Katar, Kuwait und Moseltal: Reiche Araber entdecken den Immobilienmarkt in der Region

Katar, Kuwait und Moseltal: Reiche Araber entdecken den Immobilienmarkt in der Region

16 wohlhabende Araber haben in den vergangenen zwei Jahren Häuser in Zell an der Mosel und der näheren Umgebung gekauft. „Es könnten noch mehr sein“, sagt Immobilienmaklerin Brigitte Kunkel-Griffin. Doch leider gebe es nicht viele freistehende Häuser mit vielen Zimmern.

Moselidylle: Zell und seine Stadtteile finden nicht nur bei deutschen Touristen Gefallen. Zu den Menschen, die hier ein Haus kaufen, gehören auch wohlhabende Araber. Foto: Rainer Neubert

Das idyllische Moselstädtchen Zell ist in diesen Tagen bundesweit in den Schlagzeilen. Ob im Radio, im Fernsehen, in Magazinen oder Zeitungen - stets wird darüber spekuliert, ob für den ungewöhnlichen Bevölkerungszuwachs aus Kuwait, Katar und Dohar ein Fehler bei der Recherche im Internet Ursache war. "Das lässt sich nicht belegen", sagt Brigitte Kunkel-Griffin. Gemeinsam mit ihrem aus Schottland stammenden Mann betreibt sie in Zell jenes Maklerbüro, das für ausländische Immobilienkunden eine Art Monopolstellung hat. "Es hat hier noch keiner gesagt, dass er eigentlich nach Zell am See wollte."

Schaut man aus dem großen Fenster des Büros in der Balduinstraße, fällt der Blick auf die Mosel. In seiner engsten Schleife durchzieht der Fluss hier die Kulturlandschaft. Die "Schwarze Katz" ist Stadtmaskottchen und Weinlage zugleich. Immer wieder kommen arabische Geschäftsleute hierhin, die nach einem hübschen Domizil mit vielen Zimmern suchen. "Das sind keine Scheichs", versichert die redegewandte Frau aus Hessen. "Die meisten haben ein Budget zwischen 100 000 und 200 000 Euro. Sie suchen nach einem schön gelegenen Haus, um dort mit ihren Familien in den nächsten Jahren die Sommerferien verbringen zu können."

Wenn in Kuwait oder anderen Staaten der Golfregion die Tagestemperatur auf 50 Grad steigt, flüchten immer mehr wohlhabende Menschen in die Sommerfrische nach Europa, wo die Zweitwohnung gleichzeitig eine krisensichere Geldanlage ist.

Luxusimmobilien in München, Berlin oder Hamburg ziehen die Reichen an. Verschleierte Frauen im Kaufrausch prägen dort das Bild in den Luxusgeschäften der Fußgängerzonen.

"Wer zu uns an die Mosel kommt, der zählt in seiner Heimat schon eher zu den Exoten, die Ruhe und Natur suchen", sagt Kunkel-Griffin, die von der Freundlichkeit und Aufgeschlossenheit ihrer Kunden schwärmt. Besonders eng ist ihre Beziehung zu Jamal Abdul Raheem, einer ihrer ersten Kunden aus Kuwait. "Wenn Jamal und seine Familie zu uns kommen, werden wir immer mit Geschenken überhäuft." Sie lacht und deutet auf ihre Uhr. "Er nennt uns ,seine Familie' in Deutschland."

Raheem ist selbstständiger Finanzanalyst und auf die Bekämpfung von Geldwäsche spezialisiert. Er arbeitet für Banken aus aller Welt. In Bad Bertrich, wo er das Nachbargebäude eines Traditionsgasthauses gekauft hat, fühlt er sich sehr wohl und willkommen geheißen. Das habe er ihr mehrfach berichtet, sagt Brigitte Kunkel-Griffin. Ähnliches gelte auch für ihre anderen Kunden. "Die sind alle sehr lieb und integrationswillig."

Zell an der Mosel ist kein Ort für traditionelle Bekleidung wie der weiße Dischdascha, der Kandoura oder Vollverschleierung. Meist sind die Männer in europäischer Kleidung und die Frauen ohne Kopftuch unterwegs. Alle sprechen Englisch.

Bei den Behörden sei das bisweilen etwas schwierig, weiß Brigitte Kunkel-Griffin, die mit ihrem Mann auch Kunden von den Britischen Inseln, Holland oder Belgien betreut. "Wenn der zuständige Mitarbeiter der Ausländerbehörde kein Englisch kann, dann spricht das nicht gerade für gelebte Gastfreundschaft." Da fehle oft auch das Verständnis dafür, wie viel Geld diese Menschen in die Region bringen. "Dabei saniert Jamal doch schon fast alleine den Einzelhandel in Bad Bertrich."

Gern gesehene Gäste sind die Menschen aus Kuwait, Katar und Abu Dhabi mit Sicherheit auch in den Arztpraxen und Kliniken. Wer staatlich krankenversichert ist, nutzt bei Beschwerden schließlich gerne den hohen Standard der medizinischen Versorgung in Deutschland.

Der Zeller Stadtbürgermeister will sich mangelndes Verständnis für die neuen Mitbürger nicht nachsagen lassen. "Diese Menschen sind für uns ein Gewinn", sagt Hans Schwarz. "Das sind ganz normale Leute, die auch Steuern und Abgaben zahlen." Er freut sich auch über die derzeit hohe Präsenz seiner Stadt in der deutschen Medienlandschaft. Wenn da aber geschrieben steht, der Ort werde leer gekauft, dann stimme das einfach nicht.

Auch Brigitte Kunkel-Griffin schüttelt angesichts solcher Schlagzeilen mit dem Kopf. "Wir haben noch viele Immobilien im Angebot. Wenn wir noch mehr freistehende Häuser mit vielen Zimmern und großem Garten hätten, könnten wir aber noch mehr an arabische Kunden vermitteln."

Für diese Menschen liege das Moseltal zentral in Europa. Aus deutscher Sicht weite Entfernungen seien kein Problem. "Wenn die im Sommer hier sind, mieten sie sich ein Auto und reisen durch den ganzen Kontinent." Dass sie dabei auch nach Zell am See im schönen Österreich kommen, ist nicht ausgeschlossen. Stadtbürgermeister Hans Schwarz glaubt nicht, dass er dadurch seine Neubürger verlieren würde. "Unser Zell ist einfach schöner."

Mehr von Volksfreund