Keine Erholung für Erholungsort

DEUSELBACH. (iro) Keine rosigen Zeiten für Deuselbach: Die Gewerbesteuer fiel im vergangenen Jahr deutlich geringer aus als geplant. Dennoch investiert der Erholungsort vor allem in sein Neubaugebiet: Im aktuellen Haushalt sind netto 60 000 Euro Beiträge für Wasser und Abwasser eingestellt.

Der Wunschzettel von Reinhard Manz ist kurz, aber momentan unrealistisch: Der Deuselbacher Ortsbürgermeister möchte den Haushalt ausgleichen können und Bauplätze verkaufen. Und beides hängt sogar miteinander zusammen: "Wenn Flächen verkauft werden, fließt schließlich wieder Geld in die Kasse", schildert er. Doch derzeit sieht es im Areal "Auf dem Acker" mau aus. Zwar befindet sich ein Gebäude bereits im Rohbau, die anderen neun Bauplätze, die sich noch in Gemeindebesitz sind, warten auf Käufer. Die Deuselbacher können momentan nur kleine Brötchen backen. Ihnen fehlen im aktuellen Haushalt 19 700 Euro, war im Ortsgemeinderat zu hören. In dieser Summe ist in der Regel auch das Altdefizit vom Vorvorjahr enthalten. Da der Haushalt 2004 allerdings ausgeglichen war, gibt es im aktuellen Etat keine Altlasten. Das Jahr 2005 hat sich nicht so entwickelt wie geplant. Die Gewerbesteuer brach im vergangenen Jahr weg. Michael Suska von der Verbandsgemeinde-Verwaltung berichtete von Ausfällen in Höhe von 25 000 Euro. Das lässt sich im Etat des 280-Einwohner-Orts nicht kompensieren. Die Konsequenz: Das Haushaltsloch, ursprünglich mit 21 000 Euro angesetzt, beläuft sich auf knapp 40 000 Euro. Auch, wenn für den dominierenden Gewerbebetrieb in Deuselbach das abgelaufene Jahr anscheinend "besser gelaufen" ist, plant Suska für 2006 mit rund 45 000 Euro erheblich vorsichtiger als im Vorjahr, als 70 000 Euro im Plan standen. "Uns geht es nicht anders als vielen anderen Kommunen. Wenn die Gewerbesteuer wegbricht, kommt es zu Engpässen", bedauert Manz. Neuer Themen-Wanderung in der Planung

Der Vermögenshaushalt ist vor allem durchs Neubaugebiet geprägt. Doch vor allem für den Fremdenverkehr soll sich noch einiges tun. Geplant sind neue Ortseingangsschilder und eine Info-Tafel am Weiher. Ins Auge gefasst ist ein Themenwanderweg mit dem Titel "Auf dem Weg zum Erbeskopf", der die Geschichte der Erhebung darstellen soll. Für das Vorhaben stehen allerdings noch keine Mittel im Plan. Zunächst will man laut Suska klären, wie es mit Fördermöglichkeiten aussieht. Der Brunnen im Ort, der ursprünglich im Zusammenhang mit der Ortsdurchfahrt neu gemacht werden sollte, soll in Kürze saniert werden, weil mit der Planung des Straßenprojekts frühestens 2008 begonnen wird. Laut Suska hat die Sanierung der freien Strecken im Kreis weiterhin Vorfahrt. Ein neuer Anstrich fürs Haus des Gastes war im letzten Jahr wegen der schlechten Haushaltslage verschoben worden. Er soll in diesem Jahr nachgeholt werden. Insbesondere wegen Vorfinanzierungskrediten geht auch der Schuldenstand erheblich in die Höhe, von 38 700 Euro auf 100 000 Euro. Die Langzeitverschuldung beläuft sich auf rund 22 000 Euro. Der Haushalt wurde einstimmig verabschiedet. Große Einigkeit herrschte auch beim zweiten Thema, der Wahl eines Straßennamens. Neue Techniken erfordern neue Lösungen. Wer in Deuselbach das Haus des Gastes oder das Tennisheim per Navigationssystem ansteuern will, der fühlt sich von der Technik im Stich gelassen. Denn beide Gebäude firmieren unter der Adresse Erbeskopfstraße, doch sie liegen an einer Abzweigung dieser Straße. Die Folge: Es gibt vermehrte Suchfahrten. Deshalb soll die Stichstraße künftig einen eigenen Namen bekommen. Diskutiert wurde über den Flurnamen "Ebenhell" und "Zur Alten Schule". Das Gremium entschied sich für den zweiten Vorschlag. Im Haus des Gastes hatte sich früher die Volksschule befunden.