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Kein Kompromiss in der Poller-Frage

Kein Kompromiss in der Poller-Frage

Weil Absperrpoller das Rangieren mit dem Auto verhindern, kann Udo Schultheiß seine neu angemietete Garage in der Wittlicher Innenstadt nicht nutzen. Eine Entfernung der Absperrung lehnen Stadtverwaltung, Polizei und LBM aus Sicherheitsgründen ab. Auch auf einen Kompromissvorschlag lassen sie sich nicht ein. Der Mieter ist wütend.

Wittlich. Jeden Tag ist Udo Schultheiß auf Parkplatzsuche. Dabei zahlt er Miete für eine Garage in der Nähe seiner Wohnung in der Wittlicher Innenstadt. Sein Auto hat er darin aber noch nie abgestellt. Das Problem: Entlang der Gerberstraße, in der sich die Garage befindet, sind Absperrpoller aufgebaut. Und die engen den Platz so stark ein, dass ein Rangieren unmöglich ist. Schultheiß ruft bei der Stadt an, trifft sich mit Mitarbeitern der Verwaltung, erklärt das Problem. Etwa zwei Monate ist das her. Da war er gerade von Hupperath nach Wittlich gezogen. Eine Lösung gibt es bis heute nicht. Noch immer warte er auf einen Rückruf von der Stadt, sagt er.
Schultheiß ist wütend: "Ich kann das nicht verstehen. Die Argumente, warum die Poller da stehen bleiben müssten, wechselten permanent. Zur Umsetzung zweifelhafter Regelungen muss die Stadt andere Möglichkeiten finden als Anwohnern die Garage zu blockieren." Verärgert ist er auch über das Verhalten der Mitarbeiter: "Man hat mir gesagt, bevor man eine Garage miete, müsse man auch sehen, dass man hineinfahren könne, und hat mich darauf hingewiesen, dass man in der Stadt auch mal zu Fuß gehen müsse."
Auf TV-Anfrage erklärt die Stadt, dass sie über die Poller-Frage nicht allein zu entscheiden habe. Dies falle auch in die Zuständigkeit der Polizei Wittlich und des Landesbetriebs Mobilität (LBM). Die Sache sei aber abschließend geklärt: Die Poller, nach Angaben der Stadt im Zuge der Inbetriebnahme der Südtangente aufgestellt, müssten aus Sicherheitsgründen stehen bleiben. Und da sind sich alle zuständigen Stellen einig.
Klaus Wagner vom LBM erklärt: "Eine Entfernung der Poller würde es Autofahrern ermöglichen, die Ampel an der Kreuzung Gerberstraße/Trierer Straße zu umfahren. Genau das sollen die Poller verhindern." Ebenso gefährlich sei laut Stadtpressesprecher Jan Mußweiler das Auffahren auf die Straße, besonders weil sich gegenüber eine Bushaltebucht befindet.
Bedenken gibt es daher auch bei dem Vorschlag des Mieters, die festen Poller durch mobile zu ersetzen, so dass er diese immer wieder zurückstellen kann. Mußweiler sagt: "Auch das würde das Gefahrenpotenzial an dem Knotenpunkt, direkt vor der Ampel, erheblich erhöhen." Martin Nellinger von der Polizei Wittlich erklärt: "Ich kann den Mieter ja gut verstehen, aber das ist alles absolut nicht im Sinne der Verkehrssicherheit."
Mußweiler weist darauf hin: "Ich sehe hier im Übrigen auch keine unterschiedlichen Einwände, sondern gleich mehrere." Die Stadt habe Schultheiß telefonisch nicht erreicht, seiner Vermieterin habe man das Ergebnis mittlerweile jedoch mitgeteilt.Kein Problem für die Feuerwehr


Die festen Poller in der Gerberstraße seien für die Feuerwehr im Übrigen kein Hindernis, wie Mußweiler erklärt: "Die Feuerwehrzufahrt erfolgt seit Jahrzehnten über die Untere Kordel."
Wagner vom LBM meint: "Im Notfall verfügt die Feuerwehr auch über wirksame Mittel, die Poller kurzfristig zu entfernen."
Schultheiß hat in seiner Garage nur sein Fahrrad und die Mülltonne stehen. Er bemüht sich derzeit um einen Tauschhandel: Er bietet seine Garage als Abstellraum gegen einen Stellplatz auf dem Parkplatz des Wittlicher Hofs an. "Das ist alles Quatsch: Da hab ich eine Garage angemietet, und laufe hier rum und bettle bei den Leuten", sagt er. Auf die Frage, ob er sich dann nicht vielleicht ein kleineres Auto zulegen will, sagt er: "Wenn die Stadt mir eines finanziert."