Keine Erfüllungsgehilfen
Zu den TV-Berichten über die Scherl-Ausstellung in Wittlich:
Bei meinem Aufenthalt in der Galerie Bose vom 11. bis zum 14.Mai 2007 blieb es nicht aus, dass wir auch über das hiesige Meistermann-Museum und seine aktuellen Probleme hinsichtlich seiner Indoktrinierung durch einen so genannten CDU-Kunstantrag sprachen.Auch wenn in Wien viel gemauschelt wird wie überall und von Politikern viele Begehrlichkeiten in vielen Dingen entwickelt werden, hüten sich die Stadtoberen davor, in die fachliche Kompetenz der berufenen städtischen oder staatlichen Museumsdirektoren einzugreifen und ihnen vorzuschreiben, welche Künstler sie auszustellen haben. Schließlich sind Museumsdirektoren keine Erfüllungsgehilfen der Politik. Das waren sie im gleichgeschalteten nationalsozialistischen Staat, für den ich als Kind und auch später keine Sympathie entwickeln konnte. Mein Vater und ich verteilten Flugblätter gegen die Nazis. Mein Vater legte sie hin und ich beschwerte sie mit Steinen. Häufig wurde mein Vater verhaftet und unsere Wohnung auf den Kopf gestellt. So wurde ich zum Widerständler und Querkopf, der ich auch heute noch bin.Und es will mir gar nicht in den Kopf , dass im hiesigen Meistermann-Museum in Wittlich die Werke eines Mannes namens Scherl ausgestellt und geehrt werden sollen, der im Dritten Reich Aufträge hatte und Oberscharführer war, während Meistermann als verfemter Künstler galt und Berufsverbot hatte. Wenn ich Meistermann und dessen Erben wäre, würde ich dem Meistermann-Museum meinen Namen entziehen und in einer anderen Stadt ein Meistermann-Museum gründen. Es gibt sicherlich genügend Städte, die froh wären, mit dem Namen Meistermann ihr Museum zu schmücken, denn er war eine Größe in der Kunstwelt nach 1945 sowohl geistig als auch künstlerisch. Professor Alfred Hrdlicka, Wien IHRE MEINUNG