Kaum jemand weint Neumagen-Dhron eine Träne nach

Kaum jemand weint Neumagen-Dhron eine Träne nach

Seit einem Jahr ist die Verbandsgemeinde Neumagen-Dhron nun Geschichte. Der TV hat nachgefragt, wie sich die von den Kommunalpolitikern gewollte Fusion ausgewirkt hat. Das Ergebnis: Viele Befragte sprechen davon, dass es heute besser läuft als zuvor.

Im Sitzungssaal der Kreisverwaltung in Wittlich hängt noch das Wappen der Verbandsgemeinde Neumagen-Dhron. Wohl eher aus nostalgischen Gründen. Ansonsten erinnert nicht mehr viel an die VG, deren Orte heute bis auf das zum Kreis Trier-Saarburg gewechselte Trittenheim zur VG Bernkastel-Kues gehören. Auf beiden Seiten der Kreisgrenze fühlt sich Christiane Horsch zu Hause. Sie war Bürgermeisterin der VG Neumagen-Dhron und ist inzwischen Bürgermeisterin der VG Schweich. "Wir haben den richtigen Schritt gemacht", sagt Horsch rückblickend. Hätte die alte VG Neumagen-Dhron mit ihren vier Ortsgemeinden weiter bestanden, wären auf die Bürger horrende Kosten wegen anstehender Projekte bei Wasser und Abwasser zugekommen. Diese seien in den neuen und größeren Einheiten leichter zu schultern, sagt Horsch. Ein Jahr nach dem Wechsel Trittenheims zur VG Schweich stellt sie zudem fest, dass sich ein wichtiger Punkt im Rahmen der Fusionsgespräche nahezu von alleine erledigt hat. Ein Teil der Mitarbeiter der Neumagen-Dhroner Verwaltung war nach Schweich gewechselt. Aufgrund personeller Veränderungen liegt die Zahl der Schweicher Verwaltungsmitarbeiter inzwischen wieder auf ähnlichem Niveau wie vor der Fusion. Trittenheims Ortsbürgermeister Franz-Josef Bollig fühlt sich bestätigt. "Der Wechsel war der richtige Schritt." Die Ortsgemeinde sei in die VG Schweich integriert und auch im Landkreis Trier-Saarburg gut aufgenommen worden. Trittenheim sei sogar umgehend als Schwerpunktgemeinde für Dorferneuerung anerkannt worden. "Ich kann nicht verstehen, warum sich andere Orte so dagegen wehren, dass Verbandsgemeinden fusionieren", sagt Bollig. Er habe die Erfahrung gemacht, dass in einer im Vergleich größeren Verbandsgemeinde-Verwaltung "mehr Zug dahinter ist." An neue Gesichter und neue Strukturen musste sich auch Trittenheims Wehrführer Werner Clüsserath gewöhnen. In der VG Neumagen-Dhron hatte er nur eine Handvoll Wehrführerkollegen, nun sind es mehr als 20. Im Kreis der Trier-Saarburger Wehren fühlen sich laut Clüsserath die 26 Aktiven sowie die zwölf Mitglieder der Jugendfeuerwehr ebenfalls gut aufgehoben. "Der Weg der Stützpunktfeuerwehr Schweich nach Trittenheim ist zwar etwas länger." Doch das Miteinander mit benachbarten Feuerwehren sei so gut, dass dies kompensiert werde. Ulf Hangert, Bürgermeister der VG Bernkastel-Kues, bietet am ersten Mittwoch jeden Monats eine Sprechstunde in Neumagen-Dhron an. Anfangs ging dies ohne Voranmeldung. Ganze drei Bürger nahmen das Angebot wahr. Seit einigen Monaten ist eine Voranmeldung notwendig. Gemeldet hat sich seitdem niemand. Im ehemaligen Verwaltungsgebäude sitzt halbtags eine Mitarbeiterin. Bei ihr können unter anderem Ausweise beantragt, Autos abgemeldet und Fundsachen abgegeben werden. Wie lange wird das noch der Fall sein? Hangert: "Längstens bis der Umbau des Verwaltungsgebäudes in Bernkastel-Kues abgeschlossen ist. ist." Die Arbeiten werden frühestens Mitte 2013 beginnen und etwa eineinhalb Jahre dauern. In dieser Zeit dient das Gebäude in Neumagen-Dhron Teilen der Verwaltung möglicherweise als Ausweichquartier. "Ich kann nichts Negatives sagen", bemerkt Willi Herres, Ortsbürgermeister von Neumagen-Dhron. In der kleinen Verwaltung sei manches etwas schneller gelaufen. Insgesamt gebe es keine Probleme. Dass die Steuerzettel in den drei neuen Gemeinden erst relativ spät zugestellt worden seien, sei darauf zurückzuführen, dass die technischen Systeme erst zusammengeführt werden mussten. Das sei manchen Bürgern negativ aufgestoßen, sei aber nicht der Schuld der Verwaltung. Natürlich trauerten manche vergangenen Zeiten nach, weil Neumagen-Dhron lange Jahre Verwaltungssitz gewesen ist. Aber es werde auch nach vorne geschaut. Zwei bis drei Mal im Monat fahre er in die Verwaltung. Den Rest erledige er per Telefon oder E-Mail. Kollege Karl-Heinz Knodt (Piesport) freut sich, dass sein Ort 2013 70.000 Euro mehr zur Verfügung hat, weil die von den Orten zu zahlende VG-Umlage kräftig gesenkt wurde. Er hat festgestellt, dass, anders als in der kleinen Einheit, die Ortsbürgermeister jetzt mehr Verantwortung haben. "Das ist gut", sagt er. Knodt hat in Gesprächen auch schon bemerkt, dass aus Richtung Bernkastel-Kues Urlauber auf besondere Veranstaltungen in seiner Gemeinde hingewiesen werden und die Tipps auch beherzigen. Knodt ist etwa einmal in der Woche in der neuern Verwaltung. Die Mehrheit der Minheimer wollte zur VG Wittlich-Land. Doch ihr Wunsch wurde nicht erhört. Das habe die Politikverdrossenheit noch gesteigert, sagt Ortsbürgermeister Werner Mertes. Er müsse sich öfters Sätze wie "Die machen doch, was sie wollen", anhören. Gleichwohl ist sein erstes Fazit positiv. Die VG-Umlage sei wesentlich günstiger als in der alten Einheit. Der Gemeinde bleibe mehr Geld. Mertes: "Einige Bauprojekte sind begonnen worden. Wir sind auf einem guten Weg." Er vermisse allerdings den unmittelbaren Kontakt zu den Sachbearbeitern. Der gehe bei größeren Verwaltungen zwangsläufig verloren. Edmund Gansen ist seit mehr als 30 Jahren in der Verwaltung tätig. Vor dem Wechsel nach Bernkastel-Kues war er in Neumagen-Dhron Kämmerer und Büroleiter. Jetzt ist er stellvertretender Leiter der Finanzabteilung. "Neumagen-Dhron war ein Familienbetrieb, Bernkastel-Kues ist ein mittelständisches Unternehmen", sagt er. "Wir sind hier gut aufgehoben", sagt er auch im Namen seiner Kollegen. 20 sind nach Bernkastel-Kues gewechselt, acht von ihnen arbeiten in der Verwaltung.

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