1. Region
  2. Mosel, Wittlich & Hunsrück

Kein Risiko in Baumfragen - Stadtrat Wittlich lehnt Umpflanzung ab

Kein Risiko in Baumfragen - Stadtrat Wittlich lehnt Umpflanzung ab

Klingt gut, irgendwie kann jeder etwas dazu sagen, aber was ist die begründete Antwort auf die Frage: "Kann man alte Bäume aus der Feldstraße in die Karrstraße umverpflanzen?" Für den Stadtrat ganz klar mit 25 zu drei Stimmen: Nein. Damit sind die Grünen mit ihrem entsprechenden Antrag, das genau zu prüfen, gescheitert.

Wittlich. Es geht um ein Riesenprojekt, das Hunderte Menschen direkt betrifft und die Natur sowieso. Die Stadtratsmitglieder sagen dazu öffentlich nichts. Aber sie heben alle zustimmend die Hand zum Beschluss.
So dauert es weniger als eine Minute, und die Entscheidung ist gefallen, die eine industrielle Groß-Ansiedlung auf bisherigen Grünflächen voranbringen soll: Das Vorhaben der Firma Benninghoven, eine der führenden Firmen im Bereich der Asphalt-Mischanlagen und Teil der weltweit tätigen Wirtgen Gruppe, einen neuen Standort bei Wengerohr zu errichten, ist einen Schritt weiter. Der "Erschließungs- und Kostenübernahmevertrag" ist einstimmig akzeptiert.Garnicht so einfach


Nach dieser schnellen Entscheidung für eine komplizierte Angelegenheit geht es um ein Projekt von weitaus kleinerer Dimension.
Es betrifft ebenfalls Natur, die städtischen Zukunftspläne weichen soll - oder auch nicht. Und jetzt ist das Interesse der Stadträte am Debattieren geweckt.
Den Auslöser ist ein Antrag der Grünen im Wittlicher Stadtrat. Er hat das Ziel, prüfen zu lassen, ob man die rund 35 Jahre alten Bäume an der Feldstraße, Höhe Platz an der Lieser, die für das Projekt "Stadt am Fluss" gefällt werden sollen, nicht umpflanzen kann und zwar auf den Parkplatz Karrstraße, der begrünt werden soll.
Stephan Lequen trägt den Antrag seiner Fraktion vor, der "eine Verpflanzung der Bestandsbäume in Zusammenarbeit mit einer Fachfirma" anregen soll. Denn die "innerstädtischen Bäume" seien "Wichtig für Wohlbefinden, Kleinklima", böten einen "Erholungsfaktor" und aktuell habe man ja den "wunderbaren, zeitlichen Zusammenhang", weil man einerseits die Bäume am Rand des Platzes an der Lieser entfernen muss für das Projekt "Stadt am Fluss" zum anderen welche auf dem Parkplatz Karrstraße anpflanzen will.
Aber heißt es nicht sprichwörtlich: "Einen alten Baum verpflanzt man nicht?"
Die Stadtratsmehrheit hat das Verpflanzen jedenfalls nach ausführlicher Debatte mit 25 Nein-Stimmen abgelehnt. Dafür, es wenigstens prüfen zu lassen, stimmt allein die Grünen-Fraktion mit drei Ja-Stimmen.Wenig Wurzeln, kleine Krone


Und welche Argumente haben die Mehrheit überzeugt?
Zunächst informiert Lothar Schaefer, Stadtwerke, zum Sachstand: "Wir sind mit dem Fachplaner Heckel alle Bäume abgegangen. Ergebnis: Die, die im Hochbeet stehen da seit 35 Jahren. Sie sind von unheimlich schlechter Qualität, haben wenig Volumen für die Wurzeln und stehen dicht an dicht, sodass sie als Solitärbäume vermutlich nicht lebensfähig sind."
Zudem bräuchten Umpflanzungen einen Vorlauf von rund zwei Jahren, unter anderem, um nach und nach die Wurzeln kappen zu können. Lothar Schaefer: "Dann lieber neues, hochwertiges, zum Pflanzen vorbereitetes Material einkaufen."
Michael Scheid, FWG, bestätigte den Vorredner. Man müsse zum Umpflanzen den Großteil der Wurzeln kappen und zum Ausgleich auch die Blattmasse der Krone: "Die Bäume müssten radikal zurückgeschnitten werden. Und danach werden wir vom Habitus jahrelang nicht das haben, was der Baum einmal war. Auch gibt es dann im Wurzelbereich eine Eintrittstelle für holzzersetzende Pilze: Er wird nicht mehr standsicher." Scheid weiter: "Und keiner, der diese Großbäume verpflanzen wird, gibt Ihnen eine Anwuchsgarantie. Man kauft besser bereits in der Baumschule mehrfach verpflanzte, große Gehölze. Die haben eine Kronenhöhe von sieben, acht Metern. Damit sind wir auf der sicheren Seite."Von Pilzen befallen


Die Bäume sind nicht geeignet, das Verpflanzen sehr, sehr teuer, es gibt sowieso keine Anwuchsgarantie, die Bäume müssten so enorm gestutzt werden, dass sie erst nach Jahren wieder "normal" aussehen würden, wenn sie überhaupt anwachsen und nicht zur Gefahr werden, weil sie in solchen Fällen oft im Wurzelbereich von Pilzen befallen werden.
Elfriede Meurer, CDU, lehnt die Umpflanzung in diesem Fall auch ab: "Natürlich kann man heute fast alles machen, aber wir sollten Bäume aus der Baumschule nehmen." Mit CDU- auch FDP-Kollegen verwies sie auf die Kosten für Gutachten und Pflanzaktion bei ungewissem Resultat.
Joachim Gerke, SPD, hat sich ebenfalls eine Meinung gebildet: "Der Anwuchsschock kann bis zu zehn Jahre dauern. Verschulte Bäume werden die in der Zeit auf jeden Fall im Wuchs überholt haben. Mir wurde bei der Frage nach der Umpflanzung geraten: ,Tun Sie sich das nicht an.'"
Stephan Lequen gab zu bedenken, dass "nicht alle Fachfirmen, die Großbaumverpflanzung anbieten, Scharlatane sind. Es gibt welche, die das nachgewiesener Maßen erfolgreich machen."
Durchsetzen konnte sich der Grüne mit seinen Ratskollegen nicht.