Kaputte Häuser, um die sich keiner kümmert

Ortsbild in Ürzig und Kinheim : Kaputte Häuser, um die sich keiner kümmert

Wenn alte Gebäude verkommen, können Gemeinde und Kreisverwaltung kaum etwas machen. Es sei denn, die Bauruinen stellen eine Gefahr dar.

In fast jedem Dorf gibt es alte, verkommene Häuser, die das Ortsbild stören. Auch viele alte Fachwerkhäuser gammeln vor sich hin, weil die Besitzer die Sanierungskosten scheuen. Der alte Grundsatz „Eigentum verpflichtet“ gilt offenbar nicht für alle Eigentümer und die verlassenen Häuser werden für die Kommunen mit der Zeit zu einem immer größeren Problem. Doch spätestens, wenn Fassadenteile oder Dachziegel auf der Straße liegen, muss die Bauaufsicht aktiv werden.

Ein Beispiel für ein Haus, das verfällt und um das sich niemand kümmert, steht in der Ürziger Bergstraße. Die Bauruine hat kürzlich sogar den Gemeinderat beschäftigt. Ein Ratsmitglied hatte einen entsprechenden Antrag eingereicht. Ortsbürgermeister Arno Simon: „Das Haus ist praktisch nicht mehr zu verkaufen, es ist durchfeuchtet, es verfällt immer mehr.“ Die Gemeinde hat nun die Kreisverwaltung als untere Bauaufsichtsbehörde über den desolaten Zustand der Bauruine informiert. Das Haus sei baufällig und stark einsturzgefährdet und es könnten Kinder, die dort spielen, gefährdet werden. Der Besitzer des Hauses wohnt nicht mehr in Ürzig, er war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Der Pressesprecher der Kreisverwaltung Bernkastel-Wittlich, Manuel Follmann, erklärt die Rechtslage. Lediglich unschöne optische Beeinträchtigungen des Dorfbildes unterhalb der Schwelle der Verunstaltung würden in der Regel nicht ausreichen, um eine Abriss- und Beseitigungsverfügung ermessensfehlerfrei zu rechtfertigen. Bei der Entscheidung seien alle Besonderheiten des Einzelfalles zu berücksichtigen und zu würdigen.

Das Haus in Ürzig ist kein Einzelfall. In Kinheim ärgert sich Ortsbürgermeister Walter Klink seit langem über ein Anwesen in der Straße „Am Ehrenmal“. Klink: „Das Dach ist teilweise eingefallen, im Innern sieht es füchterlich aus.“ Zuletzt hätten dort Mietnomaden gelebt, die in den Räumen weitere große Schäden angerichtet und Dreck und Schmutz hinterlassen hätten.

Das im Jahr 1797 erbaute Anwesen war einst eine Gaststätte, später ein Weingut. Ende der 1990er Jahre wurde es in einem guten Zustand verkauft.

Baufälliges Haus in Ürzig. Foto: TV/Winfried Simon

Der jetzige Besitzer soll das Haus nach dem katastrophalen Hagelunwetter im August 2011, bei dem unter anderem das Dach schwer beschädigt wurde, verlassen haben. Der Mann, er war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen, wohnt nicht mehr in Ürzig.

Immerhin verschließt jetzt auf Anordnung der Kreisverwaltung ein Eisenzaun das Eingangstor, so dass das verkommene Anwesen nicht mehr betreten werden kann.

Auch mitten im Traben-Trarbacher Stadtteil Wolf steht seit vielen Jahren eine abrissreife Lagerhalle eines einst großen Weingutes, deren Dach völlig eingekracht ist.

Mitten in Wolf: Die Lagerhalle eines einst großen Weingutes. Das Dach ist eingestürzt. Foto: TV/Winfried Simon

Ortsvorsteherin Beatrix Kimnach ist verägert aber auch ratlos. „Wir können da nicht viel machen.“

Mehr von Volksfreund