeiten und leben.“ Dazu gehöre auch, den Internetzugang und Breitbandtechnik auszubauen. Auch die Gesundheitspolitik sei ihm wichtig: „Die Gesundheitsversorgung muss für jeden mit oder ohne Handicap gut erreichbar sein.“

Wahlkreis 23: Bernkastel-Kues/ Morbach/Kirchberg (Hunsrück)

AfD (Alternative für Deutschland): Dr. Harald Bechberger (68), Betriebswirt und pensionierter Studienleiter.

„Als Landtagsabgeordneter möchte ich vor allem in der Familienpolitik neu ansetzen: Mütter sollen in den ersten drei Lebensjahren ihrer Kinder finanziell unabhängig gestellt werden, um eine Grundlage für wachsende Familien zu schaffen. Ferner möchte ich das Landleben aufwerten, das den Verfall städtischen Lebens zu kompensieren hat. Auch möchte ich die Bildungspolitik neu ausrichten, um die Entwertung von Bildungsabschlüssen zu stoppen und Bildung als Kapital der Jugend zu schützen.“

Bündnis 90/Die Grünen Jutta Blatzheim-Roegler, seit 2011 als Abgeordnete der Grünen im Landtag. Wichtiges Thema ist für sie vor allem der Tourismus. „In diesem Sommer hat sich unsere touristische Region als sehr wertvoll erwiesen. Viele Menschen schätzen, was in der Nähe liegt.“ Wichtig sei, jene Touristen zu behalten, die zum ersten Mal in der Region waren. Den Hunsrücker Nationalpark müsse man weiter fördern. Auch für Radwanderer könne man im Nationalpark noch etwas machen. Durch Förderungen will sie auch regionale Mobilität verbessern.

CDU (Christlich Demokratische Union Deutschlands): Karina Wächter (30), Steuerberaterin, lebt in Bernkastel-Kues. Man müsse die Landwirtschaft und den ländlichen Raum stärken: „Viele junge Menschen bleiben leider nicht in der Heimat.“ Um dem entgegenzuwirken, müsste man die Schulen und Kitas fördern, die ärztliche Versorgung, Mobilfunknetze und Internetanschluss ausbauen. Auch in der Landwirtschaft spiele das eine Rolle: „Viele kleine Höfe schließen, weil die junge Generation in der Landwirtschaft keine Zukunft sieht.“

FDP (Freie Demokratische Partei) Frank Klein (48), Einzelhandelskaufmann und Marktleiter, lebt in Morbach-Gonzerath.

„Ich mache seit 1999 Kommunalpolitik und ich stelle fest, dass der ländliche Raum eine laute Stimme braucht, die man hört. Denn Menschen im ländlichen Raum haben oft das Nachsehen. Wenn sie die Debatten sehen, haben viele das Gefühl, dass nur an den urbanen Ballungsraum gedacht wird. Ich will, dass die Leute im ländlichen Raum genug Lebensqualität haben, um auf dem Dorf alt werden zu können. Sei es der Landarzt, seien es Lebensmittel. Wirtschaft ist nicht alles, aber ohne Wirtschaft ist alles nichts.“

FWG (Freie Wählergemeinschaft): Hugo Bader (60), Arzt in Morbach. Er setzt sich dafür ein, dem Ärztemangel im ländlichen Raum entgegenzuwirken. Als Arzt kenne er das System von innen: „Die Versorgung auf dem Land wird immer katastrophaler. Patienten betteln, dass sie einen Hausarzt finden. Das Praxissterben hat erst richtig begonnen. Knapp jeder zweite Arzt ist über 60 und der Nachwuchs ist nicht gesichert.“ Es sei wichtig, neue Anreize zu setzen, um mehr Mediziner in die ländliche Region zu ziehen.

Die Linke Melanie Wery-Sims (37), Fremdsprachenassistentin, zurzeit Mitarbeiterin für Finanzen bei der Linken Rheinland-Pfalz.

„Eine unserer Hauptforderungen ist die konsequente Friedenspolitik. Wir wollen, dass alle US-Militärstützpunkte schließen und sämtliche Atombomben rauskommen.“ Ein weiteres Problem sieht sie darin, dass Kita- und Schulkinder nicht angeschnallt im Bus sitzen: „Im normalen ÖPNV gibt es keine Anschnallpflicht, die meisten Schulkinder fahren aber mit dem ÖPNV. Ich bin dafür, spezielle Kita- und Schulbusse anzuschaffen, die mit einem Dreipunktgurt und Sitzerhöhung ausgestattet sind.“

ÖDP (Ökologisch-Demokratische Partei): Johannes Schneider (63), Winzer: „Wir wollen mehr ökologischen Land- und Weinbau.“ Es gehe dabei um Klimaschutz, aber auch um den Schutz der heimischen Böden und des Trinkwassers. In der Elektromobilität fordert er Verbesserungen: „Es fehlt an Koordination. Wir brauchen eine verbindliche rechtliche Grundlage, wie die Zapfsäulen funktionieren und wo sie stehen sollen. Der Staat müsste ordnungspolitisch tätig werden.“

SPD (Sozialdemokratische Partei Deutschlands): Bettina Brück (53), seit 2006 Mitglied des Landtages. „Für mich ist es wichtig, dass unsere ländlichen Regionen nicht gegenüber den städtischen Regionen vernachlässigt werden. Als Politikerin sehe ich mich als verbindendes Element zwischen den Bürgerinnen und Bürgern und den staatlichen Stellen. Da versucht man Vermittler zu sein und Menschen zusammenzubringen.“ Wichtige Aufgaben sieht sie darin, dass die Region gute Kitas und Schulen bietet, „die personell und sachlich gut ausgestattet sind, qualitativ hochwertige Bildung anbieten und gebührenfrei sein müssen.“

Einzelbewerber Rainer Stablo (67), pensionierter Lehrer, saß zehn Jahre für die Linke im Kreistag. „Ich wollte im Wahlkreis eine Alternative anbieten, vor allem in Bezug auf die Corona-Maßnahmen, die ich für unsozial halte. Ich finde, die Maßnahmen müssten auf Verhältnismäßigkeit und Rechtsstaatlichkeit geprüft werden.“ Als pensionierter Lehrer kritisiert er auch den Umgang der Politik mit den Schulen im Corona-Alltag.