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Kein Happy End, aber auch keine Tragödie

Kein Happy End, aber auch keine Tragödie

BERNKASTEL-WITTLICH. Achim Wendel ist immer noch jung: Die magische 30 hat er noch vor sich. Am Sonntag zeigte er seinen neusten Film im Moselkino – und bekam trotz des parallel laufenden WM-Spiels der Niederlande gegen Portugal den Saal voll.

Heimspiel für Achim Wedel: Der in Morbach aufgewachsene junge Mann hat wieder einen Film gedreht. Und wieder hat er Erfolg: Der Kurzfilm "Pizza Amore" kommt bei Cineasten richtig gut an, wie beispielsweise der Newcomer-Publikumspreis auf dem Landshuter Kurzfilmfestival beweist. Wer Näheres über den Erfolg des 29-Jährigen wissen möchte, der 2003, als er gerade den Kurzfilm "Sprechanlage" gedreht hatte, einen Sonderpreis des Kulturförderpreises im Kreis Bernkastel-Wittlich bekommen hatte, muss sich selbst auf die Recherche im Internet begeben oder lange bohren, bis Wendel damit herausrückt. Denn große Worte sind seine Sache nicht - ebenso wenig wie große Szenen. Dramatisches liegt ihm nicht, obwohl die Themen, die er verfilmt, Stoff genug bieten. Wendel schafft es immer, das Komische gleichwertig neben das Tragische zu stellen, den Zuschauer einerseits nachdenklich zu stimmen, ohne ihn andererseits verzweifelt zurückzulassen. Man muss in seinen Filmen stets darauf gefasst sein, in der nächsten Szene schmunzeln oder gar laut lachen zu müssen. Die Geschichten seiner Protagonisten nehmen oft skurrile Wendungen.Kleinigkeiten werden oft vergessen

Auch das Interview mit dem TV entbehrt nicht einer gewissen Skurrilität: Achim Wendel sitzt im Vorraum des Kinos, in dem gleichzeitig als erstes "Gekauftes Glück" läuft, der erste, noch ganz laienhaft gedrehte Film über Süchte, der sich zum Selbstläufer entwickelt hat. Mit einem Auge verfolgt er das WM-Spiel auf dem Monitor über sich: Er ist parteiisch, die Mutter stammt aus den Niederlanden, parallel dazu beantwortet er Fragen - bis zu dem Moment, als Portugal ein Tor schießt und Wendel in den Filmsaal gerufen wird. Die Zuschauer möchten ihm Fragen stellen: Wie es ist, Zucker in der Nase zu haben (statt Kokain), oder ob rauchende Erwachsene ernst genommen werden, wenn sie von Drogen abraten. Dann endlich der neue Film: 15 Minuten "Pizza Amore", kein Happy End, aber auch keine Tragödie. Ein echter Wendel eben: Gedreht in heruntergekommenen Straßenzügen von Stuttgart, wo der Jung-Regisseur im Herbst das Studium der audiovisuellen Medien abschließen wird, achtete er auch diesmal auf die Details in Bildern, Dialogen, Kostümen und Drehorten. "Ob eine Szene funktioniert, liegt an diesen vermeintlichen Kleinigkeiten", meint er, "was viel zu oft vergessen wird." Hier stimmen die Kleinigkeiten: Ein trauriger Bursche, den seine Freundin verlässt, nachts und im Winter, und der irgendwie heimkommen muss. Das schafft er mit dem Pizza-Bringdienst. Am Steuer sitzt eine junge Dame mit Strickmütze. Mehr wird nicht verraten, nur so viel: Taschentücher braucht man nicht.