Keine Chance gegen Überfall-Kommandos

Keine Chance gegen Überfall-Kommandos

Kleid an, Hut auf, Schere in der Hand: Die Möhnen sind unterwegs. An Weiberfastnacht gilt nur ihr Wort. Und die Männer parieren. Denn schließlich wollen sie die Macht wieder zurück.

Bernkastel-Kues/Traben-Trarbach/Neumagen-Dhron. Gewohnt früh sind die Dhroner Möhnen an Weiberfastnacht unterwegs. Doch sie haben nicht nur Freude, sondern auch Sorgen im Gepäck, als sie bei Christiane Horsch, der Bürgermeisterin der Verbandsgemeinde Neumagen-Dhron, eintreffen. "Wir haben gehört, die VG wird verteilt. Sind wir denn jetzt ein letztes Mal zu ihnen geeilt?", fragen sie. Ein Sahnestückchen haben sie dabei. Die Bürgermeisterin solle die VG weiter als solches präsentieren. "Zum Verteilen ist es zu klein, drum lässt man es besser ein Ganzes sein", lautet der Möhnen Rat.

Um Politik geht es auch bei der Erstürmung des Rathauses der Stadt Bernkastel-Kues. Die Bernkasteler Möhnen machen Stadtbürgermeister Wolfgang Port den Vorschlag, mit ihnen an diesem Tag durch die Stadt zu gehen. "Dann gewinnst du die Wahl allemal", erklären sie. Und wenn es am 7. Juni mit der Wiederwahl nicht klappen sollte, könne er Mitglied der Möhnen werden. Doch erst einmal händigt Port ihnen nur den Inhalt der Stadtkasse aus. Er tut es jedes Jahr gerne, denn die Möhnen spenden das an ihrem großen Tag verdiente Geld für einen guten Zweck.

Ulf Hangert, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues, empfängt die Wehlener Möhnen und eine Abordnung der Rosenbergschule mit einer geschliffenen Rede. Er spricht von Weltwirtschaftskrise, Klima, Ölpreisschock, Steuersündern und Abhörmethoden. Und er kommt zu dem Schluss: "Da kann man doch nur sagen, und das ohne zu fragen, wie gut, dass wir die Möhnen haben."

Celia Kerpen antwortet genauso geschliffen: "Eulen gibt es weltweit in jeder Generation, Eulen sind für Menschen die Faszination. Nun muss man sich nicht mehr fragen, warum die Leute Eulen nach Athen tragen. Da rief die Möhne mit Juchuh, ich bin Eule - wer bis du?"

In Traben-Trarbach stürmt um Punkt 11.11 Uhr das närrische Überfallkommando, angeführt von KVTT-Sitzungspräsident Stefan Bockelmann sowie dem kleinen und großen Prinzenpaar, das Rathaus der Verbandsgemeinde.

Vorbei ist es mit dem beschaulichen Tun zwischen Aktenordnern und Schnellheftern. "UKW, rück den Schlüssel raus und dann verschwinde aus diesem Haus", fordert Bockelmann Rathaus-Chef Ulrich K. Weisgerber auf. Der aber weiß sich zu helfen, denn Bockelmann hatte die Parole herausgegeben: "Was euch allein noch retten kann, ist Mosel-Riesling für jedermann."

Derweil greift Karl-Heinz Heinrich in die Tasten seines Akkordeons. Möhnen, die KVTT-Damen, Prinz und Prinzessin, Bürgermeister und als Ärzte verkleidete Räte haken einander ein und singen fröhlich: "Heile, heile Gänschen…"

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