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Kein Bundespräsident, aber ein Visionär

Kein Bundespräsident, aber ein Visionär

Klaus Töpfer hat aufwühlende Tage hinter sich. Er war einer der ersten Kandidaten, die für das Bundespräsidentenamt gehandelt worden waren. Die Wahl fiel am Ende nicht auf ihn, und so zieht er weiter als Botschafter für eine zukunftsgerichtete Umweltpolitik um die Welt - zuletzt von Johannisburg nach Hetzerath.

Hetzerath. Lächeln, nicken, winken, klatschen: So ist es eben, wenn hoher Besuch ins Haus steht. Und vielleicht wären an diesem Freitagabend nicht so viele Menschen ins Hetzerather Bürgerhaus gekommen, wenn der, der dort auf der Bühne steht, vor wenigen Tagen nicht noch kurz davor gestanden hätte, Bundespräsident zu werden.
Der Anruf Angela Merkels habe ihn in Nairobi erreicht, "dort habe ich schon mal erfahren, dass ich nicht Bundespräsident werde, also ist doch alles in bester Ordnung", sagt er schmunzelnd.
Klaus Töpfer: von 1987 bis 1994 Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit im Kabinett Helmut Kohls, anschließend Bundesbauminister, von 1998 bis 2006 Leiter des UN-Umweltprogramms in Nairobi und seit einem Jahr Vorsitzender der Ethikkommission für eine sichere Energieversorgung der Bundesregierung.
In Hetzerath spricht der Volkswirt, der aus Südafrika angereist ist, über die Demokratie in der Krise und die Folgen der krisenhaften Entwicklung in Europa.
Sein Kernthema ist die Energiewende. Wie sie mit der Demokratie im Zusammenhang steht? Wer keine neuen Technologien suche, werde alternativlos. Doch Demokratie bedeute, die Wahl zu haben.
Wie aber funktioniert der Fortschritt? Man dürfe Knappheit nicht wegsubventionieren, denn Not mache erfinderisch und bringe die Entwicklung neuer Lösungen voran.
Weg von zu großen Lösungen, kleinteilig denken - also auch lokal, mit Windrädern und Solarflächen. Dass diese nicht mehr gebraucht werden, wenn sich Energie eines Tages leichter speichern und auch auf langen Strecken transportieren lässt und damit nur noch an den effizientesten Orten der Welt Anlagen gebaut werden, glaubt der Christdemokrat nicht. Dafür stecke die Entwicklung beispielsweise in Afrika noch viel zu sehr in den Kinderschuhen, und es mangele dort zwar nicht an Sonne, aber an anderen Ressourcen für die Energiegewinnung.
Das Nein der Deutschen zur Kernenergie habe auch andere Länder "mit einem Bazillus infiziert". In immer mehr Ländern wehren sich die Menschen gegen die Kernkraftwerke. "Sie sagen, wenn die Deutschen sie nicht brauchen, dann brauchen wir sie auch nicht."
Um die Demokratie zu beleben, müsse Deutschland die Trennung zwischen aktiver Bürgerschaft und politischer Mandatsträgerschaft überwinden. "Wir müssen die Bürger nicht nur beteiligen, sondern sie einbinden" - auch bei der Energiewende.
All das führt Klaus Töpfer ohne erhobenen Zeigefinger, sondern mit viel Humor vor Augen. Zum Beispiel, wenn es um seinen damaligen Einsatz für die Mülltrennung geht: "Wenn Sie so wollen, steht vor Ihnen der grüne Punkt. Gut, das ist besser, als wenn man mit dem gelben Sack in Verbindung gebracht wird. Vor allem, wenn man häufig in China zu tun hat."
Im Grunde könnte hier ebenso ein Grüner oder ein SPD-Mann sprechen. Wäre da nicht das Wort Konservatismus, das er betont. An erster Stelle stehen die Werte, dann folgt die Technologie. Doch Töpfer will sie ja einen, die Politiker unterschiedlicher Couleur. Nur gemeinsam geht\'s voran, sagt er, und meint das auch im Hinblick auf die Wahl des Bundespräsidenten.
Nein, traurig sei er nicht, dass die Wahl am Ende nicht auf ihn gefallen ist - weder 2004 noch 2012. "Wichtig ist, dass eine gemeinsame Lösung gefunden wurde. Jetzt müssen wir vorankommen."