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Karl Marx im Kopf und auch am Fenster

Karl Marx im Kopf und auch am Fenster

Junge Menschen aus der Region, die sich für linke Politik begeistern, finden den einzigen Treffpunkt der Linksjugend in Trier. Zwei junge Menschen erklären, warum sie sich für die Partei Die Linke engagieren.

Wittlich/Trier. Das Parteibüro in der Nähe der Porta Nigra hat den Charme eines Jugendraums. Etwas chaotisch, bunt - hauptsächlich allerdings rot - und es ist spürbar, dass hier auch ein bisschen gelebt wird. Im Hinterzimmer: Rote Couch an rotem Tisch, rote Sessel, rote Hocker, in der Ecke am Fenster eine kleine Karl-Marx-Figur. Willkommen bei der Trierer Linksjugend!
Arbeit für folgende Generationen


Milena Mess und Kai Follmann haben eine klare politische Haltung: Humanismus, Antifaschismus, Friedenspolitik und Umverteilung sind ihre Losungsworte. Diese Ideale fänden sich in dieser Klarheit allein bei der Linken, sagen beide. "Ich komme aus einer Gastarbeiterfamilie", erzählt Milena, "mein Vater war in der Türkei auf einer Eliteschule, hier kam er auf die Hauptschule. So haben wir selbst erlebt, wie rostig die Integrationsräder in Deutschland sind." In der Linksjugend will sie sich dafür einsetzen, dass das bei nachfolgenden Generationen anders läuft.
Kai ist über die Antifaschistische Aktion auf die Linksjugend gestoßen. "Man sollte mit seinem politischen Engagement immer in seinem direkten Umfeld beginnen" begründet der 23-jährige Student auch seine Aktivität in der linken Hochschulgruppe. Von der freundschaftlichen Atmosphäre bei der Linksjugend sind Milena und Kai begeistert. Man unternehme auch privat viel zusammen. Beide schätzen die Linksjugend aber nicht nur als Freundeskreis, sondern auch als Ort politischer Diskussionen. Kai findet, durch den ständigen freien Diskurs mit anderen könnten fundierte politische Meinungen erst heranreifen.
Vision? Kommunismus!


Doch nicht immer schlägt den linken Nachwuchspolitikern Wohlwollen entgegen. Milena ärgert sich darüber, dass die Linksjugend-Mitglieder auf der Straße häufig angefeindet werden. Trotz ihres jungen Alters stecke man sie regelmäßig in eine Schublade mit der SED und dem stalinistischen Staatsapparat. Für die 19-Jährige ist das absurd: "Mein Opa war in der DDR im Gefängnis. ,Weil ich mein Maul zu weit aufgemacht hab', hat er immer gesagt."
Laut seine Meinung sagen zu können, ist für die gebürtige Berlinerin ebenso unverzichtbar wie für ihren Großvater. "Im Unterricht polarisiere ich oft", erzählt sie. "Aber ich finde, Politik fängt damit an, dass man Menschen dafür empfänglich macht, Dinge zu reflektieren."
Ihre Vision von Deutschland? "Kommunismus", sagt Milena spöttisch und lacht. Dann wird sie ernst: "Wir sollten uns mehr gegen soziale Ungerechtigkeiten wehren!" Kai möchte den Kapitalismus ins Zentrum der Kritik rücken: "Das ist kein nachhaltiges System. Der Gesellschaft muss bewusst werden, wie destruktiv der Kapitalismus ist."
In das von Rot dominierte Zimmer mit der kleinen Karl-Marx-Figur kommen zwei weitere Genossen. Bierflaschen werden geöffnet. Das schmeckt nach einem gemütlichen Abend unter Freunden mit ungezwungenen Diskussionen über Politik. hebe