Keine Chance trotz Verkleidung

An Mut fehlt es ihnen nicht. Dennoch unterliegen die Bürgermeister in Morbach und Thalfang, Andreas Hackethal und Marc Hüllenkremer, nach Gegenwehr der närrischen Übermacht. Seinen ersten Rathaus-Sturm erlebt Hüllenkremer als Frau Holle. Mehr Erfahrung hat der Morbacher Kollege, doch die hilft Hackethal ebensowenig wie Pfeil und Bogen, mit denen er als Robin H. vom Rathaus Forest ausgerüstet ist.

Morbach/Thalfang. "Ich glaube, heute werden wir erstmals das Rathaus halten können", sagt Andreas Hackethal, Bürgermeister von Morbach, kurz bevor er sich in seiner Verkleidung als Robin H. vom Rathaus Forest mit Pfeil und Bogen den 40 Möhnen stellt. Doch schnell stellt sich heraus, dass der Wunsch der Vater des Gedankens ist. Hackethals Leibgarde, bestehend aus zwei jungen muskulösen Waldarbeitern in kurzen Hosen und knackigen Unterhemden, jagt den schwarz gekleideten angriffslustigen Frauen keinen Schrecken ein, sondern sorgt bei ihnen für ein bewunderndes Seufzen. Protest gegen Nationalpark

Ganz schnell hat Möhne Anke Münster dem Bürgermeister die Krawatte abgeschnitten. Der Schlüssel wird übergeben, und schon führen die Möhnen das Regiment im Sitzungssaal. "Heute wird gefeiert, morgen kann im Rathaus weiter geruht werden", sagt Möhne Erika Müllers forsch. Die Mitarbeiter des Rathauses haben im Sitzungssaal für Waldatmosphäre gesorgt. Nicht nur der abgesetzte Robin H., die ganze weibliche Belegschaft des Rathauses wettert singend in Verkleidungen als Fliegenpilze, Waldfeen oder Honigbienen gegen den Nationalpark: "Und in Mainz, da sind die Räuber, hallihallo, die Räuber, und die wollen unsern Wald." Robin H. will auch als kurzfristig abgesetzter Bürgermeister "für unseren Wald kämpfen". Im Thalfanger Rathaus haben nun die von den "Tholfanger Spetzbouwe" angeführten Narren das Sagen. Allerdings mussten sie sich zuvor als Märchenkenner bewähren. Das war die Bedingung von Bürgermeister Marc Hüllenkremer, der sich als Frau Holle seinem ersten Rathaussturm stellte. Den Schlüssel rückte er nur gegen drei märchenhafte Fragen heraus. Dank des Spürsinns der Berja Wackessen blieb das vorbereitete Daunen-Schneegestöber im Foyer leider aus. Die närrischen Berglichter schnappten sich auf Anhieb das mit Stoff und Schlüssel statt mit Daunen gefüllte Kissen. Die in diesem Winter arg vermisste Schneemacherin versicherte, der grüne Erbes kopf sei nicht ihre Schuld. Sie habe eifrig Kissen geschüttelt und auch Ratssitzungen besucht, bei denen es mitunter ähnlich närrisch zugegangen sei wie in der fünften Jahreszeit. Pfiffige Steuerideen

 Bürgermeister Andreas Hackethal wird von Bodyguards (rechts) vor den Möhnen beschützt. TV-Foto: Christoph Strouvelle
Bürgermeister Andreas Hackethal wird von Bodyguards (rechts) vor den Möhnen beschützt. TV-Foto: Christoph Strouvelle

Den leidigen Sparzwang will der von Spetzbouw Hans-Werner Engel zum "Bürgermeister v. a. D." - vorübergehend außer Dienst - degradierte Rathauschef mit pfiffigen Steuerideen beenden. Allen voran eine Mecker-Steuer, die künftig nörgelnde Leserbriefschreiber zum Wohle der Allgemeinheit zahlen sollen. Bei seinem närrischen Volk kam die Idee bestens an, was die Wackessen zu dichterischen und die Hädeborja Flappessen zu musikalischen Höchstleistungen anspornte. Während die Wackessen weiter auf Stadtrechte für Berglicht pochen, begeisterte Flappessen-Prinz Helmut III., der mit seiner Prinzessin Anita I. das Rathaus miterstürmte, mit seinem Schlagertalent. volksfreund.de/karneval