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Kein Nachfolger in Sicht: Arzt schließt Praxis

Kein Nachfolger in Sicht: Arzt schließt Praxis

Der einzige in Osann-Monzel praktizierende Hausarzt schließt aus Altersgründen Ende Juni seine Praxis. Der Mediziner findet keinen Nachfolger. Das geht immer mehr seiner Kollegen auf dem flachen Land so.

Schluss, Aus, Ende. Am kommenden Freitag schließt Franz-Theo Isselstein seine Praxis. Um 13 Uhr und mit viel Wehmut, wie der Mediziner sagt. Nach 28 Jahren gibt es damit dann keinen Hausarzt mehr in Osann-Monzel (rund 1600 Einwohner). Und schon vor dem endgültigen Termin wird so manche Träne in der kleinen Praxis im Osanner Ortskern vergossen. "Es sind viele kleine Abschiede", sagt Isselstein.

Seine Patienten sind dem gebürtigen Trierer wichtig. Das merkt jeder, der sich mit ihm über seine Zeit in Osann-Monzel unterhält. Deshalb hat er auch so lange gezögert. Eigentlich habe er schon mit 65 Jahren aufhören wollen, sagt Isselstein. Doch er habe weitergemacht in der Hoffnung, dass sich ein Nachfolger findet. "Inzwischen musste ich einsehen, dass es niemanden gibt, der hier tätig werden will", sagt der 68-Jährige. Trotz aller Versuche, jemanden zu finden. So wie Isselstein ist es auch schon anderen Kollegen gegangen. Der Mediziner berichtet davon, dass es allein im Bernkastel-Kueser Bereich zwei Kollegen gab, die keinen Nachfolger fanden. In anderen Teilen der Region gibt es ähnliche Probleme.

Aktuell praktizieren noch viele Hausärzte, die mindestens 60 Jahre alt sind. Auch wenn sie, wie Isselstein sagt, "praktizieren dürfen, bis sie tot umfallen", würden wohl viele in dem Alter ihre Praxen aufgeben, in denen auch andere Arbeitnehmer in Rente gehen.

Zwar gebe es vor allem in den Städten noch ausreichend Allgemeinmediziner, sagt der Arzt. Er geht jedoch davon aus, "dass innerhalb von zehn Jahren die flächendeckende hausärztliche Versorgung zusammenbricht". Es lohne sich aus Sicht vieler junger Kollegen eben nicht, als Allgemeinmediziner auf dem Land zu arbeiten. Schon vor Jahren habe die Politik nicht die richtigen Weichen gestellt.

Die Konsequenzen des Praxensterbens bekommen vor allem die älteren Menschen zu spüren. "Viele schaffen es noch gerade so, mit dem Rollator in meine Praxis zu kommen", sagt Isselstein. Die müssten nun versuchen, irgendwie zu den Kollegen in Wittlich, Bernkastel-Kues oder Lieser zu kommen. Drei seiner Kollegen würden jedoch inzwischen keine neuen Patienten mehr annehmen.

Wo so viel Schatten ist, ist jedoch auch ein wenig Licht. Auch die Ortsgemeinde Osann-Monzel hat sich schon seit einiger Zeit bemüht, einen Nachfolger für den scheidenden Mediziner zu finden. Bisher ohne Erfolg. Das könnte sich jedoch ändern. "Wir führen derzeit Gespräche", sagt Ortsbürgermeister Matthias Stoffel.

Extra

Ärztemangel: Nach Berechnungen der Kassenärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz aus dem Vorjahr sind in Trier und dem Kreis Trier-Saarburg 22 Arztstellen unbesetzt. Im Eifelkreis Bitburg-Prüm waren es zwölf, im Kreis Bernkastel-Wittlich elf und drei im Vulkaneifelkreis. Aufgrund der Altersstruktur ist davon auszugehen, dass sich innerhalb weniger Jahre viele Mediziner aus dem aktiven Berufsleben zurückziehen werden. wie/har