Karl Hammes war als Flieger genauso berühmt wie als Opernsänger

Kostenpflichtiger Inhalt: AUS DEM ARCHIV, September 2019 : Fliegender Bariton von der Mosel wird im Luftkampf abgeschossen

Vor 80 Jahren stirbt der aus Zell stammende Opernsänger und Jagdpilot Karl Hammes kurz nach Kriegsbeginn. Der begnadete Künstler wirkte zuvor an mehreren großen Theatern Europas.

Mit dem Angriff der Deutschen Wehrmacht auf Polen begann am 1. September 1939 ein sechsjähriger Weltkrieg, in dessen Verlauf viele Millionen Menschen zu Tode kamen. Unter den ersten Opfern, die der einstige Polenfeldzug forderte, befand sich der von der Mosel stammende Künstler und Militärpilot Karl Hammes. Der Luftwaffenangehörige kam am 6. September 1939 durch den Abschuss seines Jagdflugzeugs, einer Messerschmitt Bf 110-C1, während eines Kampfeinsatzes über Warschau ums Leben. Durch den frühen Tod des Opernsängers ging der Theaterwelt ein großes Talent verloren, dessen erfolgreiche Karriere von Engagements an renommierten Bühnen in Deutschland und weiteren Ländern Europas gekrönt war.

Der namhafte Bariton kam am 25. März 1896 als Sohn eines Weinhändlers in Zell auf die Welt. Nach seinem Schulabschluss am Gymnasium von Traben-Trarbach meldete sich Hammes im Jahre 1914 zum Militär. Dort diente er zunächst als Artillerieoffizier. Anschließend startete der junge Weltkriegssoldat eine Ausbildung zum Piloten. Als späteres Mitglied der Königlich Bayerischen Jagdstaffel Nr. 35 (Jasta 35) erzielte der Jagdflieger vier bestätigte Luftsiege im Fronteinsatz. Für seine Erfolge bei den Fliegertruppen des Deutschen Kaiserreiches wurde Hammes mit dem Eisernen Kreuz I. Klasse ausgezeichnet.

Nach Ende des Ersten Weltkriegs begann der gebürtige Moselaner ein Gesangsstudium am Musikkonservatorium in Köln. 1925 debütierte er an der dortigen Oper als lyrischer Bariton.

In den Jahren 1926/27 gastierte das aufstrebende Stimmtalent an der Berliner Krolloper. Dort sang Hammes unter der Leitung von Otto Klemperer den Don Giovanni, den Ottokar im „Freischütz“, die vier Dämonen in „Hoffmanns Erzählungen“, Partien in modernen Opernwerken von Ernst Krenek und in Cimarosas „Il matrimonio segreto“. 1927 brillierte er auch bei den Bayreuther Festspielen mit Auftritten als Amfortas in Wagners „Parsifal“ sowie als Gunther in Wagners „Götterdämmerung“.

Ein historisches Gemälde zeigt den gebürtigen Moselaner Karl Hammes als Figaro in Mozarts Oper "Hochzeit des Figaro". Foto: Nachlass/Nachlass Hammes

Im Zeitraum 1929 bis 1935 folgten Engagements an der Wiener Staatsoper sowie bei den Salzburger Festspielen. Zu seinem vielfältigen Repertoire gehörten der Figaro in „Figaros Hochzeit“, der Papageno in Mozarts „Zauberflöte“ sowie der Minister (Don Fernando) in Beethovens „Fidelio“. Darüber hinaus gastierte Hammes an Opernhäusern in Hamburg, München, Brüssel, Amsterdam und London. 1935 wurde der begabte Bariton an die Berliner Staatsoper berufen und zum Kammersänger ernannt.

Der außergewöhnliche Künstler blieb zeitlebens eng mit seiner Geburtsstadt Zell verbunden. So nahm er im Sommer 1922 mit Begeisterung am Festzug zur 700-Jahr-Feier der Stadt teil. Zudem trat er im Januar 1926 zum ersten Mal im „Bohnschen Saal“ auf. Der leidenschaftliche Sportler engagierte sich überdies viele Jahre beim örtlichen Ruderverein.

Außerdem war er seinerzeit Mitglied des Golf- und Land-Clubs Berlin-Wannsee sowie der deutschen Golf-Nationalmannschaft. So vertrat Hammes sein Vaterland bei einem Turnier gegen Schweden.

Ab 1937 diente der frühere Oberleutnant der Reserve als Jagdflieger bei der Deutschen Luftwaffe. Dort gehörte er einst dem Jagdgeschwader 2 „Richthofen“ an. Bei Kriegsbeginn wurde Hammes als Kapitän der 1. Staffel des Zerstörergeschwaders 1 (1./ZG1) im Polenfeldzug eingesetzt. Seine letzte Ruhestätte fand der im Luftkampf gefallene Major auf dem Soldatenfriedhof Warschau-Powazki.

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