Kein Rettungsschirm des Landes für Hagelopfer

Kein Rettungsschirm des Landes für Hagelopfer

Josef Peter Mertes, Präsident der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD), hat drei vom Hagelsturm betroffene Moseldörfer besucht. Einem Rettungsschirm oder einer Soforthilfe für Betroffene erteilte er eine Absage. Hingegen sollen Landesgelder für die Dorferneuerung als punktuelle Hilfe eingesetzt werden.

Veldenz/Bernkastel-Kues/Kröv. Zehn Uhr. In Veldenz strahlt der Himmel so, als habe es den Hagelsturm nicht gegeben. Ortsbürgermeister Norbert Sproß führt ADD-Präsident Josef Peter Mertes durch das Dorf. Das Ausmaß der Zerstörung ist an jeder Ecke sichtbar. Überall wird gearbeitet, werden Dächer geflickt, wird Schutt weggeschafft - und geschimpft. Mertes hört sich die Nöte der Menschen an, spricht ihnen Mut zu und erteilt den Rufen nach Soforthilfen gleich eine Absage. "Ich bin nicht gekommen, um Geld zu verteilen", sagt Mertes deutlich, aber nicht ohne Mitgefühl. Die Versicherungen zahlten den Löwenanteil der Schäden. Auf der anderen Seite versuche man, Landesgelder für die Dorferneuerung für punktuelle Schadensbehebung einzusetzen. Sproß hingegen fürchtet, dass sozial schwache Einwohner nicht versichert seien. Und die Plastikfolien auf den Dächern seien nur ein Provisorium. "Der nächste Sturm reißt die runter."
Rita und Karl-Heinz Haubs saßen auf gepackten Koffern, um in den Urlaub zu fahren. Der Sturm hat das komplette Dach weggerissen, Wasser ist eingedrungen und hat die Decken aufgeweicht. Sie übernachten im Keller. "Das ist jetzt unser Urlaub", scherzt Haubs.
Bernkastel eine gute Stunde später: Das Cusanus-Hofgut des DRK Sozialwerks auf dem Kueser Plateau ist gut versichert. Geschäftsführer Christian Johann wirkt deshalb entspannt, auch wenn die letzten Tage turbulent waren. Die Hagelgeschosse haben aus dem großen Gewächshaus einen Scherbenhaufen gemacht. Die Werkstätten, wo 200 Behinderte arbeiten, sind arg mitgenommen. Auch die Wohnheime mussten teilweise geräumt werden. Verwaltungsgebäude notdürftig als Unterkünfte umfunktioniert. Verletzt wurde niemand, nur verschreckt sind sie alle noch. "Das ist hart für die Behinderten, die nicht an ihren gewohnten Platz können", sagt Mertes. Das Dach der Reithalle ist durchsiebt, die Sonne blinzelt durch Hunderte Löcher ins Innere. Wie ein Kunstwerk. Die 68 Pferde im Reitstall haben dank des massiven Holzunterdachs nichts abbekommen.
Kröv, nach Mittag: Hier ist der Trübsinn dem Galgenhumor gewichen. Hier haben Hagelgeschosse die Schieferschindeln und Fenster in großen Teilen des Ortes bersten lassen. Ein alteingesessener Kröver nestelt Mertes scherzhaft an der Jackentasche auf der Suche nach den Geldscheinen, um ein neues Dach zu bezahlen. "Alle Schecks sind schon weg", lacht Ortsbürgermeister Günter Müllers.
Winzer Horst Römer ist sauer auf die Versicherung. "Haus kaputt, Autos kaputt, Weinberg kaputt, alles kaputt", sagt er. Ein Versicherungsvertreter habe ihm gesagt, die 60 000 Euro teure Photovoltaikanlage gehöre nicht zum Dach und werde deshalb nicht erstattet. "Wir können Ihren Schaden nicht bezahlen", erwidert Mertes. Und damit meint er nicht die 1000 Hektar Weinberg, die an der Mosel binnen Minuten zunichte gemacht wurden.