Kein Nazisymbol, sondern Glückszeichen

Kein Nazisymbol, sondern Glückszeichen

Cusanus\' Vision vom Frieden der Religionen hat die Künstlerin Mana Binz zu einer Lichtdeckeninstallation im neuen Gebäude der Cusanus-Grundschule inspiriert. Heute stellt sie das Werk vor und will jegliche Zweifel zerstreuen, dass ein darin verwendetes Symbol etwas mit einem Hakenkreuz zu tun haben könnte. Das Zeichen steht für den Buddhismus.

Bernkastel-Kues. "Kunst, die keine starken Reaktionen auslöst, hat keinen Wert." Das hat der amerikanische Sänger Marilyn Manson gesagt. Auch Mana Binz, Glas-Künstlerin aus Lieser, ist nach eigenen Aussagen froh, wenn über ihre Kunst geredet wird.
Dass ihre zehn Quadratmeter große Lichtdeckeninstallation im neuen Gebäude der Bernkastel-Kueser Cusanus-Grundschule schon für Unruhe gesorgt hat, weil sie mit einem Hakenkreuz in Verbindung gebracht wurde, ist jedoch ganz und gar nicht in ihrem Sinn. Was hätte ein Nazi-Symbol auch in einem Werk zu suchen, das sich mit der Vision des Friedens zwischen den Religionen beschäftigt? Nichts.
Das strittige etwa fünf mal fünf Zentimeter große Kreuz, dessen Arme - anders als beim Nazi-Symbol - gegen den Uhrzeigersinn zeigen und das auch nicht auf der Spitze steht, wird Swastika genannt. Dies ist das Wort für Glücksbringer in der altindischen Sprache Sanskrit. Die Swastika ist ein Symbol, das leicht variiert seit 6000 Jahren in Europa und Asien verwendet wird und im Buddhismus sowie im Hinduismus eine große Rolle spielt.
"Wir müssen diesen Völkern ihre Symbole zurückgeben!", fordert Binz vor dem Hintergrund, dass die Nationalsozialisten das Zeichen für ihre Zwecke missbraucht haben. Bei ihr steht die Swastika für den Buddhismus. "Im asiatischen Raum ist es das Glückssymbol schlechthin. Es ist allgegenwärtig: auf Hochzeitstorten und als Maskottchen im Taxi", sagt die Künstlerin, die selbst viel in Korea unterwegs war. In ihrer Lichtdeckeninstallation, die im Vorraum von Mensa und Sporthalle hängt, zeigt sie Symbole der Weltreligionen ohne Hierarchie. Sieben Repräsentanten hat sie dafür ausgewählt: Judentum, Christentum, Islam, Hinduismus, Buddhismus sowie Naturreligionen aus Afrika und der Indianer.
Binz bezieht sich mit ihrem Werk auf die Abhandlung "De pace fidei" ("Über den Glaubensfrieden") von Nikolaus von Kues, auch Cusanus genannt. Der Philosoph, Theologe und Mathematiker, der 1401 in Kues geboren wurde, hat sich auf die Gemeinsamkeiten der Religionen konzentriert und eine Vision gehabt: Es gibt nur eine einzige wahre Religion, auf der alle Weltreligionen fußen. Unterschiedlich sind nur die Riten. "Als ich das gelesen habe, habe ich gedacht: Das ist brandaktuell! Die schlagen sich immer noch die Köpfe ein", sagt Binz.
Die Idee für eine Deckeninstallation hatte sie, als sie sich die Baustelle für die neue Mensa und die Schulturnhalle angesehen hat. Binz: "Eine Skulptur kam nicht in Frage, um den Kindern nicht noch mehr Platz zu nehmen." Auch wollte sie den Schülern in dem fensterreichen Gebäude nicht den Durchblick nehmen. Sie wollte den Blick der Schüler, der oft genug nach unten auf das Handy oder Notebook geht, erweitern. So weit die Kunst und die Idee dahinter.
Und die Unruhen um das Werk? Die Kritiker scheinen sich nicht aus der Deckung zu wagen. Schulleiterin Nadine Sieverding hat nur vom Hörensagen etwas von den Diskussionen erfahren. Vom TV befragte Eltern im Umfeld der Schule wissen nichts davon. Die Künstlerin hat nichts vernommen. Bei ihr kamen lediglich Hinweise auf Kunstwerke an, die ebenfalls die Swastika zieren, zum Beispiel auf eine Statue im Traben-Trarbacher Buddha-Museum.
Der einizige, der direkt angesprochen wurde, ist Yaghoub Khoschlessan, Vorsitzender des Bündnisses für Menschlichkeit und Zivilcourage sowie bekennender Jude. Er sagt: "Mich haben etwa zehn Leute angerufen, ebenso viele haben gemailt. Sie haben mich gebeten, etwas zu unternehmen. Da sei ein Hakenkreuz in dem Kunstwerk." Er habe erklärt, dass es sich um ein buddhistisches Glückssymbol handele. Khoschlessan fordert, Lehrer, Eltern und Schüler generell über das Symbol und dessen Missbrauch durch die Nazis aufzuklären. In den Augen derjenigen, die etwas suchten, sei das Zeichen prominent platziert, sagt Khoschlessan. Er selbst meint: "Das ist künstlerische Freiheit, das so darzustellen."
Wer mehr über die Lichtdeckeninstallation mit dem Titel "De pace fidei" erfahren oder sie anschauen möchte, hat heute Abend ab 19 Uhr die Möglichkeit dazu. Bürgermeister Ulf Hangert und Schulleiterin Sieverding laden zur Vorstellung ein mit Mana Binz und der Kulturjournalistin Eva Maria Reuther, die auch für den TV schreibt. Die Künstlerin zeigt zum Vortrag einen Film und Fotos.

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