Theater: Kein Text und kein Applaus

Theater : Kein Text und kein Applaus

Der Theaterverein Het­zerath arbeitet seit zwei Jahren an einem Projekt, das seinesgleichen sucht. In dem Stück mit 18 Darstellern geht es um Anne Frank, die historischen Hintergründe und das eigene Ich. Fünf Schulen sind mit dabei.

Die Anspannung ist Ottmar Hauprich anzumerken. An vielen Stellen muss er schauen, dass sich das Projekt, an dem er mit seiner 18-köpfigen Theatergruppe arbeitet, zusammenfügt. Da kommt die Friseurin, um Frisurenvorschläge für die Schauspieler zu machen, am Nachmittag hat er noch mit dem Büro eines Ministers telefoniert, und bei den Proben ist er als Regisseur mit voller Konzentration gefragt.

Um ihn herum gibt es aber viele Menschen, die ihn unterstützen und auf die er sich verlassen kann. So wie Andrea Eberhard. Sie kümmert sich um die Ausstellung und die Führun­gen. Erste unter dem Titel „Lasst mich ich selbst sein“ kommt aus dem Anne-Frank-Zentrum in Berlin und wird morgen, am 14. November, eröffnet. Sie hat zwei Teile: Im ersten geht es um das Leben von Anne Frank und geschichtliche Hintergründe, im zweiten Teil geht es um das eigene Ich unter dem Titel „Wer bin ich, wie sehen mich die anderen, zu welchen Gruppen gehöre ich, wem schließe ich mich an?“.

Bisher gibt es bereits 29 Gruppen, die sich fest zur Besichtigung angemeldet haben, insgesamt zwischen 750 und 800 Jugendliche. Vier Gruppen werden pro Tag geführt. Besonders ist an dieser Ausstellung, dass Jugendliche, sogenannte Peer-Guides, durch die Ausstellung führen. Andrea Eberhard: „Die Schüler werden von zwei Pädagogen aus Berlin geschult. 33 sind es aus fünf Schulen, die mitmachen. Und es hätten sogar noch mehr gewollt.“ Weiter sagt sie: „Alle werden mehreren Gruppen die Ausstellung zeigen, dabei lernen sie, ihre Meinung zu vertreten, vor Menschen zu sprechen und auf kritische Fragen zu antworten.“

Neben der Organisation der Ausstellung ist der Bühnenbau eine Herausforderung gewesen. Da die Hetzerather das Anne-Frank-Haus mit seinen drei Stockwerken nicht übereinander auf die Bühne bringen konnten, haben sie die Stockwerke nebeneinander, mit jeweils etwas Höhenversatz, angeordnet. An vier Wochenenden hat sich das Team bei einer Schreinerei in Föhren getroffen, um das Projekt umzusetzen. Ottmar Hauprich: „Wir haben uns dabei am original Anne-Frank-Haus orientiert, beispielsweise bei der Farbgebung der Türen, die in sehr kräftigen Farbtönen gestaltet waren.“ Mit dem Aufbau konnte die Gruppe erst am Sonntagabend starten.

 Viele der Kostüme sind selbst genäht oder wurden selbst zusammengesetzt. Ottmar Hauprich: „Ich habe bei Kostümverleihen nach Uniformen aus der NS-Zeit geschaut, da hätte alleine das Ausleihen einer Uniform 200 Euro gekostet. Also haben wir geschaut, was wir noch haben und die Hakenkreuzbinden selbst genäht.“ Das war aber ein komisches Gefühl: „Ich habe in einem T-Shirt-Druckladen ganz schön viele Erklärungen abgegeben, um zu rechtfertigen, warum ich Judensterne brauche“, sagt Hauprich.

Im Dorf treffen die Ausstellung und das Theaterstück auf sehr viel positive Resonanz, wobei Ottmar Hauprich auch kritische Stimmen hört. Im Stück haben die auftretenden Nazis keinen Text, und beim Schlussapplaus werden die Darsteller ihre Jacken mit Hakenkreuzen ausziehen. „Bei mir kriegt kein Nazi Text und deren Symbole werden bei mir auch nicht beklatscht“, betont Hauprich überzeugt.