Kein Geld für stilles Örtchen

Wittlichs stille Örtchen rücken in den Fokus. In der Einwohnerfragestunde klagt Wittlichs Ehrenbürger Hans-Günther Heinz über die fehlende Behindertentoilette am Bahnhof Wengerohr. Später fordern Stadträte, sich des Themas öffentlicher Anlagen auch in der Innenstadt anzunehmen.

Wittlich. Hans-Günther Heinz mischt sich ein. Der 80jährige Ehrenbürger Wittlichs ist nicht nur eine stadtbekannte Persönlichkeit. Als FDP-Politiker hat er sich in der Kommunal-, Kreis- oder Landespolitik engagiert und in Wittlichs Stadtpolitik sowieso. Dort meldet er sich ab und an als Bürger zu Wort, wie jetzt in der Einwohnerfragestunde des Stadtrates. Er hat einen Volksfreund dabei und zitiert: "Eine Behindertentoilette ist im Bahnhof Wengerohr nicht geplant, obwohl die Bahn in den Ausbau mehrere Millionen Euro investiert." Er sagt: "Das ist ein unmöglicher Zustand. Das kann doch so kritiklos nicht hingenommen werden. Wer eine Millioneninvestition tätigt, müsste doch in der Lage sein, für zehn- bis zwölftausend Euro so eine Anlage zu bauen! Wenn man bedenkt, wie viele Urlauber dort aussteigen!" Bürgermeister Joachim Rodenkirch kennt das Thema: "Da sind wir 100 Prozent d\'accord. Aber Sie kennen ja die Starrheit der Deutschen Bahn. Wir intervenieren hier ständig." "Vielleicht sollten unsere Abgeordneten an die Ministerien in Mainz und auch Berlin schreiben und eine Kopie an die Bahn zur Kenntnis. Auch betroffene Bürger könnten sich zusätzlich artikulieren", empfiehlt Heinz. Bürgermeister Joachim Rodenkirch sagt: " Es ist, wie auf Granit beißen. Wir sind vom Prinzip her ja nicht der Träger."
Die Bahn hat bislang mitteilen lassen. Für eine behindertengerechte Toilette habe sie kein Geld beziehungsweise halte sie nicht für notwendig. Toiletten befänden sich in den Zügen. Außerdem sei Wittlich kein Umsteigebahnhof, auf dem die Kunden lange Zeit auf Anschluss warten müssten (der TV berichtete).
Doch damit war das Toilettenthema in der Ratssitzung am Donnerstagabend noch nicht abgeschlossen. Bei der Vorstellung der Entwurfsplanung für den Parkplatz Oberstadt und das Gelände zwischen Einkaufszentrum und Busbahnhof ZOB merkt Horst Kirsch, SPD, an: "Wir haben ja nur noch die Toilettenanlage am Schloßplatz. Die passt dann an dieser Stelle nicht mehr. So haben wir nur die Toilette in der Schlossgalerie. Auf die wird aber nirgends hingewiesen. Warum? Und warum kann man nicht eine Toilettenanlage, die würdig ist, mitbauen?"
Bürgermeister Joachim Rodenkirch sagt: "Weil die nicht in dem Planungsauftrag vorgesehen ist. Vielleicht müssen wir das Thema noch mal aufgreifen."
Christoph Heckel, BGHplan, sagt: "Der Königsweg ist immer, wenn man sie in einen bestehenden Bau integrieren kann oder Nutzungsvereinbarungen trifft."
Edwin Mehrfeld, SPD, ergänzt. "Ich denke, das Thema öffentliche Toiletten, das sollten wir in Zukunft näher betrachten und zum Beispiel Nutzungsvereinbarungen mit der Gastronomie, Stichwort Aktion ,Nette Toilette\' anstreben." sos