Kaufhaus Vogt in Kinderbeuern ist viel mehr als ein Geschäft.

Einzelhandel : „Schraube,  Zement und Küche“

Das Technische Kaufhaus Vogt in Kinderbeuern ist mehr als ein Geschäft, es ist eine Sehenswürdigkeit.

Das Geschäft nennt sich „Technisches Kaufhaus“. Besser müsste es heißen: „Kaufhaus für alles, was man nicht essen kann“.

Das Kaufhaus Vogt mitten in Kinderbeuern ist ungewöhnlich, ja einzigartig. Nicht nur weil es bereits in der vierten Generation betrieben wird, vielmehr wegen seines Sortiments. Ein Sortiment, das man in dieser Fülle und Vielfältigkeit wohl kaum noch findet. In dem Labyrinth kleiner und großer Räume und engen Gängen findet man unter anderem: Töpfe und Pfannen, Elektrokabel und Steckdosen, Schläuche und Wasserhähne, Hämmer und Zangen, Bleistifte und Briefpapier, Dachpappe und Leim, Streusalz und Rindenmulch, Stricknadeln und Wolle, Weihnachtskugeln und Lichterketten. Die ganze Seite könnte man vollschreiben, um alle unterschiedlichen Artikel aufzuzählen.

Inhaber Thomas Vogt weiß selbst nicht genau, wie viele es sind. „Unzählige“, sagt er, „sicher mehr als 100000.“

In einem Raum stehen Waschmaschinen und Trockner, in einem anderen eine Einbauküche, im Regal gegenüber kann der Kunde zu Fugenmaterial und Spachtel greifen. In der oberen Etage stehen unter anderem Campingstühle und Kleinmöbel, ein Regal ist vollgestellt mit Staubsaugerbeuteln, ein anderes mit Kerzen und Grableuchten.

Auf einem Regal steht: „Porzellan-Abverkauf“. Tassen, Schüssel und Teller gibt’s zu Sonderpreisen. Thomas Vogt sagt: „Von gewissen Sachen sollte man sich doch trennen.“

Bei all dieser Vielfalt hat sich Vogt auf ein Produkt spezialisiert: Kaminöfen, Pelletöfen und Herde.

Kurios: Nur zwei Kilometer weiter, in Bengel, gibt es mit dem Fachmarkt Becker ebenfalls einen Spezialisten für Kamin- und Pelletöfen sowie für Hausgeräte.

Es sind zwei Familienbetriebe, die sich mit Service und Beratung gegen die scheinbar übermächtige Konkurrenz der Bau- und Elektromärkte behaupten. Wir schauen etwas genauer in ein Regal. Ein seltsam geformtes Eisenstück fällt auf. Es ist ein Dengel-Amboss, der zum Schärfen einer Sense benutzt wird. Dazu wird der Dengel-Amboss in einen Holzpflock geschlagen. Durch gezielte Schläge wird das Sensenblatt in einem schmalen Streifen entlang der Schneidkante verdünnt und somit geschärft. 9,95 Euro kostet das Teil.

14 Cent kostet eine messingverchromte, 4,5 mal 40 Millimeter große Schraube. So steht es auf dem kleinen Kästchen im Drehregal. Ja, wer will, kann sogar eine einzelne Schraube kaufen. Will er zehn Stück, kostet die einzelne Schraube nur noch 13 Cent. Mehrere Hundert Schrauben in den unterschiedlichsten Größen hat Vogt im Angebot. Alle auch als Einzelstücke.

Etwa 1500 Quadratmeter misst die Verkaufsfläche, die auf mehrere Räume und zwei Etagen verteilt ist. Draußen, unter Dach, stehen Paletten mit Zementsäcken, Estrichbeton, Blumenerde, Blumentöpfen, Torf, Rindenmulch und so weiter. Auch Mauersteine sind zu haben.

Gegründet hat den Betrieb vor über hundert Jahren der Urgroßvater von Thomas Vogt, Johann Vogt. Er war in erste Linie Fuhrunternehmer, sein Sohn, ebenfalls ein Johann, war gelernter Stellmacher und stellte zusätzlich Räder, Wagen und andere landwirtschaftliche Geräte aus Holz her.

Mit dessen Sohn Edgar hielten Töpfe und Pfannen Einzug ins Kaufhaus Vogt. In den 1960er und 1970er Jahren kamen Tapeten, Teppiche und Küchen hinzu.

Kaufhaus Vogt. Foto: TV/Winfried Simon
Spezialteile, wie einen Dengel-Amboss,  hat Vogt auch im Angebot. Foto: TV/Winfried Simon

Thomas Vogt, der den Betrieb im Jahr 2003 übernahm, ist zufrieden mit dem Geschäft. „Es ist sehr viel Arbeit, aber ich komme damit rund“, sagt der 38-jährige Junggeselle.