Kein Industrielärm mehr in Hinzerath

Kein Industrielärm mehr in Hinzerath

Der Lärm des einstigen Sägewerks Mettler hat mehr als 100 Jahre lang die Lebensqualität der Hinzerather beeinträchtigt. Um zu verhindern, dass sich in den leer stehenden Hallen wieder laute Industriebetriebe ansiedeln, legt die Gemeinde Morbach für künftige Investoren Höchstwerte für Lärmemissionen fest.

Hinzerath. Ruhig geht es zu auf dem Gelände des ehemaligen Sägewerks in Hinzerath. 1999 hatte das Unternehmen Mettler-Holz Insolvenz angemeldet. Die einstigen Hallen, in denen zeitweise mehr als 100 Menschen gearbeitet hatten, stehen seitdem leer. Die wenigen Fensterscheiben sind zumeist zerbrochen, durch Löcher in den Decken ist Schnee in die Hallen gefallen. Lediglich ein Drittel des insgesamt rund 15 Hektar großen Geländes wird genutzt: In einem eingezäunten Bereich erzeugt seit 2010 eine Photovoltaikanlage Strom.
Fehlende Bebauungspläne


Das Gelände des ehemaligen Sägewerks am südöstlichen Bereich von Hinzerath ist im Flächennutzungsplan zwar als Gewerbefläche ausgewiesen, doch hat es nie einen Bebauungsplan gegeben, sagt Thomas Recktenwald von der Morbacher Verwaltung.
Deshalb könnte sich auf dem brachliegenden Teil des Geländes theoretisch wieder ein Betrieb ansiedeln, der wie einst das Sägewerk lautstarke Industrieanlagen betreibt.
Um dies zu verhindern, will die Gemeinde Morbach jetzt einen Bebauungsplan aufstellen, der Emissionswerte begrenzt. "Die Gemeinde will den Lärmpegel früherer Jahre wegen der Nähe zur Wohnbebauung nicht mehr zulassen", sagt Recktenwald.
Auf zwei Teilflächen sind demnach nur noch maximale Lärmwerte von 60 Dezibel am Tag und 45 Dezibel in der Nacht zulässig, bei der dritten Teilfläche, die sich am weitesten von den Wohnhäusern entfernt befindet, sind 65 Dezibel tagsüber und 50 Dezibel in der Nacht erlaubt. Zum Vergleich: 40 bis 60 Dezibel entsprechen normaler Gesprächslautstärke oder einem leisen Radio, 60 bis 80 Dezibel einem lauten Gespräch oder einem vorbeifahrenden Auto (Quelle: Wissen - Süddeutsche.de).

Nachtruhe gewährleisten


Im Falle einer gewerblichen Neuansiedlung würden in den Wohngebieten die Richtwerte nicht mehr überschritten und lägen dann maximal auf dem Niveau eines Mischgebietes. Auch die Nachtruhe der Hinzerather wäre gewährleistet. Ein Betrieb, der sich hier ansiedeln möchte, müsste nachweisen, dass er die Höchstwerte nicht überschreitet, sagt Recktenwald.
Mit den verbindlichen Regelungen hätte ein potenzieller Investor Planungssicherheit. Nach seiner Kenntnis plant derzeit kein Unternehmen eine Ansiedlung in Hinzerath.
Das Gelände gehört seit 2003 der Projektentwicklungsgesellschaft Morbach, die in Ernzen in der Eifel ihren Sitz hat. Geschäftsführer Erland Johann Knaf war kurzfristig für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.
Der Bebauungsplan entspricht den Vorstellungen des Hinzerather Ortsbeirats, sagt Ortsvorsteher Hermann Moseler.
"Wir wollen kein Industriegebiet mit großen Belastungen", sagt er. Wichtig ist Moseler, dass die Initiative für den Bebauungsplan von der Gemeinde ausgegangen ist, so dass diese ihre städtebaulichen Ziele verbindlich festschreiben kann.